Bachelorarbeit, 2011
62 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
0. Einleitung
1. Grundfrage: der moralische Status des menschlichen Embryos
1.1. Lösungsansätze
1.2. Nicht gradualistische Position/„absoluter“ Lebensschutz
1.3. Gradualistische Position/“abgestufter“ Lebensschutz
2. Claudia Wiesemanns Beitrag zur Diskussion um den moralischen Status menschlicher Embryonen
2.1. Der moralische Status des Embryos und die Eltern-Kind-Beziehung
2.1.1. Position des absoluten Lebensschutzes
2.1.2. Position des abgestuften Lebensschutzes
2.2. Der leibliche und soziale Kontext des Embryos
2.3. Die Ethik des Fremden
2.4. Der Begriff des menschlichen Individuums
2.5. Die Geburt als leiblicher und sozialer Einschnitt
2.6. Elternschaft
2.6.1. Verantwortung
2.6.2. Das Modell des antizipierten Konsenses
2.7. Aufgegebene und nicht gelebte Beziehungen
2.7.1. In-vitro-Fertilisation
2.7.2. Selektiver Fetozid
2.7.3. Embryonenspende
2.7.4. Schwangerschaftsabbruch
3. Kritische Anmerkungen zu Claudia Wiesemanns Entwurf einer „Ethik der Beziehung“
3.1. Terminologie
3.2. Verborgene Wertungen – fehlende Argumentation
3.3. Konsequenzen des „beziehungsethischen Ansatzes“
3.4. Sein-Sollen-Problem
3.5. Elternschaft, Beziehung und Verantwortung
4. Abschlussbemerkungen
Die vorliegende Arbeit analysiert und kritisiert Claudia Wiesemanns Ansatz einer „Ethik der Beziehung und Verantwortung“, um einen alternativen Lösungsansatz für die moralische Statusdebatte um das ungeborene menschliche Leben zu prüfen. Ziel ist es, die Stärken und Schwächen dieses beziehungszentrierten Ansatzes im Vergleich zu klassischen, individualethischen Positionen des absoluten und abgestuften Lebensschutzes aufzuzeigen.
2.1. Der moralische Status des Embryos und die Eltern-Kind-Beziehung
Im ersten Kapitel ihres Buches geht Wiesemann auf die im ersten Hauptteil dieser Arbeit vorgestellten Hauptargumentationslinien in der Debatte um den moralischen Status des menschlichen Embryos ein. Sie schreibt:
„Aus der Statusdebatte der letzten Jahrzehnte haben wir viel darüber gelernt, wie der Embryo moralisch bewertet werden müsste, wäre er ein eigenständiges Individuum und nach Maßstäben zu behandeln, die für die Bürger ziviler und demokratischer Gesellschaften entwickelt wurden.“
Für Wiesemann ist diese Art der Bewertung unbefriedigend. Sie stellt die Frage: „Kann man über den Embryo sprechen, ohne seine Eltern zu erwähnen?“ Hierbei verweist sie auf das schon zitierte Werk von Damschen und Schönecker und merkt an, dass im dortigen Register mit ca. 400 Stichwörtern „die Worte Mutter, Vater, Eltern oder Kind überhaupt nicht vor[kommen]!“ Sie schreibt, dass, durch den Verzicht auf die verwandtschaftlichen Bezeichnungen, die enge körperliche und soziale Relation des Ungeborenen zu anderen Menschen – insbesondere der Mutter – aus dem Blick gerät. Diese distanzierte Sprache, in der die beiden Hauptpositionen der Embryonendebatte versuchen ihre Standpunkte darzustellen, führt zu einem Gefühl der Entfremdung, das sich in der öffentlichen Meinung auch auf die behandelten Themen überträgt. So schreibt Wiesemann:
„Wenn man jedoch im Tone äußerster Distanz über Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt spricht, die sich normalerweise in sehr intimen menschlichen Beziehungen ereignen und zu den engsten menschlichen Beziehungen führen, die wir kennen, wenn das entstehende Lebewesen also nur noch mit vermeintlich objektiven und neutralen biologischen Begriffen wie »Embryo« oder »Fötus« belegt wird, so entsteht ein Gefühl der Entfremdung, das sich untrennbar mit den verhandelten Themen verbindet.“
Das Finden einer Sprache, die den „Allerweltserfahrungen von Kindsein und Elternsein“ gerecht wird, könnte helfen, dass Menschen ihre persönlichen Erfahrungen – und somit sich selbst – in der ethischen Debatte wiederfinden; dadurch könnte die Statusdebatte vielleicht aus der Sackgasse herausmanövriert werden, in der sie sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt befindet. Für Wiesemann stellt sich so die Frage nach der Plausibilität der Positionen des absoluten und abgestuften Lebensschutzes aus beziehungsethischer Perspektive.
