Masterarbeit, 2010
122 Seiten, Note: 1,0
EINLEITUNG
DIE GESCHICHTE DES JOSEPH SÜß OPPENHEIMER
1. TEIL: DAS TEXTVERGLEICHSPROGRAMM
1. VERGLEICH DER TEXTDATEIEN VON ROMAN UND DREHBUCH
1.1. Plagiatserkennungssoftware
2. MATERIAL UND METHODIK
2.1. Marktübersicht
2.2. Datei- und Dokumentenformate
2.3. Textvergleichsprogramm Beyond Compare
2.3.1. Textvergleichssitzung
2.3.2. Textvergleichseinstellungen
2.3.3. Grammatik
2.3.4. Textansichts- und Anzeigeoptionen
2.3.5. Definition eines Elements und einer Liste
2.3.6. Standard- und Pro- Edition
2.4. Textvergleichsprogramm Suite Compare
3. ERGEBNIS
3.1. Suite Compare
3.1.1. Auswahl „judenfeindlicher Aussagen“ vom Drehbuch
3.2. Ergebnis der Übereinstimmung
4. DISKUSSION
2. TEIL DIE VERGLEICHENDE WERKANALYSE
I THEORIE: DER NUTZENANSATZ ODER USES AND GRATIFICATIONS APPROACH
1. ZIEL DER UNTERSUCHUNG: DEDUKTIVES VORGEHEN
2. ERLÄUTERUNG DES NUTZENTHEORETISCHEN ANSATZES
3. BEGRÜNDUNG DER ANWENDUNG
II METHODE: VERFAHREN UND ANWENDUNG DER INHALTSANALYSE
1. INHALTSANALYSE NACH BERELSON
2. ERKLÄRUNG DER ZÄHLEINHEITEN: ERSTELLUNG DER KATEGORIEN UND DIE ZÄHLEINHEIT „SITUATION“
3. AUFBEREITUNG DES UNTERSUCHUNGSMATERIALS
4. DIE OPERATIONALISIERUNG
4. VARIABLEN
III AUSWERTUNG UND INTERPRETATION DER DATEN
1. PERSONENLISTE NACH SOZIALEN GRUPPEN IN ROMAN UND DREHBUCH
2. PERSONENLISTE NACH SOZIALEN GRUPPEN
3. Personenliste verteilt nach Geschlecht und sozialer Herkunft in Roman und Drehbuch
IV VARIABLE 1: GRÖßE DER BEZIEHUNGSEINHEIT
V VARIABLE 2: ANWESENHEIT VON PERSONEN UND GRUPPEN
4. ANZAHL DER AUFTRITTE DER SOZIALEN GRUPPEN
4.1. Schwarz-Weiß-Malerei?
VI VARIABLE 3: SCHAUPLÄTZE
VII VARIABLE 4: ORTSWECHSEL
VIII VARIABLE 5: ZEITWECHSEL
IX VARIABLE 6: PERSONENWECHSEL
X VARIABLE 7: LEBENSBEREICHE
XI SPEZIELLE AUSWERTUNGEN – SÜß
XI AUSWERTUNG INSGESAMT
3. TEIL DIE ABBAUPRODUKTION
1. BRECHTS DREIGROSCHENPROZESS
2. FEUCHTWANGERS OFFENER BRIEF AN DIE SCHAUSPIELER
3. BRECHTS ABBAUPRODUKTION
4) MOTIVE, DIE HARLAN ÜBERNOMMEN HAT
4.1. Feuchtwangers Hauptfigur als Vorlage
4.2.) Feuchtwangers „Straßenmotiv“ als Vorlage
4.3.) Das Liebesmotiv
4.3.1. Wilhelm Hauff als Vorlage
4.3.2. Oper Tosca als Vorlage
4.3.3. Feuchtwangers Vater- Tochter- Beziehung als Vorlage
5. JUD SÜß ALS ANTISEMITISCHER HETZFILM?
6. SCHLUSS
Die Arbeit untersucht, inwiefern der Regisseur Veit Harlan für seinen NS-Propagandafilm "Jud Süß" (1940) den Roman von Lion Feuchtwanger (1925) als Vorlage nutzte und dabei durch eine gezielte "Abbauproduktion" (in Anlehnung an Bertolt Brecht) die literarische Vorlage in ein antisemitisches Zerrbild transformierte.
Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer
Die zahlreichen Bearbeitungen des „Jud Süß- Stoffes“ basieren auf dem wahren Leben des Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimers, kurz genannt Jud Süß, der 1698 in Heidelberg geboren wurde. Schon in seiner Jugend übte er verschiedene Finanz- und Handelstätigkeiten aus, bis er sich erfolgreich als Geldhändler etablierte und sich ein beträchtliches Vermögen anhäufte. Als Süß 1732 dem Prinzen Karl Alexander von Württemberg aus seiner finanziellen Not heraus half, übergab ihm der Prinz, sein wirtschaftliches Geschick schätzend, das Amt des Hof- und Kriegfaktors. Ein Jahr später wurde Karl Alexander zum Herzog von Württemberg ernannt. Aufgrund seines luxuriösen Lebensstils geriet er in Konflikt mit den Landständen, die den Herzog schon von Anfang an genau ins Visier nahmen. Keiner konnte verstehen, wie er einem Juden ein so hohes Amt übertragen konnte. Süß war für die komplette Finanzierung des Hofstaates verantwortlich. Mit seinem unternehmerischen Talent vermehrte er sein Vermögen kontinuierlich. Auch er hatte einen Sinn für Luxus und stellte seinen Besitz öffentlich zur Schau. Dadurch zog er den Neid der christlichen Kaufleute förmlich an sich.
Als der Herzog 1737 an einem Schlaganfall starb, verlor Süß gleichzeitig den Schutz seines Herrn und wurde noch am selben Tag verhaftet. Elf Monate lang zerbrach sich das Stuttgarter Gericht den Kopf über Beweise für die Anklage. Die Wissenschaft kann bis heute keine Beweise für seine Schuld erbringen. Jedoch ist davon auszugehen, dass Oppenheimer sich häufig mit Christinnen einließ: „Zunächt war Basis der Anklage ein altes Reichsgesetz, welches die fleischliche Vermengung von Juden und Christen unter Todesstrafe stellte, für jeden der Beteiligten.“ Da man aber durch diese Anklage auch zahlreiche schwäbische christliche Frauen hätte belangen müssen, wurde sie fallengelassen. Obwohl keine weiteren Beweise auftauchten, wurde Süß schließlich am 4. Februar 1738 in einem zehn Meter hohen Vogelkäfig öffentlich hingerichtet.
1. TEIL: DAS TEXTVERGLEICHSPROGRAMM: Untersuchung der technischen Möglichkeiten und Grenzen von Software zum Vergleich der Textdateien von Roman und Drehbuch.
2. TEIL DIE VERGLEICHENDE WERKANALYSE: Anwendung einer inhaltsanalytischen Methode basierend auf der Nutzentheorie zur quantitativen Erfassung und zum Vergleich formaler Kriterien beider Werke.
3. TEIL DIE ABBAUPRODUKTION: Analyse der gezielten Transformation von Motiven aus dem Roman durch Veit Harlan zur Erschaffung eines antisemitischen Hetzfilms.
Jud Süß, Lion Feuchtwanger, Veit Harlan, Antisemitismus, NS-Propagandafilm, Inhaltsanalyse, Abbauproduktion, Textvergleich, Literaturverfilmung, Nutzentheorie, Medienwissenschaft, Nationalsozialismus, Motivadaption, Filmgeschichte, Propaganda.
Die Masterthesis untersucht die filmische Adaption des Romans "Jud Süß" von Lion Feuchtwanger durch den Regisseur Veit Harlan im Jahr 1940 und analysiert, wie diese als NS-Propagandawerk umgestaltet wurde.
Die Arbeit fokussiert sich auf den Vergleich zwischen Literatur und Film, die Anwendung von Methoden zur quantitativen Inhaltsanalyse sowie die diskursive Analyse antisemitischer Motive in der nationalsozialistischen Filmproduktion.
Das Ziel ist es, wissenschaftlich zu belegen, inwieweit Harlan Motive aus Feuchtwangers Roman entnommen und diese im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie zu einem antisemitischen Hetzfilm transformiert ("abgebaut") hat.
Die Autorin nutzt eine Kombination aus computergestütztem Textvergleich, einer deduktiven, inhaltsanalytischen Werkanalyse nach dem "Uses and Gratifications Approach" sowie die Untersuchung von Narrativen im Sinne von Brechts "Abbauproduktion".
Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte: Die technische Analyse der Textdateien, eine umfangreiche vergleichende Werkanalyse von Personen und Situationen sowie die Untersuchung spezifischer Motive wie der Rolle der Straße, des Inzest-Verhältnisses und der Erpressungsszenarien.
Wichtige Begriffe sind Jud Süß, Antisemitismus, NS-Propagandafilm, Inhaltsanalyse, Motivadaption und die theoretischen Konzepte von Brecht und der Nutzentheorie.
Das Straßenmotiv dient Harlan als Bindeglied zwischen der Feuchtwanger-Vorlage und der NS-Ideologie (Reichsautobahn), um Willkür und Boshaftigkeit der Figur Süß zu illustrieren und als rechtfertigenden Grund für gesellschaftliche Konflikte darzustellen.
Die Arbeit verdeutlicht, dass die explizite Thematisierung der "Rassenschande" durch den Regisseur erfunden wurde, um den Film als politisches Instrument zur Stimmungsmache zu nutzen, anstatt sich an die literarische Vorlage zu halten.
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