Examensarbeit, 2010
165 Seiten, Note: 1,5
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
Einleitung
I. Adoleszenz
1. Adoleszenz: eine neue Lebensphase?
1.1 Begrifflichkeit und Abgrenzung
1.2 Kennzeichen
2. Adoleszenz im soziologisch-psychologischen Brennpunkt
2.1 Veränderte Lebensbedingungen von der Kindheit bis zur Adoleszenz
2.2 Strukturwandel der Lebensphase Adoleszenz
2.3 Die Problematik der Geschlechterrollen
2.4 Scheitern in der Adoleszenz
3. Adoleszenz in der Gegenwartsliteratur – der Adoleszenzroman
3.1 Definition
3.2 Geschichte und Abgrenzung
3.3 Thematik und Merkmale
3.4 Die Initiationsreise – ein literarisches Modell
4. Der Adoleszenzroman im aktuellen Diskurs
II. Homosexualität
1. Homosexualität: Phänomen und Geschichte
1.1 Begrifflichkeit und Erklärungsansätze
1.2 Historische Perspektive
2. Homosexualität im soziologisch-psychologischen Brennpunkt
2.1 Die homosexuelle Identitätskrise
2.2 Der homosexuelle Bewusstseinsprozess – das Coming Out
2.3 Aktuelle Entwicklungen
3. Homosexualität im zeitgenössischen Adoleszenzroman
3.1 Historische Darstellungsweise
3.2 Literarische Darstellungsweise
3.3 Systematische Darstellungsweise
III. Romananalyse
1. Literarische Kritik nach Hans-Heino Ewers
2. Aidan Chambers: „Tanz auf meinem Grab“
2.1 Historische Darstellungsweise
2.2 Literarische Darstellungsweise
2.3 Systematische Darstellungsweise
3. Inger Edelfeldt: „Jim im Spiegel“
3.1 Historische Darstellungsweise
3.2 Literarische Darstellungsweise
3.3 Systematische Darstellungsweise
4. Mirjam Pressler: „Für Isabel war es Liebe“
4.1 Historische Darstellungsweise
4.2 Literarische Darstellungsweise
4.3 Systematische Darstellungsweise
5. Zusammenfassung der Ergebnisse
5.1 Literarische Kritik gestützt auf die Romananalysen
5.2 Kritik an der Vielfalt ästhetischer Gestaltphänomene
IV. Didaktische Analyse
1. Didaktische Relevanz des Themas „Homosexualitätsbewusstsein in der Adoleszenz“ für den Literaturunterricht im Fach Deutsch
1.1 Bildungsplanbezug
1.2 „Literatur begeistert“
1.3 Literaturdidaktische Emanzipation und Aufklärung
2. Didaktische Begründungsansätze
2.1 Pädagogische Bildungsziele
2.1.1 Identitätsentwicklung
2.1.2 Fremdverstehen
2.2 Literarische Bildungsziele
2.2.1 Kritisches Lesen
2.2.2 Ästhetische Bildung
2.3 Literarisches Lernen
3. Elf Aspekte literarischen Lernens durchgeführt an Aidan Chambers „Tanz auf meinem Grab“
Fazit
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen der Lebensphase Adoleszenz, der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Homosexualität und deren Darstellung in zeitgenössischen Adoleszenzromanen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Literatur dazu beitragen kann, gesellschaftliche Tabus zu brechen, Identitätssuche zu unterstützen und im Deutschunterricht als Medium für literarisches Lernen sowie Fremdverstehen zu fungieren.
Die Initiationsreise – ein literarisches Modell
Der Begriff Initiation findet in der Alltagssprache wenig Gebrauch. Um seiner Bedeutung etwas näher zu kommen, wird er nun mit Hilfe des Dudens auf seine ursprüngliche Bedeutung überprüft.
Initiation die;-,-en [durch bestimmte Bräuche geregelte] Aufnahme eines Neulings in eine Standes- od. Altersgemeinschaft, einen Geheimbund o.Ä., bes. die Einführung der Jugendlichen in den Kreis der Männer od. Frauen bei Naturvölkern; vgl. …ation/ …ierung
Ausgehend von dieser Definition geht es um die Eingliederung eines Individuums in eine Gemeinschaft. Modern ausgedrückt, handelt es sich bei der Initiation um den persönlichen Sozialisationsprozess eines Jugendlichen. Die weitere Beschäftigung mit dieser Thematik wird jedoch verdeutlichen, dass der Initiationsprozess der Romanfiguren nicht so eindimensional beleuchtet werden darf.