0. Einleitung: Die Einleitung verortet die Arbeit in der medizinethischen Debatte und führt in Claudia Wiesemanns Ansatz der „Ethik der Beziehung“ ein, der als Alternative zu klassischen Positionen untersucht wird.
1. Grundfrage: der moralische Status des menschlichen Embryos: Dieses Kapitel definiert die zwei klassischen Argumentationslinien: den absoluten Lebensschutz und den gradualistischen Ansatz, um die Basis für die weitere Analyse zu schaffen.
2. Claudia Wiesemanns Beitrag zur Diskussion um den moralischen Status menschlicher Embryonen: Der Hauptteil arbeitet Wiesemanns Konzept der Eltern-Kind-Beziehung heraus, das den Embryo als Teil eines sozialen und leiblichen Kontexts statt als isoliertes Individuum betrachtet.
3. Kritische Anmerkungen zu Claudia Wiesemanns Entwurf einer „Ethik der Beziehung“: Dieser Abschnitt unterzieht Wiesemanns Theorie einer kritischen Prüfung, beleuchtet terminologische Unschärfen, fehlende argumentative Herleitungen sowie Probleme im Zusammenhang mit dem Sein-Sollen-Fehlschluss.
4. Abschlussbemerkungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und würdigt den Beitrag Wiesemanns als wichtigen Anstoß für eine kontextsensible Debatte, trotz ihrer teils unkonventionellen und argumentativ schwachen Positionen.
Moralischer Status, Embryo, Ethik der Beziehung, Elternschaft, Verantwortung, Individualethik, Lebensschutz, Fortpflanzungsmedizin, Personenbegriff, leibliche Einheit, Bioethik, Schwangerschaftskonflikte, Individuation, Care-Ethik, Interrelationalität.
Die Arbeit analysiert und kritisiert den von Claudia Wiesemann vorgeschlagenen Ansatz einer „Ethik der Beziehung und Verantwortung“ im Kontext der Debatte um den moralischen Status von Embryonen.
Die Arbeit behandelt die klassischen Positionen des Lebensschutzes, die Kritik an individualethischen Ansätzen, die Bedeutung von Elternschaft und leiblicher Verbundenheit sowie die Anwendung dieser Überlegungen auf konkrete Konfliktfälle der Reproduktionsmedizin.
Das Ziel besteht darin, Wiesemanns beziehungsethischen Ansatz theoretisch aufzuarbeiten und zu prüfen, ob dieser tatsächlich eine praktikable und überzeugende Alternative zur herrschenden Statusdebatte darstellt.
Es handelt sich um eine philosophische Arbeit im Bereich der Angewandten Ethik, die durch Literaturanalyse, systematische Darstellung und kritische Argumentationsanalyse gekennzeichnet ist.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der klassischen Positionen, die detaillierte Rekonstruktion von Wiesemanns Argumentation sowie die kritische Reflexion ihrer theoretischen Grundlagen und Schlussfolgerungen.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind der moralische Status des Embryos, Eltern-Kind-Beziehung, Verantwortung, leiblicher Kontext, Individualität und die Kritik an einer rein individualrechtlich geprägten „Ethik des Fremden“.
Der Autor bemängelt, dass Wiesemanns Definition, die erst ab der Nidation vom „Embryo“ spricht, in der Praxis inkonsistent angewendet wird und den Bereich der künstlichen Befruchtung (IVF) terminologisch erschwert.
Der Autor konstatiert, dass Wiesemann zu einem Sein-Sollen-Fehlschluss neigt und ihre Forderungen oft nicht ausreichend argumentativ begründet, sondern auf subjektivem Empfinden oder vagen intuitiven Annahmen aufbaut.
Der Autor hinterfragt, ob Wiesemanns Ansicht, dass Eltern bis zur Geburt eine nahezu unbeschränkte Entscheidungsgewalt haben sollten, nicht zu einer faktischen rechtlichen Freigabe des Schwangerschaftsabbruchs führt, was der Autor als radikal und problematisch empfindet.
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