Wissenschaftliche Studie, 2011
22 Seiten, Note: "."
Einleitung
Der Begriff der Androgynie und verwandte Begriffe
Androgynie - Hermaphroditismus - Bisexualität und Intersexualität
Androgynie in der griechischen Mythologie
Androgyne Gottheiten
Androgyne Wesen in Menschengestalt: Schöpfungsmythen
Amazonen
Exkurs: Goethes Urworte Orphisch
Die Entwicklung des Androgyniebegriffes bei Goethe
Androgyn - Hermaphroditisch - Amazone
Der Einfluss Wilhelm von Humboldts und Friedrich Schillers
Androgyne Frauen und ihre Kontrastfiguren in Wilhelm Meisters Lehrjahre
Mariane, der junge Offizier, Wilhelms erste Liebe
Chlorinde in Tassos Das Befreite Jerusalem
Stratonike und Der Kranke Königssohns
Diese Untersuchung analysiert die Einflüsse mythologischer, literarischer und künstlerischer Vorbilder auf Goethes Gestaltung androgyn geprägter Frauenfiguren in seinem Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre". Das primäre Ziel ist es, die spezifische Funktion dieser Figuren für Wilhelms Entwicklungsprozess sowie deren Verknüpfung mit einem idealistischen Menschenbild der Zeit zu ergründen.
Androgyne Wesen in Menschengestalt: Schöpfungsmythen
In zahlreichen Religionen hat die Menschheitsentwicklung ihren Ursprung in einem einzigen doppelgeschlechtigen Wesen. Dies wird von Platon in seinem Werk Symposion (Das Gastmahl) beispielhaft durch eine Rede des Komödiendichters Aristophanes veranschaulicht. Im weiteren Sinne geht es darum, wie der Eros, der nicht nur ein kosmisches Prinzip darstellt (vgl. Seite 3 oben), sondern auch in der Seele des Menschen beheimatet ist, entstanden ist. Indem Aristophanes einen Mythos vom Urzustand des Menschen erzählt, stellt er die Verbindung zwischen dem menschlichen und dem kosmischen Aspekt her:
Am Anfang gab es dreierlei Geschlechter von Menschen, nicht nur zwei wie heute, ein männliches und ein weibliches, sondern dazu noch ein drittes, das gemeinsam zu diesen beiden gehörte; sein Name ist noch geblieben, während es selbst verschwunden ist. (Platon 130)
Und im weiteren Verlauf seiner Erzählung geht Aristophanes auf das in der Einleitung erwähnte ambivalente Verhältnis gegenüber diesem Geschlecht ein:
Das androgyne [3] war dieses eine, das es damals noch gab, und Gestalt und Name waren aus den beiden anderen, dem männlichen und dem weiblichen [d. h. androgynos], zusammengesetzt; jetzt aber besteht es nur noch als Name, und der ist ein Schimpfwort. (ebd.)
Einleitung: Die Untersuchung definiert das Interesse an Goethes androgynen Frauenfiguren und deren Einordnung in die geistesgeschichtliche Tradition des Humanismus.
Der Begriff der Androgynie und verwandte Begriffe: Eine terminologische Abgrenzung von Begriffen wie Androgynie, Hermaphroditismus und Bisexualität im mythologischen und fachspezifischen Kontext.
Androgynie in der griechischen Mythologie: Analyse der Darstellung von Göttern und Schöpfungsmythen, die den Ursprung des Menschen in einem ursprünglich androgynen Wesen verorten.
Exkurs: Goethes Urworte Orphisch: Betrachtung von Goethes säkularisierter Weisheitslehre, in der antike Begriffe in ein modernes Weltbild integriert werden.
Die Entwicklung des Androgyniebegriffes bei Goethe: Untersuchung der literarischen Umsetzung des Konzepts, geprägt durch Humboldts Anthropologie und die Idee einer "mannweiblichen" Vollkommenheit.
Androgyne Frauen und ihre Kontrastfiguren in Wilhelm Meisters Lehrjahre: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf spezifische Romanfiguren, die für Wilhelms Reifeprozess als entscheidende Projektionsflächen dienen.
Androgynie, Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, Griechische Mythologie, Amazonen, Platon, Eros, Mannweiblichkeit, Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schiller, Hermaphroditismus, Menschenbild, Literaturanalyse, Symbolik, Geschlechterforschung
Die Arbeit analysiert die mythologischen und literarischen Grundlagen von Goethes Verständnis androgyn geprägter Frauenfiguren in seinem Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre.
Im Mittelpunkt stehen die Begriffe Androgynie und Amazone sowie deren Verbindung zu einem idealistischen Menschenbild, das Gegensätze wie männlich und weiblich transzendieren will.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie diese androgynen Gestalten als Identifikationsfiguren und Projektionsflächen für Wilhelms eigene innere Entwicklung sowie seine Suche nach Vollkommenheit fungieren.
Die Arbeit nutzt eine kultur- und geistesgeschichtliche Perspektive, kombiniert mit literaturwissenschaftlicher Textanalyse und dem Vergleich von Werken Goethes mit antiken und zeitgenössischen philosophischen Quellen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Androgynie (Mythologie, Goethe, Humboldt/Schiller) und deren konkrete Anwendung auf Figuren wie Mariane, Chlorinde und Natalie.
Zentrale Begriffe sind neben Androgynie und Amazonenhaftigkeit vor allem die "Mannweiblichkeit", der Eros als heilsame Kraft sowie die Idee der Einheit der Geschlechter.
Sie dienen Wilhelm als Idealbilder und Projektionsflächen, die aufgrund ihrer "Mannweiblichkeit" eine stärkere Anziehungskraft ausüben als das "reine Weibliche" und ihn in seiner Entwicklung maßgeblich beeinflussen.
Sie lieferten durch ihre anthropologischen Schriften ein philosophisches Gerüst, welches Goethes Suche nach einer harmonischen Verbindung männlicher und weiblicher Prinzipien zur Erreichung der "Menschlichkeit" stützte.
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