Examensarbeit, 2010
97 Seiten, Note: 1,0
1. Der Untersuchungsgegenstand
2. Was ist Esskultur?
3. Genese der mittelalterlichen Esskultur
4. Christliche Einflüsse als Bestimmungsfaktoren der mittelalterlichen Esskultur
5. Hunger und Mangel im Mittelalter
5.1. Nahrungsmittelknappheit
5.2. Hungersnöte
6. Ernährung und Medizin
7. Mittelalterliche Kochbücher
8. Die mittelalterliche Küche
8.1. Mittelalterliche Kochstellen
8.2. Köche und Küchenhilfen
9. Nahrungsmittel im Mittelalter
9.1. Getreide und Brot
9.2. Gemüse, Obst und Nüsse
9.3. Fleisch
9.4. Milch und Milchprodukte
9.5. Fisch und Schalentiere
9.6. Salz
9.7. Kräuter und Gewürze
9.8. Zucker und Honig
9.9. Wasser
9.10. Wein
9.11. Bier
10. Essen und Trinken in der Lebensordnung
10.1. Mahlzeiten
10.2. Tischsitten
10.3. Essen und Trinken als Ausdruck von Rechtsordnungen
10.4. Das Gastmahl als Gemeinschaftsversicherung
11. Gesellschaften sind so, wie sie essen …
Diese Arbeit untersucht die mittelalterliche Esskultur als einen zentralen Aspekt menschlichen Lebens, der weit über die bloße Nahrungsaufnahme hinausgeht und eng mit sozialen, ökonomischen und religiösen Strukturen verknüpft ist. Die Forschungsfrage widmet sich der Entwicklung, den Bestimmungsfaktoren und den soziokulturellen Funktionen von Ernährung im Mittelalter, wobei insbesondere die Diskrepanz zwischen idealisierten Festmahlen der Oberschicht und der häufig kargen Realität der breiten Bevölkerung beleuchtet wird.
1. DER UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND
„Der Mensch ist, was er ißt“1 formulierte Ludwig Feuerbach 1850 in seiner Besprechung einer Schrift des niederländischen Arztes und Physiologen Jakob Moleschott. Wird dieser berühmt gewordene Ausspruch heute zitiert, dann meist nicht um Feuerbach darin zuzustimmen, dass der Mensch nur aus dem bestehe, was er über die Nahrung zu sich nimmt. Vielmehr soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass Nahrung in die meisten Dimensionen menschlichen Lebens hineinwirkt: körperlich, psychisch, sozial, wirtschaftlich und auch politisch.2
Die letzten drei dieser Dimensionen machen bewusst, dass sich Fragen des Essens und Trinkens auch auf die Gestaltung einer ganzen Gesellschaft auswirken können. Jede Gesellschaft, jede Kultur hat ihre eigenen Vorstellungen über die Genießbarkeit verschiedener Lebensmittel, deren Zubereitung, über Nahrungsmitteltabus, Rituale, Tischsitten et cetera, die über Generationen weitergegeben werden. Deshalb wandelte die Soziologin Dr. Eva Balösius den bekannten Satz Feuerbachs zu „Gesellschaften sind so, wie sie essen“3 ab.
In den meisten Sozial- und Kulturwissenschaften repräsentiert „Essen“ nur ein Randthema, dessen psychische, kulturelle und soziale Qualitäten erst seit einigen Jahrzehnten untersucht werden.4 Doch die Betrachtung dieser Aspekte ist meiner Auffassung nach – in Anlehnung an Barlösius‘ Aussage – auch für ein umfassenderes Verständnis historischer Gegebenheiten, insbesondere der Sozialgeschichte, unabdingbar. Gerade Gesellschaften und Kulturen, die uns historisch fern liegen, können durch ihre Ess- und Trinkgewohnheiten in anderer Qualität erfasst und verstanden werden, als dies die Fixierung auf politische Ereignisse zu leisten vermag.
1. Der Untersuchungsgegenstand: Einleitung in die Bedeutung der Ernährung als soziokulturelles Forschungsfeld und Vorstellung der zentralen Fragestellung.