Peter Freese analysiert in seinen Studien ausschließlich amerikanische Entwicklungsromane. Die Ergebnisse lassen sich aber ausnahmslos auch auf andere Adoleszenzromane übertragen.
Zunächst einmal seien zwei Elemente genannt, die für den Ablauf einer Initiation in Romanformen grundlegend sind. Zum Ersten zerfällt die Initiation immer in drei Phasen Ausgang, Übergang und Eingang. Zum Zweiten wird der Wandlungsvorgang eines Helden immer als existentielle Änderung verstanden, die nicht stufenweise erfolgt, sondern „als ein Tod des alten und eine Wiedergeburt des neuen Menschen versinnbildlicht wird.“ Häufig kommt zu den beiden ein dritter Prozess hinzu, nämlich der einer Offenbarung gegenüber einer höheren Instanz wie beispielsweise Gott. Genannte Prozesse konkretisieren sich schließlich in äußeren Vorgängen des Romangeschehens sowie einer Versinnbildlichung des Initiationsvorgangs. Der Einfachheit wegen wird auf eine detaillierte Beschreibung weiterer Elemente verzichtet. Erwähnenswert ist zuletzt die Tatsache, dass dem Initianden fast immer ein Initiationshelfer als eine Art Mentor zur Seite steht.
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesellschaftliche Relevanz von Homosexualität als tabuisiertem Thema und stellt die Literatur als Medium zur Reflexion und Verarbeitung dar.
I. Adoleszenz: Dieses Kapitel definiert die Adoleszenz als soziokulturellen Entwicklungsprozess und analysiert den Strukturwandel der Lebensphase sowie die Auswirkungen auf Identitätsentwicklung und Geschlechterrollen.
II. Homosexualität: Hier wird der historische Umgang mit Homosexualität beleuchtet, die psychologischen Herausforderungen (Identitätskrise, Coming Out) skizziert und die aktuelle gesellschaftliche Situation unter Einbezug der Medien betrachtet.
III. Romananalyse: Dieser Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von drei Adoleszenzromanen hinsichtlich ihrer historischen, literarischen und systematischen Darstellung von Homosexualität.
IV. Didaktische Analyse: Das letzte Kapitel erörtert das Potenzial der thematisierten Adoleszenzromane für den Deutschunterricht, insbesondere im Hinblick auf literarisches Lernen, Fremdverstehen und Identitätsbildung.
Adoleszenz, Homosexualität, Literatur, Identitätsentwicklung, Adoleszenzroman, Deutschunterricht, Sozialisation, Identitätskrise, Coming Out, Literaturdidaktik, Geschlechterrollen, Individuation, Fremdverstehen, Initiationsreise, Gegenwartsliteratur
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Adoleszenz und Homosexualität in zeitgenössischer Literatur und evaluiert deren Bedeutung für die Identitätsfindung von Jugendlichen sowie deren Einsatzmöglichkeiten im Deutschunterricht.
Die zentralen Felder sind die Definition und der Wandel der Adoleszenz, die psychologischen Aspekte von Homosexualität, die gattungsspezifischen Merkmale des Adoleszenzromans sowie didaktische Begründungsansätze für den Literaturunterricht.
Das Ziel ist es, literarische Werke als Instrumente zur Reflexion gesellschaftlicher Tabus zu analysieren und zu prüfen, inwieweit diese für das „Literarische Lernen“ im schulischen Kontext nutzbar gemacht werden können.
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch einen erarbeiteten Kriterienkatalog (basierend auf Ansätzen von Gansel, Buchholtz und anderen) strukturiert ist, ergänzt durch didaktische Analysen.
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung zu Adoleszenz und Homosexualität sowie eine konkrete Analyse dreier Adoleszenzromane, gefolgt von einer didaktischen Reflexion.
Adoleszenz, Homosexualität, Identitätsentwicklung, Adoleszenzroman, Sozialisation und Literaturdidaktik.
Es werden „Tanz auf meinem Grab“ von Aidan Chambers, „Jim im Spiegel“ von Inger Edelfeldt und „Für Isabel war es Liebe“ von Mirjam Pressler untersucht.
Die Initiationsreise dient als literarisches Modell, um den psychischen und sozialen Reifeprozess des Helden – oft durch Tod und Wiedergeburt symbolisiert – systematisch zu erfassen.
Die Autorin sieht in den Medien (einschließlich Film und Werbung) einen wesentlichen Faktor, der zur Enttabuisierung von Homosexualität beiträgt und ein moderneres, positiveres Bild in der Öffentlichkeit fördert.
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