Masterarbeit, 2008
139 Seiten, Note: 1,0
1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSKIZZE UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT
1.2 AUFBAU DER ARBEIT
2 DIE VERÄNDERUNG WEIBLICHER LEBENSVERLÄUFE
2.1 SOZIOSTRUKTURELLE VERÄNDERUNGEN
2.2 BILDUNGSVERLÄUFE VON FRAUEN
2.3 ERWERBSTÄTIGKEIT
2.4 SELBSTVERSTÄNDNIS VON FRAUEN
3 MUTTERSCHAFT ALS WENDEPUNKT FÜR DIE WEIBLICHE BIOGRAFIE
3.1 TRADITIONELLE ARBEITSTEILUNG UND WERTHALTUNGEN DER ÖSTERREICHERINNEN
3.2 RETRADITIONALISIERUNG DURCH DIE GEBURT VON KINDERN
4 GRÜNDE FÜR RETRADITIONALISIERUNGSEFFEKTE
4.1 DAS LEITBILD DER GUTEN MUTTER
4.1.1 BEGRIFFSDEFINITION
4.1.2 HISTORISCHE ENTWICKLUNG DES MUTTERBILDES
4.1.3 EINSTELLUNGEN DER ÖSTERREICHERINNEN ZUR GUTEN MUTTER
4.2 MÄNNLICHES ROLLENVERSTÄNDNIS UND BETEILIGUNG DER VÄTER
4.2.1 MÄNNLICHES ROLLENVERSTÄNDNIS
4.2.2 BETEILIGUNG DER VÄTER IN HAUSARBEIT UND ERZIEHUNG
4.2.3 VÄTER ZWISCHEN BERUF UND FAMILIE
4.3 FAMILIENPOLITIK ALS ENTSCHEIDENDES STEUERUNGSINSTRUMENT
4.3.1 BEGRIFFSDEFINITION
4.3.2 FAMILIENPOLITIK IN SCHWEDEN VS. ÖSTERREICH/DEUTSCHLAND
4.3.3 FAMILIENPOLITIK UND DIE AUSWIRKUNGEN AUF WERTHALTUNGEN & GEBURTENZAHLEN
4.4 KINDERBETREUUNGSMÖGLICHKEITEN
4.4.1 STRUKTUR DER KINDERBETREUUNG IN ÖSTERREICH
4.4.2 KINDERBETREUUNGSANGEBOT IN ÖSTERREICH
4.5 EINKOMMENSUNTERSCHIEDE ZWISCHEN MÄNNERN UND FRAUEN
5 AUSWIRKUNGEN DER RETRADITIONALISIERUNGSEFFEKTE
5.1 AUSWIRKUNGEN AUFGRUND VON UNTERBRECHUNG DER ERWERBSTÄTIGKEIT
5.2 TEILZEITARBEIT ALS INSTRUMENT ZUR VEREINBARKEIT VON FAMILIE UND BERUF
5.3 AUSWIRKUNG AUF DIE WEITERBILDUNGSBETEILIGUNG
6 WIDERSPRÜCHE IM WEIBLICHEN LEBENSVERLAUF
7 METHODOLOGIE DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
7.1 ZIEL UND FRAGESTELLUNG DER UNTERSUCHUNG
7.2 DAS QUALITATIVE INTERVIEWVERFAHREN
7.3 DAS PROBLEMZENTRIERTE INTERVIEW
7.3.1 INSTRUMENTE DES PROBLEMZENTRIERTEN INTERVIEWS
7.3.2 KOMMUNIKATIONSSTRATEGIEN IM PROBLEMZENTRIERTEN INTERVIEW
8 DIE DURCHFÜHRUNG DER DATENERHEBUNG
8.1 DIE ERSTELLUNG DES INTERVIEWLEITFADENS
8.2 KRITERIEN ZUR AUSWAHL DER INTERVIEWPARTNERINNEN
8.3 KONTAKTAUFNAHME MIT DEN INTERVIEWPARTNERINNEN
8.4 DIE INTERVIEWS
8.5 MERKMALE DER INTERVIEWTEILNEHMERINNEN
9 DIE AUSWERTUNG DER DATEN
9.1 DIE TRANSKRIPTION
9.2 DAS ANALYSEVERFAHREN
10 DARSTELLUNG UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE
10.1 KURZE FALLBESCHREIBUNG DER INTERVIEWPARTNERINNEN
10.2 DARSTELLUNG DER EMPIRISCHEN ERGEBNISSE
10.2.1 BEDEUTUNG DER BERUFSTÄTIGKEIT
10.2.2 VERÄNDERUNG DES ALLTAGS
10.2.3 FAMILIALE ARBEITSTEILUNG
10.2.4 KINDERBETREUUNG
10.2.5 MUTTERBILDER
10.2.6 LEBENSZIELE DER FRAUEN
10.3 ZUSAMMENFASSUNG UND INTERPRETATION DER DATEN
10.3.1 BEDEUTUNG DER BERUFSTÄTIGKEIT
10.3.2 VERÄNDERUNG DES ALLTAGS
10.3.3 FAMILIALE ARBEITSTEILUNG
10.3.4 KINDERBETREUUNG
10.3.5 MUTTERBILDER
