Magisterarbeit, 2006
78 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Ein realistischer Roman zwischen romantischer Idylle und aufstrebend moderner Wirtschaftsentwicklung
2.1. Zeit und zeitliche Einordnung
2.1.1. „der Vorwelt Wunder“ – das Damals und Heute im Roman
2.1.2. Exkurs I: Poetischer Realismus und das Ende der Romantik
2.2. Die alte und die neue Welt
2.2.1. Zwischen Stadt und Land
2.2.2. Fortschritt vs. Bewahrung
2.2.3. Exkurs II: Reichsgründung und industrielle Revolution
2.2.4. Die alte Mühle als Wirtschaftsbetrieb
2.2.5. Exkurs III: Deutsche Wirtschaftsgeschichte im 19. Jahrhundert – Beginn betriebs- und volkswirtschaftlicher Überlegungen
2.3. Umweltverschmutzung als literarisches Thema: „Die Antwort, wenn nicht auf die größte, dann auf eine der größten Fragen der Zeit“
2.3.1. Die Geschichte des verschmutzten Mühlbachs
2.3.2. Exkurs IV: Verzuckerung der Gesellschaft – Entwicklung und Bedeutung der Zuckerrübenindustrie im 19. Jahrhundert
2.3.3. Höhepunkt der Geruchsbelästigung zum Fest von Adam und Eva
2.3.4. Exkurs V: Chemisch-biologische Abwasseranalyse
2.3.5. Ein versöhnlicher Schluss – nur der Anfang vom Ende
3. Fazit: Realistische Wirtschaftsgeschichte oder Poetisierung der Wirklichkeit?
Die Arbeit untersucht, wie Wilhelm Raabes Roman "Pfisters Mühle" die wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche des 19. Jahrhunderts – insbesondere die Industrialisierung und ihre ökologischen Folgen – literarisch verarbeitet und reflektiert.
2.1.1. „der Vorwelt Wunder“ – das Damals und Heute im Roman
In Pfisters Mühle hat Raabe einen Erzähler eingesetzt: Ebert Pfister, Sohn des letzten Müllers der Mühle, der einerseits das, was er erzählt (seine Kindheit und die Vergangenheit der väterlichen Mühle), und andererseits auch die Umstände, unter denen er erzählt (seine Flitterwochen, die gleichzeitig der letzte Ferienaufenthalt in der bereits verlassenen Mühle sind), niederschreibt.14 Anhand einer Frage, die Ebert sich immer wieder stellt und die somit als Leitmotiv für den Roman gelten kann, ruft er sich den Ablauf seiner Vergangenheit ins Gedächtnis. „Wo bleiben alle die Bilder“15 fragt er sich ständig und aus der Distanz zur Vergangenheit treten die Szenen seiner Kindheit und Jugend als Bilder zusammen.16 In dieser durch Erinnerung geleisteten Bewältigung der Vorgänge wird deutlich, dass das mündliche an seine Frau Emmy gerichtete Erzählen nur ein vorgeschobener Schritt eines Aufarbeitungsprozesses ist.17 Der Erinnerungsprozess dient Ebert in erster Linie dazu, die zurück erlangten Kindheitsbilder in einer kleinen Sammlung loser Blätter aufzuschreiben, um möglichst viele Bilder aus seinem eigenen Leben und dem seines Vaters festzuhalten, bevor sie wie die Mühle bald verschwinden.18 Das Erzählen als epischer Prozess steht hier zwischen dem Augenblick und der Ewigkeit, wobei das Niederschreiben das Dauerhafte der Entzeitlichung suggeriert und das mündliche Erzählen ein Empfinden von Unmittelbarkeit hervorruft.
Somit sind bereits zwei Zeitebenen innerhalb des Romans identifiziert: Zum einen die Ebene der erzählten Zeit (Geschichte der Mühle), zum anderen die Erzählzeit (Geschichte der Flitterwochen als letzter Aufenthalt in der Mühle, die danach abgerissen wird). Der Text erwähnt, dass sich „seit dem Kriege mit den Franzosen“ (S. 55) vieles geändert hat. Gemeint ist der Befreiungskrieg gegen Frankreich, nach dessen Ende das Deutsche Kaiserreich ausgerufen worden war.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Arbeit, die sich über eine reine Literaturanalyse hinaus mit der wirtschaftsgeschichtlichen Darstellung in Wilhelm Raabes Roman auseinandersetzt.
2. Ein realistischer Roman zwischen romantischer Idylle und aufstrebend moderner Wirtschaftsentwicklung: Untersuchung der verschiedenen Zeitebenen im Roman und der literaturhistorischen Positionierung Raabes als Vertreter des poetischen Realismus.
3. Fazit: Realistische Wirtschaftsgeschichte oder Poetisierung der Wirklichkeit?: Zusammenfassende Bewertung, ob Raabe lediglich Chronist war oder durch seine Figuren und Erzählweise eine kritische Reflexion des gesellschaftlichen Wandels erreicht.
Wilhelm Raabe, Pfisters Mühle, Wirtschaftsgeschichte, Industrialisierung, Poetischer Realismus, Romantik, Umweltverschmutzung, Zeitverständnis, Fortschritt, Bewahrung, Zuckerfabrik, Soziale Frage, Mühlenidylle, Gesellschaftswandel, Literaturanalyse
Die Arbeit analysiert Wilhelm Raabes Roman "Pfisters Mühle" im Kontext des sozioökonomischen Wandels des 19. Jahrhunderts, insbesondere den Konflikt zwischen traditioneller Lebensweise und fortschreitender Industrialisierung.
Die Arbeit behandelt die Industrialisierung in Deutschland, die Entwicklung der Zuckerrübenindustrie, die literarische Darstellung von Umweltverschmutzung sowie den Epochenumbruch von der Romantik zum Realismus.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie Raabe als Vertreter des poetischen Realismus auf die historischen Veränderungen seiner Zeit reagiert und ob er über eine bloße Wiedergabe der Wirklichkeit hinaus eine kritische Wertung vornimmt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans mit ergänzenden historischen Exkursen kombiniert, um den Roman in seinen realen wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Kontext einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine zeitliche Einordnung des Romans, die Gegenüberstellung von alter und neuer Welt sowie ein detailliertes Kapitel zur Umweltverschmutzung als literarisches Motiv.
Die wichtigsten Begriffe sind: Wilhelm Raabe, Industrialisierung, Poetischer Realismus, Wirtschaftsgeschichte, Umweltverschmutzung und der Konflikt zwischen Fortschritt und Bewahrung.
Die Mühle fungiert als Symbol für eine untergehende, vorindustrielle Welt, die im direkten Kontrast zu den anonymen, industriellen Fabrikstrukturen steht.
Weil Raabe damit ein für seine Zeit sehr frühes und ökologisch relevantes Problem anspricht, das den Untergang des Familienbetriebs Pfister unmittelbar herbeiführt.
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