Fachbuch, 2011
52 Seiten
Vowort / Seite 7
Die Frühbronzezeit in Deutschland
Abfolge und Verbreitung der Kulturen und Gruppen / Seite 11
Sie fürchteten ihre Toten
Die Ries-Gruppe
von etwa 2300/2200 bis 1800 v. Chr.
und die Neckar-Gruppe / Seite 13
Die vorliegende Arbeit gibt einen detaillierten Überblick über die kulturgeschichtliche Entwicklung und die archäologischen Befunde der Frühbronzezeit in Süddeutschland, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der spezifischen Ausprägung und den Bestattungssitten der Ries-Gruppe sowie der Neckar-Gruppe liegt.
Sie fürchteten ihre Toten
Im Nördlinger Ries und im oberen Altmühltal bei Treuchtlingen existierte in der Frühbronzezeit von etwa 2300/2200 bis 1800 v. Chr. die Ries-Gruppe. Sie unterschied sich vor allem durch ihre Grab- und Bestattungssitten von der in Südbayern heimischen Straubinger Kultur. Den Begriff Ries-Gruppe hat 1978 der an der Ludwig-Maximilians-Universität in München lehrende Prähistoriker Walter Ruckdeschel eingeführt. Auch die Menschen der Ries-Gruppe sind aus Angehörigen der jungsteinzeitlichen Glockenbecher-Kultur (etwa 2500 bis 2200 v. Chr.) hervorgegangen. Das beweisen die Schädel der Toten aus den Gräbern von Nähermemmingen bei Nördlingen (Kreis Donau-Ries).
Die Skelettreste von Nähermemmingen wurden durch den damals in München arbeitenden Anthropologen Emil Breitinger, der später als Professor in Wien wirkte, untersucht. Breitinger ermittelte bei sieben Männern eine Körperhöhe zwischen 1,60 und 1,75 Metern sowie bei sechs Frauen eine Körperhöhe zwischen 1,52 und 1,59 Metern.
Die etwa 30 bis 40 Jahre alte Frau aus dem Grab 23 von Nähermemmingen hatte zu Lebzeiten einen Kieferbruch erlitten. Offenbar stellte ihr ein Medizinmann die nach dem Unfall stärker verschobenen Fragmente des Unterkiefers richtig und sorgte durch äußere Verbände oder Schienen für den Halt in normaler Stellung. Dank dieser Fürsorge ist der Unterkiefer gut verheilt.
Vowort: Der Autor stellt den zeitlichen Rahmen von ca. 500 Jahren Urgeschichte vor und skizziert die behandelten Aspekte wie Anatomie, Alltagskultur und soziale Strukturen der Ackerbauern und Viehzüchter.
Die Frühbronzezeit in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die chronologische Gliederung der Stufen A1 und A2 sowie die Verbreitung verschiedener frühbronzezeitlicher Kulturen, wie der Aunjetitzer Kultur, in Deutschland.
Sie fürchteten ihre Toten: Der Hauptteil analysiert die Bestattungssitten, die anthropologischen Befunde und die materielle Kultur der Ries-Gruppe und der Neckar-Gruppe im süddeutschen Raum.
Frühbronzezeit, Ries-Gruppe, Neckar-Gruppe, Straubinger Kultur, Bestattungssitten, Archäologie, Süddeutschland, Gräberfeld, Grabbeigaben, Skelettfunde, Metallurgie, Anthropologie, Bronzezeit, Glockenbecher-Kultur, Siedlungsgeschichte
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und archäologische Erforschung der Frühbronzezeit im süddeutschen Raum mit einem speziellen Fokus auf die Ries- und die Neckar-Gruppe.
Zu den Schwerpunkten zählen die zeitliche Einordnung der Kulturen, die Analyse von Bestattungsriten, die materielle Ausstattung der Gräber und anthropologische Erkenntnisse aus den Skelettfunden.
Das Ziel ist es, die Eigenheiten und Unterschiede dieser Kulturstufen darzustellen, insbesondere im Vergleich zur Straubinger Kultur und der Glockenbecher-Tradition.
Der Autor stützt sich auf archäologische Ausgrabungsberichte, anthropologische Untersuchungen von Skelettresten sowie chronologische Einordnungen durch anerkannte Prähistoriker.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Detaillierung der Grabfunde, der Kleidung und dem Schmuck sowie der sozialen Differenzierung anhand der Bestattungsweisen.
Kernbegriffe sind Frühbronzezeit, Ries-Gruppe, Neckar-Gruppe, Bestattungssitten, Gräberfelder und materielle Kultur der Bronzezeit.
Fundstücke wie der verheilte Kieferbruch einer Frau aus Nähermemmingen belegen, dass bereits in der Frühbronzezeit rudimentäre, aber erfolgreiche medizinische Eingriffe durch Schienung und Versorgung vorgenommen wurden.
Diese Konstruktionen, wie Steinpackungen und Einfassungen, unterscheiden die Ries-Gruppe maßgeblich von der Straubinger Kultur und deuten auf einen spezifischen „westlichen Grabsittenkreis“ hin.
Die Neckar-Gruppe repräsentiert eine eigenständige, von Rüdiger Krause definierte Kulturstufe, die eine Mischzone im Vorfeld der Singener Gruppe darstellt und durch spezifische Grabbeigaben identifiziert wird.
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