10.3.6 LEBENSZIELE DER FRAUEN
11 SCHLUSSBETRACHTUNG
12 VERZEICHNISSE
12.1 LITERATURVERZEICHNIS
Die Arbeit untersucht die Hintergründe und Auswirkungen der Retraditionalisierung weiblicher Lebensverläufe durch Mutterschaft. Sie stellt die Forschungsfrage, inwieweit die Geburt von Kindern bei vormals selbstbestimmten Akademikerinnen zu einem Rückfall in traditionelle Rollenmuster führt und wie diese Frauen die damit einhergehenden Alltagsveränderungen subjektiv erleben.
4.1.2 Historische Entwicklung des Mutterbildes
Nach Elisabeth Badinter war Mutterliebe im 16./17. Jahrhundert kulturell nicht gegeben, sie galt als überflüssig. Es war üblich, Kinder nach der Geburt wegzugeben und von Ammen stillen und aufziehen zu lassen; sowohl für Frauen des Adels und des Bürgertums als auch für Frauen aus niederen sozialen Schichten. Für die einen war es gesellschaftliche Sitte, für die anderen ökonomisch notwendig. Somit war die mütterliche Zuwendung zum Kind eingeschränkt, eine enge Mutter-Kind-Beziehung konnte kaum aufgebaut werden. Dies war allerdings auch nicht erwünscht (vgl. Badinter 1982, S. 35-55).
Das Bild, das vom Kind bis ins 18. Jahrhundert existierte, hinderte Mütter daran, ihnen Zuwendung zu geben. Kinder wurden zur damaligen Zeit als in Erbsünde empfangen gesehen, sündig und vorbelastet. Eine strenge Erziehung war notwendig und Mütter wurden angehalten, ihre Kinder nicht zu verwöhnen oder durch das Stillen deren Begierde zu wecken. Ein liebevoller Umgang war gesellschaftlich verpönt, damalige Erziehungsziele der Mütter sollten stattdessen die Züchtigung der Kinder sowie das Brechen ihres Willens sein. Zudem gab es eine hohe Kindersterblichkeit und eine Geburt war für Frauen gefährlich und konnte zum Tod führen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Mutterschaft mit Gefühlen der (Todes-) Angst besetzt und eine zu enge Bindung der Mütter wurde oft aus Angst vor Enttäuschung über den Verlust der Kinder nicht zugelassen (vgl. Marx/Rost 1989, S. 1082).
Ab dem 18. Jahrhundert, im Übergang zur Moderne, kam es zu weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen. Mit der Industrialisierung verlor die Familie ihre Funktion als Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft, eine neue Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau entstand. Der Mann wurde auf die Außenwelt, den Beruf und die Öffentlichkeit verwiesen. Die Frau war von nun an für Heim, Haushalt und Familie zuständig. Gleichzeitig kam es zu einem veränderten Bild über Kinder und Erziehung. Die Sorge um das Kind rückte zunehmend in das Blickfeld von Philosophen, Theologen, Mediziner und Pädagogen (Anm.d.Verf.: darunter Luther, Rousseau und Pestalozzi), das Interesse an einer gezielten Einflussnahme auf das Kind wuchs.
