Bachelorarbeit, 2011
57 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Begriffe: Aphorismus, Web 2.0 und Twitter
1.1. Der Aphorismus: Eine umstrittene Gattung
1.1.1. Definitionskonzepte
1.1.2. Wortgeschichte
1.1.3. Gattungsgeschichte des literarischen Aphorismus
1.2. Web 2.0: Vom Konsumenten zum Produzenten
1.2.1. Vom World Wide Web zum Web 2.0
1.2.2. Der Autor im Web 2.0
1.3. Twitter: Das Mikroblog-Netzwerk
1.3.1. Wie funktioniert Twitter?
1.3.2. Gründungsgeschichte
2. Aphorismen und Twitter
2.1. Twitter und Literatur: Der Mikroblogger als literarischer Autor
2.1.1. Beispiele für die Verbreitung von digitalen Kurztexten
2.2. Können Mikroblog-Texte Aphorismen sein? Eine Analyse anhand von Merkmalen des Aphorismus
2.2.1. Kürze und Konzision
2.2.2. Prosaform und Nichtfiktionalität
2.2.3. Kotextuelle Isolation
2.2.4. Themendiversität
2.2.5. Autorintention
2.2.6. Aktive Rezeption
2.3. Fazit
3. Ausblick: Die Bedeutung von Twitter für die Literatur und den Aphorismus
Die Arbeit untersucht, ob digitale Kurztexte auf Twitter als moderne Aphorismen betrachtet werden können, indem sie die Gattungsmerkmale des Aphorismus mit der technologischen und sozialen Dynamik des Web 2.0 vergleicht.
1.1. Der Aphorismus: Eine umstrittene Gattung
Aphorismen waren „häufig Gegenstand aphoristischer Selbstreflexion, nicht aber Objekt wissenschaftlicher Forschung“ 16. Die Aphorismusforschung bemühte sich erst seit den 1970ern verstärkt und kontinuierlich um die Untersuchung dieser Gattung.17 In den großen Literaturgeschichten wurde die Gattung bis vor kurzem fast gänzlich ausgeklammert. Man könnte sich fragen, ob die Texte zu klein sind, um wahrgenommen zu werden, oder ihre Zwischenstellung zwischen Poesie und Philosophie der Grund dafür ist.18
Erst mit der Veröffentlichung der Monografie Harald Frickes „Aphorismus“ setzte 1984 ein großes Bestreben ein, diese umstrittene Gattung zu definieren, um sie von verwandten Textsorten wie dem Sprichwort, dem Essay oder dem Epigramm abzugrenzen. Umstritten deshalb, weil die Versuche, die Gattung zu definieren, bis heute sehr kontrovers verlaufen und die Aphorismusforschung sich seit den 1980ern in verschiedene Richtungen bewegt hat.19 So konstatiert der Aphorismusforscher Friedemann Spicker noch 2010: „Als unsystematisches Erlebnisdenken und Erkenntnis Spiel im Grenzgebiet von Wissenschaft, Philosophie und Literatur bleibt dieser Aphorismus im besonderen Maße auf kritische Weiterarbeit angewiesen.“ 20 Laut Gerhard Fieguth liegt die Ursache in einer Reihe widersprüchlicher Strukturen [des Aphorismus]. Dazu gehören beispielsweise die Gegensätze von sprachlicher Kürze und gedanklich-ideenhafter Weite, von strenger pointierter Form und flüchtiger Notiz, von betont subjektiver Grundhaltung und Anspruch auf Allgemeingültigkeit [...]21.
Ein weiteres Grundproblem liegt darin, dass nicht alle unter dem Titel „Aphorismus“ veröffentlichten Texte Aphorismen sind und umgekehrt. So wurden oftmals Zitate aus Nachlässen oder Tagebüchern, sowie Auszüge aus Romanen oder Dramen in Aphorismus-Sammlungen aufgenommen, obwohl sie nicht genuin als Aphorismen verfasst wurden. Und andersherum bezeichneten die Aphoristiker selbst ihre Werke meist nicht so, weshalb die Gattung seit dem Beginn der Gattungsgeschichte im 19. Jahrhundert durch eine erstaunliche Begriffsvielfalt geprägt ist. Herder nannte sie beispielsweise „Gedanken“, Schlegel bezeichnete sie als „Fragmente“ und „Ideen“, Canetti als bloße „Aufzeichnungen“.22 Literaturwissenschaftler hatten deshalb immer mit der Inkongruenz zwischen Begriff und Gattung zu kämpfen.
1. Begriffe: Aphorismus, Web 2.0 und Twitter: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen und historischen Grundlagen des Aphorismus sowie die technischen Entwicklungen des Web 2.0 und des Kurznachrichtendienstes Twitter.
2. Aphorismen und Twitter: Hier findet die eigentliche Untersuchung statt, bei der Twitter-Inhalte anhand spezifischer Kriterien wie Kürze, Nichtfiktionalität und Autorintention auf ihre Eignung als Aphorismen analysiert werden.
3. Ausblick: Die Bedeutung von Twitter für die Literatur und den Aphorismus: Das letzte Kapitel reflektiert über das Potenzial von Twitter für die zukünftige Literaturproduktion und die Etablierung des Aphorismus in der digitalen Popkultur.
Aphorismus, Twitter, Web 2.0, Mikroblogging, Literaturwissenschaft, Gattungsgeschichte, digitale Kurztexte, Autorschaft, Kürze, Konzision, kotextuelle Isolation, User Generated Content, Medienwandel, Internet, Textsorte.
Die Arbeit untersucht, ob die auf Twitter verbreiteten digitalen Kurztexte als Aphorismen im literaturwissenschaftlichen Sinne verstanden werden können.
Die zentralen Felder sind die Gattungsgeschichte des Aphorismus, die Medientheorie des Web 2.0 sowie die moderne digitale Literaturproduktion.
Ziel ist es, die strukturellen und inhaltlichen Ähnlichkeiten zwischen klassischen Aphorismen und Tweets zu identifizieren und zu hinterfragen, ob Tweets als eine neue Ausprägung dieser Gattung gelten können.
Die Autorin führt eine Analyse anhand eines etablierten Kriterienkatalogs durch, der Merkmale wie Kürze, Konzision, Prosaform, Nichtfiktionalität, kotextuelle Isolation und Autorintention umfasst.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Begriffe geklärt, bevor anhand praktischer Twitter-Beispiele analysiert wird, inwiefern diese die definierten Aphorismus-Merkmale erfüllen.
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Aphorismus, Twitter, Web 2.0, digitale Literatur und Gattungsgeschichte charakterisieren.
Die Begrenzung wird nicht nur als Hürde gesehen, sondern als Ansporn zu sprachlicher Schärfe, wobei sie jedoch die Gefahr birgt, dass die Texte bei fehlendem Kontext an inhaltlicher Tiefe verlieren.
Das ist ein kritischer Punkt, da die meisten Twitter-Nutzer nicht explizit literarische Aphorismen intendieren; die Arbeit argumentiert jedoch, dass dies auch bei historischen Aphoristikern wie Lichtenberg der Fall war.
Ja, die Arbeit zieht Parallelen zwischen den tagebuchartigen Aufzeichnungen Lichtenbergs und der Nutzung von Twitter-Profilen als privates Notiz- und Merkbuch im öffentlichen Raum des Internets.
Die Flüchtigkeit ist ein inhärentes Merkmal digitaler Kurztexte; die Arbeit zeigt auf, dass erst eine kuratierte Auswahl oder der Transfer in gedruckte Form die Tweets als literarische Texte für ein breiteres Publikum bewahrt.
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