Bachelorarbeit, 2011
113 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen zum Thema
2.1 Staatsanleihen
2.2 Der Staatsbankrott
2.2.1 Definition und Abgrenzung zur Unternehmensinsolvenz
2.2.2 Entstehung
2.2.3 Historische Betrachtung der Abwicklung
3. Einbindung privater Gläubiger in die Bewältigung staatlicher Verschuldungskrisen
3.1 Einbindung privater Gläubiger: Überblick ausgewählter Ansätze
3.2 Gründe für die Einbindung privater Gläubiger
3.3 Probleme bei der Einbindung privater Gläubiger bei der Schuldenrestrukturierung
3.3.1 Koordinationsprobleme zwischen den Gläubigern
3.3.1.1 Rush to the Exit
3.3.1.2 Rush to the Court House
3.3.1.3 Freerider- / Holdout-Problem
3.3.2 Koordinationsproblem zwischen Gläubigern und Schuldner
4. Collective Action Clauses
4.1 Majority Action Clause
4.2 Majority Enforcement Provision / Non-Acceleration Clause
4.3 Collective Representation Clause
4.4 Sharing Clause
4.5 Initiation Clause
4.6 Aggregation Clause
4.7 Bewertung der Collective Action Clauses
4.8 Verwendung und Verbreitung von Collective Action Clauses
4.9 Collective Action Clauses in der bisherigen Praxis staatlicher Umschuldungen
5. Die Staatsschuldenkrise in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion
5.1 Der Weg in die Krise
5.2 Entwicklungen im Zuge der Finanzmarktkrise
5.3 Der Weg aus der Krise – Quo vadis?
6. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert die Wirkungsweise von Collective Action Clauses (CACs) als Instrument zur Einbindung privater Gläubiger in die Schuldenrestrukturierung von Staaten. Dabei wird untersucht, inwiefern diese Klauseln zur Bewältigung der Staatsschuldenkrise innerhalb der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion beitragen können.
3.3.1.1 Rush to the Exit
Mit dem Rush to the Exit wird jenes Verhalten beschrieben, wenn Gläubiger aus der Befürchtung heraus, dass der Schuldner in eine Verschuldungskrise gerät, versuchen, ihre Forderungen möglichst schnell zu veräußern.111
Haben viele Gläubiger diese Befürchtung und verkaufen in einer panikartigen Form ihre Anleihen, wird es als Folge dieses spekulativen Verhaltens zu einem Wertverlust der Anleihe insgesamt kommen und die auf dem Sekundärmarkt gehandelten Anleihen werden mit einem Preisabschlag bewertet. Dies führt wiederum zu einem Ansteigen der Risikoprämien und somit zu erhöhten Kreditfinanzierungskosten des Schuldners. Daneben führt auch das größere Angebot von Anleihen des Schuldners auf dem Markt zu einem negativen Preisdruck. Letzteres wird durch das Verhalten der Gläubiger bedingt, die ihre Forderungen so schnell wie möglich zu veräußern versuchen, wobei für den einzelnen Gläubiger dieses Verhalten rational ist, um einen Wertverlust der Anleihen vorzubeugen, wenn sie ihre Forderungen so früh wie möglich und noch vor den anderen Gläubigern veräußern.
Für den Schuldner können die steigenden Kreditkosten allerdings bedeuten, dass sich seine finanzielle Lage derart verschlechtert, dass der Betroffene in eine Schuldenfalle gerät und es im Falle von Staaten zu einer Verschuldungskrise kommt.112
1. Einleitung: Definiert die Problemstellung der Arbeit, skizziert die Ausgangslage der Staatsschuldenkrise und legt die Zielsetzung sowie den Aufbau der Arbeit dar.
2. Grundlagen zum Thema: Erläutert die Charakteristika von Staatsanleihen sowie die Definition und Entstehung von Staatsbankrotten im Gegensatz zur Unternehmensinsolvenz.
3. Einbindung privater Gläubiger in die Bewältigung staatlicher Verschuldungskrisen: Analysiert Gründe für die Einbindung privater Gläubiger, wie Lastenverteilung und Moral-Hazard-Probleme, sowie die Herausforderungen bei der Koordination der Gläubiger.
4. Collective Action Clauses: Bietet eine detaillierte Darstellung verschiedener Einzelklauseln, deren Bewertung und praktische Verwendung bei Umschuldungen weltweit.
5. Die Staatsschuldenkrise in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion: Untersucht die Ursachen der Krise, die Rolle der Finanzmarktkrise sowie Rettungsmaßnahmen der EU.
6. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das Potenzial sowie die Grenzen von CACs im Kontext der aktuellen europäischen Staatsschuldenkrise.
Staatsanleihen, Staatsbankrott, Collective Action Clauses, CACs, Gläubigerbeteiligung, Schuldenrestrukturierung, Europäische Wirtschafts- und Währungsunion, EWWU, Finanzmarktkrise, Moral Hazard, Umschuldung, Risikoprämien, Schuldentragfähigkeit, Rettungsschirm, Marktdisziplinierung
Die Arbeit befasst sich mit der Einbindung privater Gläubiger in staatliche Schuldenrestrukturierungsprozesse durch den Einsatz von sogenannten Collective Action Clauses (CACs) in Staatsanleihen.
Zentrale Felder sind die theoretischen Grundlagen des Staatsbankrotts, die Problematik der Gläubigerkoordination und die Analyse der europäischen Staatsschuldenkrise.
Das Ziel ist die Analyse der Wirkungsweise von CACs und deren Eignung als Instrument zur Bewältigung der aktuellen Staatsschuldenkrise.
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Literaturrecherche, um die ökonomischen und juristischen Rahmenbedingungen von Umschuldungsmechanismen aufzuarbeiten.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung der Gläubigerbeteiligung, die detaillierte Darstellung einzelner Vertragsklauseln und die praktische Anwendung bei Staatsanleihen.
Schlüsselbegriffe sind vor allem Staatsanleihen, Collective Action Clauses, Gläubiger-Moral-Hazard und Schuldenrestrukturierung.
Der Hauptunterschied liegt im Souveränitätsprinzip: Während bei Unternehmen das "Leistenmüssen" im Vordergrund steht, ist beim Staat das "Leistenkönnen und -wollen" entscheidend, da Staaten nicht liquidiert werden können.
Kritisiert wird unter anderem, dass CACs in bestehenden Altschulden fehlen, was zu langen Übergangszeiten führt, und dass sie die zugrunde liegenden fundamentalen ökonomischen Probleme der betroffenen Länder nicht lösen können.
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