Forschungsarbeit, 2011
29 Seiten, Note: 2,0
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Einleitung
1. Die Anfänge der Erinnerungsforschung: Die 1950er bis 1980er Jahre
1.1 Ausgangslage im Nachkriegsdeutschland 1918
1.2 Anfänge der Erinnerungsforschung von 1950 bis 1980
2. Die Erinnerungsforschung 1980 bis heute
2.1 Die 1980er Jahre
2.2 Die 1990er Jahre
2.3 Die 2000er Jahre bis heute
3. Fazit / Ausblick
Diese Arbeit liefert einen Forschungsbericht zur Entwicklung der Erinnerungskultur an den Ersten Weltkrieg. Ziel ist es, chronologisch aufzuzeigen, wie die wissenschaftliche Forschung dieses Thema behandelte, welche Aspekte diskutiert wurden und welche neuen theoretischen Ansätze sowie Perspektiven im Zeitverlauf entstanden sind.
1.2 Anfänge der Erinnerungsforschung von 1950 bis 1980
Vor dem in 1.1 geschilderten Hintergrund scheint es wenig verwunderlich, dass die Erinnerungen bzw. der Erste Weltkrieg als solcher in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg kaum Beachtung fand. Historiker der 1950er Jahre waren der Ansicht, dieses Thema bedürfe keines weiteren Aufwandes. Ausländische Studien, beispielsweise die von Luigi Albertini über die Ursprünge des Ersten Weltkriegs, fanden in Deutschland wenig Aufmerksamkeit. Dies ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass Deutschland sich 1951 mit Frankreich darin übereinkam, dass kein europäischer Staat den Krieg gewollt habe und die schwierige „militärisch-politische Zwangslage“ zu berücksichtigen sei. Bis in die 1960er Jahre blieb der Erste Weltkrieg im Hintergrund der Forschungen.
Mit dem Hamburger Historiker Fritz Fischer und seinem 1961 erschienenen Werk Griff nach der Weltmacht wurde der erste sogenannte Historikerstreit ausgelöst; verkörpert in der sogenannten Fischer-Kontroverse. In seiner Arbeit versucht Fischer eine Kontinuitätslinie zwischen dem expansionistischen Kaiserreich in seiner Spätphase und dem Nationalsozialismus herzustellen. Außerdem nimmt er die Kriegsschuldfrage erneut auf und kommt zu dem Ergebnis, dass das Deutsche Reich und seine Verantwortlichen den Krieg 1914 absichtlich auslösten und damit Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs gehabt hätten. Die sich im Zuge dessen aufbauenden Kontroversen bestimmten die Forschungslandschaft in den 1960er Jahren. Im Mittelpunkt stand nun nicht mehr die alleinige Debatte um die Kriegsschuld, sondern die Weltkriegsforschung wurde durch wirtschafts- und sozialgeschichtliche Untersuchungen erweitert.
Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die Bedeutung der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg und begründet die Relevanz des Themas in der geschichtswissenschaftlichen Forschung.
1. Die Anfänge der Erinnerungsforschung: Die 1950er bis 1980er Jahre: Dieses Kapitel analysiert die Ausgangslage nach 1918 und die Vernachlässigung des Themas in der Forschung bis in die 1960er Jahre, gefolgt von der Debatte um die Fischer-Kontroverse.
2. Die Erinnerungsforschung 1980 bis heute: Dieser Teil behandelt die Hinwendung zur Alltags- und Mentalitätsgeschichte ab den 1980er Jahren sowie die kulturwissenschaftliche Ausdifferenzierung durch den Cultural Turn und geschlechtergeschichtliche Ansätze.
3. Fazit / Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Forschungstendenzen zusammen und zeigt auf, dass die Erinnerungskultur in Großbritannien und Frankreich ausgeprägter ist als in Deutschland, während für Osteuropa weitere Untersuchungen notwendig sind.
Erster Weltkrieg, Erinnerungskultur, Gedächtnisforschung, Kriegserlebnis, Fischer-Kontroverse, Alltagsgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Cultural Turn, Geschlechtergeschichte, Nationalismus, Veteranenverbände, Trauerbewältigung, Kriegsschuldfrage, Erinnerungsorte, Kriegsliteratur.
Die Arbeit bietet einen Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg und deren Wandlungsprozesse über die Jahrzehnte.
Im Zentrum stehen die Entwicklung der Forschungsansätze, die politische Funktionalisierung von Denkmälern und Literatur sowie der Wandel vom nationalen zum kulturwissenschaftlichen Blickwinkel.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Erinnerungsforschung verändert hat, welche Fragen in verschiedenen Epochen im Vordergrund standen und welche methodischen Ansätze dabei genutzt wurden.
Es handelt sich um einen historiographischen Forschungsbericht, der ausgewählte Fachliteratur und Studien chronologisch analysiert und miteinander in Bezug setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei chronologische Phasen: Die Zeit von 1950 bis 1980, geprägt durch die Fischer-Kontroverse, und die Zeit von 1980 bis heute, die durch kulturwissenschaftliche Ansätze und den Cultural Turn bestimmt ist.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Erinnerungskultur, Kriegserlebnis, Cultural Turn, Kriegsschuldfrage und transnationale Erinnerungsforschung charakterisiert.
Die Fischer-Kontroverse markiert den Wendepunkt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung in Deutschland, da sie die Debatte um die Kriegsschuld in den Mittelpunkt rückte und die Forschung hin zu einer breiteren sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Betrachtung öffnete.
Die Forschung zeigt, dass osteuropäische Staaten aufgrund ihrer Vielvölkerstruktur und der Überlagerung durch nachfolgende Kriege und Bürgerkriege keine einheitliche Erinnerungskultur entwickelten und der Erste Weltkrieg dort oft ein „vergessener“ Krieg blieb.
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