Magisterarbeit, 2011
121 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. David Lynch: Film und Kunst
2.1 Der Weg von der bildenden Kunst zum Film
2.1.1 Der modifizierte Körper in der Fotografie: André Kertész
2.1.2 Der entstellte Körper in der Malerei: Francis Bacon
2.2 Das Problem der Interpretation: die Mystifizierung des Autors
2.3 Abstraktion und Postmoderne im Film
2.3.1 Die Wahrnehmung der Abstraktion im Bildraum
2.3.2 Die postmoderne Mehrfachkodierung von Zeichen
3. Die Fremdheit des Körpers und der Dinge
3.1 Kopf- und Körperdeformation
3.1.1 Die Masken des Menschen
3.1.2 Der Körper als Skulptur
3.2 Das Fremde Selbst
3.2.1 Entfremdung und Entäußerung
3.2.2 Die Faszination für den fremden Körper und das Abjekt
3.2.3 Die Wahrnehmung des Unheimlichen
4. Eraserhead: die Fremdheit einer Welt
4.1 Eraserhead
4.2 Die Verkörperung des Fremden
4.2.1 Das Baby: eine Figur außerhalb der symbolischen Ordnung
4.2.2 Bipolare Figuren der metaphysischen Sphäre
4.2.3 Henry Spencer: der Träumer zwischen Illusion und Wirklichkeit
4.3 Ästhetik des Surrealismus
5. The Elephant Man: Der Mensch als unzivilisiertes Tier
5.1 John Merrick: die tragische Ironie der Natur
5.1.1 Die Kunst, einen kranke Körper darzustellen
5.1.2 Die Sprache als Ausgleich zur Immanenz des Bildes
5.2 Der mystifizierte Blick: religiöse Konnotation als Abstraktion
6. Lost Highway: Die Destruktion einer vertrauten Welt
6.1 Fred Madison: Identitätsverlust zwischen Realität und Wahnsinn
6.2 Eine Kopfdeformation in 720 Einzelbildern
7. Fazit
8. Anhang
8.1 Literaturverzeichnis
8.2 Quellen- und Abbildungsverzeichnis
8.3 Abbildungen
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die Darstellung und Wahrnehmung von Kopf- und Körperdeformationen im filmischen Œuvre von David Lynch, insbesondere in den Filmen Eraserhead, The Elephant Man und Lost Highway. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie diese physischen Entstellungen im Kontext von Bildtheorie, Filmästhetik und Psychoanalyse fungieren und welche Wirkung sie auf den Rezipienten ausüben.
3.1 Kopf- und Körperdeformation
Der Körper ist in der zwischenmenschlichen Realität das erste Medium zur Kommunikation. Je nach kultureller Prägung und Erfahrung bestehen konkrete Kategorien, nach denen ein Körper eingestuft wird. Körperästhetiken, die in Stammesgruppen des Amazonas oder bei traditionellen afrikanischen Stämmen als die höchste Form der Schönheit und Attraktivität gelten, sind in unserer westlichen Gesellschaft verpönt und teils sogar als „abstoßend“ kategorisiert. In einer Gesellschaft, die von den meist künstlichen Körperbildern der Mediendominanz beeinflusst ist, wird das „natürliche“ Urteilsvermögen und die Wahrnehmung realer Körper in erheblichem Maße verschoben. Ein Körper wird heute nach anderen Maßstäben gemessen als noch im angehenden 19. Jahrhundert. Der Körper als Medium zur zwischenmenschlichen Kommunikation wird heute stets in einem so oder so gearteten Kontext wahrgenommen, der das entsprechende Interpretations- und Erfahrungspotenzial steuert: die bewusste ästhetische Erfahrung des Körpers wird angestoßen durch den Moment der Überraschung, in welcher Form ist dabei sekundär. Eine weniger offenkundige, sondern tendenziell unbewusste Erfahrung des Körpers wird jedoch weniger durch emotionale Teilnahme denn durch ein sinnliches Involviertsein motiviert.
Die filmischen Körper in den Werken David Lynchs kombinieren diese Formen der Körperwahrnehmung. Der Zuschauer erfährt zum einen eine ästhetische Überraschung, die durch die krasse Abweichung des filmischen Körpers im Verhältnis zur Realität motiviert ist, zum anderen wird er subtil sinnlich involviert, ohne die so entstehende Erfahrung kontrollieren zu können.
1. Einleitung: Einführung in die filmwissenschaftliche Untersuchung von Körperdeformationen im Werk David Lynchs und Darlegung der zentralen Forschungsabsicht.
2. David Lynch: Film und Kunst: Analyse der künstlerischen Einflüsse auf Lynch, der Problematik des Autorenfilms sowie theoretische Grundlagen zur filmischen Abstraktion.
3. Die Fremdheit des Körpers und der Dinge: Theoretische Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung des deformierten Körpers, dem Unheimlichen und der Rolle der Maske im Film.
4. Eraserhead: die Fremdheit einer Welt: Analyse des Erstlingsfilms als Traumkino und Untersuchung der hybriden Daseinsformen Henry Spencers und des Fötus.
5. The Elephant Man: Der Mensch als unzivilisiertes Tier: Erörterung der Darstellung John Merricks als Leidensfigur im Kontext christlicher Ikonographie und sozialer Integration.
6. Lost Highway: Die Destruktion einer vertrauten Welt: Untersuchung der Schlusssequenz und der filmischen Destruktion von Identität durch Trick- und Montagetechniken.
7. Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die Lynch’sche Strategie der Körper- und Kopfdeformation als künstlerischer Ausdruck gegen ein konventionelles Schönheitsbild.
8. Anhang: Detailliertes Verzeichnis der verwendeten Literatur, Quellen und der im Text besprochenen Abbildungen.
David Lynch, Eraserhead, The Elephant Man, Lost Highway, Körperdeformation, Bildtheorie, Filmästhetik, Abjekt, Unheimliches, Surrealismus, Francis Bacon, Identität, Entfremdung, Zuschauerwahrnehmung, Maske.
Die Arbeit untersucht das zentrale Motiv der Kopf- und Körperdeformation in drei ausgewählten Filmen von David Lynch und analysiert deren filmwissenschaftliche und philosophische Bedeutung.
Die zentralen Themen sind Körperästhetik, die Konfrontation mit dem Abjekt, die Rolle der Identität sowie die Dekonstruktion der Realitätsillusion im Film.
Das Ziel ist es, die Motivation Lynchs zu ergründen, warum er menschliche Körper in seinen Filmen systematisch entstellt und wie diese Deformationen die Wahrnehmung des Zuschauers beeinflussen.
Die Arbeit nutzt einen filmwissenschaftlichen sowie interdisziplinären Ansatz, der kunsttheoretische, philosophische und psychoanalytische Konzepte (u.a. von Julia Kristeva und Gilles Deleuze) einbezieht.
Im Hauptteil werden die Filme Eraserhead, The Elephant Man und Lost Highway detailliert analysiert, wobei besonders die formale Gestaltung und die psychologische Bedeutung der Körperdarstellung im Fokus stehen.
Neben dem Namen David Lynch sind Begriffe wie Körperdeformation, Surrealismus, Unheimliches, Abjekt und Identitätsverlust prägend für die Untersuchung.
Lynch verweigert eine explizite Interpretation seiner Werke. Er betrachtet Ideen als assoziative Schnipsel, die der Zuschauer individuell für sich vervollständigen muss.
Die Arbeit argumentiert, dass die Figur des John Merrick mythisch und religiös überhöht dargestellt wird, um ihn von der Gesellschaft abzugrenzen und seinen Leidensweg als Passion zu inszenieren.
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