Fachbuch, 2011
54 Seiten
Vorwort
Die Frühbronzezeit in Österreich Abfolge und Verbreitung der Kulturen und Gruppen
Mit vier Pferden ins Grab? Die Litzenkeramik oder Draßburger Kultur von etwa 2000 bis 1600 v. Chr.
Dieses Buch bietet einen tiefgreifenden Einblick in die archäologische Erforschung der Litzenkeramik-Kultur (auch Draßburger Kultur genannt), die zwischen 2000 und 1600 v. Chr. im Gebiet der heutigen österreichischen Bundesländer Niederösterreich und Burgenland existierte. Ziel der Arbeit ist es, die Anatomie, Lebensweise, Siedlungsstrukturen, materielle Kultur sowie religiöse Praktiken dieser bronzezeitlichen Bevölkerungsgruppe anhand archäologischer Funde und wissenschaftlicher Analysen zu beleuchten und dabei insbesondere die Entdeckungsgeschichte und die wissenschaftliche Korrektur früherer Irrtümer bei der Einordnung dieser Kultur darzulegen.
Mit vier Pferden ins Grab?
Am Anfang der Entdeckungsgeschichte der »Kultur mit Litzenkeramik« stand ein Irrtum. Bei den Verzierungen auf den Tongefäßen jener Kultur handelt es sich nämlich gar nicht um Abdrücke von Litzen (Gewebestreifen), wie der damals in Wien tätige Prähistoriker Kurt Willvonseder (1903–1968) meinte, als er 1934 den Begriff »Litzenkeramik« prägte. Doch diese Fehleinschätzung wurde erst 1976 korrigiert, als der Wiener Prähistoriker Johannes-Wolfgang Neugebauer (1949–2002) die dekorativen Verzierungen als parallele Abdrücke von Schnüren identifizierte.
Neugebauer hatte Tongefäßreste mit »Litzenverzierung« vom niederösterreichischen Fundort Böheimkirchen der Technischen Hochschule Wien und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum, Mainz, zur Begutachtung übergeben. Die Experten Fritz Sauter in Wien und Hans-Jürgen Hundt (1909–1990) in Mainz schlossen eine Verwendung von Litzen bei der Verzierung aus. Experimente mit Schnüren und Litzen, die Neugebauers Ehefrau Christine in Brettchenweberei hergestellt hatte und die man in den weichen Ton presste, bestätigten die Annahme dieser beiden Wissenschaftler.
Korrigiert werden musste auch die zeitliche Einordnung der Litzenkeramik. Der Wiener Prähistoriker Richard Pittioni (1906–1985) rechnete sie 1934 zunächst der Schnurkeramischen Kultur zu, also noch der späten Jungsteinzeit. 1956 bezeichnete er die Litzenkeramik als Typ Guntramsdorf-Draßburg, den er für die jüngere Phase der Einzelgrab-Kultur hielt. Letztere gehört ebenfalls in die Jungsteinzeit und gilt heute als eine Gruppe der Schnurkeramischen Kulturen.
1972 datierte die Prähistorikerin Zoja Benkovsky-Pivovarová aus Maria-Enzersdorf die Litzenkeramik wegen der gemeinsam mit dieser gefundenen Bronzenadeln und tönernen »Brotlaib-Idole« in den Abschnitt vor der beginnenden Mittelbronzezeit. Sie hielt die Litzenkeramik für eine eigenständige Erscheinung und schlug hierfür – bezugnehmend auf die an einem burgenländischen Fundort entdeckte Keramik dieses Typs – den Begriff »Draßburger Kultur« vor.
Vorwort: Einleitende Worte zum Fokus des Buches auf die Litzenkeramik-Kultur sowie eine Widmung an die unterstützenden Wissenschaftler.
Die Frühbronzezeit in Österreich Abfolge und Verbreitung der Kulturen und Gruppen: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die chronologische Einteilung und die regionale Verbreitung verschiedener bronzezeitlicher Gruppen in Österreich.
Mit vier Pferden ins Grab? Die Litzenkeramik oder Draßburger Kultur von etwa 2000 bis 1600 v. Chr.: Das Hauptkapitel behandelt die Entdeckungsgeschichte, die wissenschaftliche Korrektur der Terminologie, die materielle Kultur sowie die spezifischen Grabfunde der Litzenkeramik-Kultur.
Litzenkeramik, Draßburger Kultur, Bronzezeit, Archäologie, Österreich, Niederösterreich, Burgenland, Siedlungsfunde, Keramikverzierung, Grabfunde, Frühbronzezeit, Bestattungssitten, Johannes-Wolfgang Neugebauer, Kurt Willvonseder, Zoja Benkovsky-Pivovarová
Das Buch befasst sich mit der Litzenkeramik-Kultur, einer bronzezeitlichen Gesellschaft, die zwischen 2000 und 1600 v. Chr. im heutigen Niederösterreich und Burgenland ansässig war.
Die Schwerpunkte liegen auf der archäologischen Fundlage, der Klärung von Begriffsdefinitionen, der Siedlungsweise, den verwendeten Werkzeugen und Waffen sowie den speziellen rituellen Praktiken bei Bestattungen.
Das Ziel ist eine wissenschaftlich fundierte Darstellung dieser Kultur, insbesondere die Korrektur historischer Fehlannahmen über die Art der Keramikverzierungen und die zeitliche Einordnung.
Der Autor stützt sich auf archäologische Ausgrabungsberichte, historische Analysen der Forschungsgeschichte, Begutachtungen von Fundstücken durch Experten sowie experimentelle Archäologie zur Rekonstruktion von Fertigungstechniken.
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Korrektur der Entdeckungsgeschichte, beschreibt typische Tongefäße und deren Verzierung sowie spektakuläre Grabbefunde, wie die Doppelbestattung am Föllik.
Die zentralen Begriffe sind Litzenkeramik, Draßburger Kultur, Bronzezeit, archäologische Funde und Bestattungssitten.
Der Prähistoriker Kurt Willvonseder hielt die Abdrücke auf der Keramik fälschlicherweise für Abdrücke von Litzen (Gewebestreifen), was zur Namensgebung "Litzenkeramik" führte, obwohl es sich tatsächlich um Schnurabdrücke handelt.
Der Föllik bei Großhöflein lieferte entscheidende Belege für Siedlungsstrukturen und bemerkenswerte Grabfunde, die Einblicke in den sozialen Status und die Bestattungspraktiken dieser Kultur gewähren.
Sie war eine Prähistorikerin, die durch ihre Datierung der Funde in die Zeit vor der Mittelbronzezeit und ihren Vorschlag, den Begriff "Draßburger Kultur" als eigenständige Erscheinung zu etablieren, maßgeblich zur Forschung beitrug.
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