2. Was ist Esskultur?: Definition des Begriffs Esskultur durch drei Kernbereiche: Auswahl und Bewertung, Regeln der Küche sowie Mahlzeiten als soziale Einrichtung.
3. Genese der mittelalterlichen Esskultur: Darstellung der Entwicklung von Ernährungsgewohnheiten aus griechisch-römischen und germanisch-keltischen Wurzeln sowie dem Einfluss des Christentums.
4. Christliche Einflüsse als Bestimmungsfaktoren der mittelalterlichen Esskultur: Analyse des Einflusses kirchlicher Vorschriften, Bußbücher und Fastenzeiten auf die Ernährungspraxis.
5. Hunger und Mangel im Mittelalter: Untersuchung der weit verbreiteten Nahrungsmittelknappheit und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft.
6. Ernährung und Medizin: Erläuterung der mittelalterlichen Humoralpathologie und deren Einfluss auf die Speisefolge und Gartechniken.
7. Mittelalterliche Kochbücher: Analyse der Bedeutung und Limitationen von Kochliteratur als Quelle für die Esskultur der Oberschicht.
8. Die mittelalterliche Küche: Beschreibung der technischen Ausstattung und der sozioökonomischen Bedingungen in bäuerlichen, städtischen und herrschaftlichen Küchen.
9. Nahrungsmittel im Mittelalter: Detaillierte Betrachtung spezifischer Lebensmittelgruppen von Getreide und Fleisch bis zu Getränken wie Wein und Bier.
10. Essen und Trinken in der Lebensordnung: Erörterung der sozialen Funktionen von Mahlzeiten, Tischsitten und der Rolle des gemeinsamen Essens zur rechtlichen und gemeinschaftlichen Absicherung.
11. Gesellschaften sind so, wie sie essen …: Fazit und kritische Würdigung der Quellenlage sowie des Forschungspotentials der historischen Ernährungsgeschichte.
Esskultur, Mittelalter, Ernährung, Fastenpraxis, Humoralpathologie, Nahrungsmittelknappheit, Kochbücher, Fleischkonsum, Getreide, Tischsitten, Sozialgeschichte, Gemeinschaftsbildung, Konservierung, Fernhandel, Alltagsgeschichte.
Die Arbeit untersucht die vielschichtige Bedeutung der Ernährung im Mittelalter und wie Essgewohnheiten sowohl das individuelle Leben als auch die gesellschaftliche Ordnung strukturiert haben.
Die Themen umfassen Ernährungspraktiken, den Einfluss religiöser Fastengebote, die Bedeutung von Mangel und Hungersnöten sowie die soziokulturelle Funktion von Tischsitten und gemeinsamen Mahlzeiten.
Das Ziel ist es, durch die Linse der Ernährungsgeschichte ein tieferes Verständnis für die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten des Mittelalters zu gewinnen und Mythen durch eine quellenkritische Analyse zu hinterfragen.
Die Autorin stützt sich auf eine quellenkritische Analyse von Schriftquellen, wie Kochbüchern und Rechtsvorschriften, kombiniert mit archäologischen Erkenntnissen und sozialwissenschaftlichen Theorien zur Esskultur.
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse von Bestimmungsfaktoren (Religion, Medizin), Rahmenbedingungen (Hunger, Klima) und der spezifischen Kulturgeschichte einzelner Lebensmittelgruppen sowie der Tischkultur.
Schlüsselwörter sind unter anderem Esskultur, Mittelalter, Humoralpathologie, Fastenpraxis, Sozialgeschichte und Gemeinschaftsbildung.
Die Humoralpathologie klassifizierte Speisen nach den Eigenschaften warm/kalt und feucht/trocken. Köche mussten Lebensmittel so kombinieren und zubereiten, dass sie die Körpersäfte des Einzelnen ausglichen, was zu spezifischen Speisefolgen führte.
Gemeinsame Mahlzeiten waren oft rechtssichernde Rituale, mit denen Verträge, Friedensschlüsse oder gesellschaftliche Aufnahmen bekräftigt wurden, um Verbindlichkeit und Solidarität in der Gemeinschaft zu demonstrieren.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