1 EINLEITUNG: Einleitung in die Problemskizze, die Zielsetzung der Arbeit sowie der Aufbau der gesamten Masterarbeit.
2 DIE VERÄNDERUNG WEIBLICHER LEBENSVERLÄUFE: Darstellung soziostruktureller Veränderungen, Bildungswege und der Erwerbstätigkeit von Frauen sowie ihres Selbstverständnisses.
3 MUTTERSCHAFT ALS WENDEPUNKT FÜR DIE WEIBLICHE BIOGRAFIE: Analyse der traditionellen Arbeitsteilung und der Retraditionalisierungseffekte nach der Geburt von Kindern.
4 GRÜNDE FÜR RETRADITIONALISIERUNGSEFFEKTE: Detaillierte Untersuchung von Mutterbildern, Rollenverständnissen der Väter, Familienpolitik, Kinderbetreuungssituationen und Einkommensunterschieden.
5 AUSWIRKUNGEN DER RETRADITIONALISIERUNGSEFFEKTE: Diskussion der Folgen von Erwerbsunterbrechungen, Teilzeitarbeit und Einschränkungen bei der Weiterbildungsbeteiligung.
6 WIDERSPRÜCHE IM WEIBLICHEN LEBENSVERLAUF: Zusammenfassung der widersprüchlichen Erwartungen und des Spannungsfeldes, in dem sich Mütter befinden.
7 METHODOLOGIE DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG: Erläuterung des gewählten qualitativen Interviewverfahrens und des problemzentrierten Interviewansatzes.
8 DIE DURCHFÜHRUNG DER DATENERHEBUNG: Dokumentation der Vorbereitung, Auswahlkriterien der Interviewpartnerinnen und des Ablaufs der Befragungen.
9 DIE AUSWERTUNG DER DATEN: Beschreibung der Transkription und des Analysevorgangs nach Mayring.
10 DARSTELLUNG UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE: Präsentation der Fallbeschreibungen sowie der empirischen Befunde zu den verschiedenen Themenbereichen.
11 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Schlussfolgerungen aus der Arbeit.
Retraditionalisierung, Mutterschaft, Lebensverläufe, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Erwerbstätigkeit, Familienpolitik, Mutterbilder, Kinderbetreuung, Geschlechterrollen, Akademikerinnen, qualitative Forschung, Problemzentriertes Interview, Haushalt, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Teilzeitarbeit
Die Arbeit untersucht den Prozess der Retraditionalisierung, bei dem Frauen trotz moderner Lebensentwürfe nach der Geburt von Kindern oft in traditionelle Familienmuster zurückfallen.
Die Arbeit umfasst das sich wandelnde Frauenbild, die Rolle der Väter, strukturelle Faktoren wie Familienpolitik und Kinderbetreuung sowie die ökonomischen Folgen von Erwerbsunterbrechungen.
Die Forschungsfrage ist, ob und wie die Mutterschaft eine Retraditionalisierung der Lebensverläufe bewirkt und wie betroffene Akademikerinnen diese Veränderungen in ihrem Alltag subjektiv erleben.
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie einen empirischen Teil, der auf qualitativen problemzentrierten Interviews mit vier Akademikerinnen basiert.
Der Hauptteil erörtert Gründe für Retraditionalisierungseffekte (wie das Mutterideal) und analysiert deren Auswirkungen auf die Lebensgestaltung, Pensionsansprüche und Weiterbildungsmöglichkeiten von Frauen.
Zu den prägenden Begriffen gehören Retraditionalisierung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und die Rolle des Mutterbildes in der Gesellschaft.
Die Interviewten kritisieren mangelnde öffentliche Plätze, hohe Kosten und starre Öffnungszeiten, die kaum mit einer flexiblen oder vollzeitigen beruflichen Tätigkeit vereinbar sind.
Die Erfahrungen sind unterschiedlich: Manche empfinden sie als belastend, während andere die materielle Versorgung durch den Ehemann in der traditionellen Ernährer-Ehe als gegeben akzeptieren.
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