Wissenschaftlicher Aufsatz, 2011
27 Seiten
1. Zur Entstehung des Herzogtums Preußen
2. Was ist unter „Calvinismus“ zu verstehen?
2.1 Im engeren Sinn bezeichnet „Calvinismus“ die theologischen Systeme im 16. und 17. Jahrhundert
2.2 Im Folgenden werden charakteristische Elemente der Theologie Johannes Calvins (1509-1564) skizziert
3. Zur Vorgeschichte des Calvinismus in Preußen
4. Die sog. „Zweite Reformation“
4.3 Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688; reg. seit 1640)
5. Auswirkungen im Herzogtum Preußen
5.1 Als Johann Sigismund 1618 Herzog in Preußen wurde, versuchte er ein kirchenpolitisches „Langzeitprogramm“ durchzusetzen
5.2 Kurfürst Georg Wilhelm (1595-1640) setzte die Politik seines Vaters, die in der „Confessio Sigismundi“ (1614) festgeschrieben war, fort.
5.4 Kurfürst Friedrich III./ König Friedrich I. (1657/88-1713) setzte den politischen Weg seines Vaters fort
5.5 Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts hatte eine Pest-Epidemie (1708-1710) weite Landstriche Preußens demographisch und ökonomisch in einen desolaten Zustand gebracht.
6. Unterwegs zur Union
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung, Etablierung und Transformation des Calvinismus im Herzogtum Preußen während des 17. und frühen 18. Jahrhunderts, wobei insbesondere die Wechselwirkungen zwischen religiöser Überzeugung, politischer Praxis der brandenburgisch-preußischen Herrscher und dem Widerstand lutherischer Kreise analysiert werden.
Zur Vorgeschichte des Calvinismus in Preußen
Der Calvinismus hatte in Preußen Eingang gefunden, bevor das brandenburgische Herrscherhaus sich für diese Konfessionsvariante entschieden hatte. Drei Momente können als eröffnende Faktoren benannt werden:
- Die geographische Lage an der Ostsee hat den internationalen Handel begünstigt und in Königsberg, Memel und Pillau Menschen aus ganz Westeuropa zusammengeführt. Unter den Holländern, Engländern, Schotten, Schweizern u.a. waren auch Vertreter des Calvinismus. Organisiert waren sie zunächst in „Nationen“ oder „Brüderschaften“, die Anschluss bei den bestehenden Parochialgemeinden suchten. In Memel haben reformierte Protestanten 1629-1635 eine eigene Gemeinde ins Leben gerufen. Eine reformierte Kirche konnte erst 1775 gebaut werden. In Pillau sammelten sich die Reformierten seit 1685 um den Prediger Abraham Rüts. Tilsit bekam 1679 einen reformierten Geistlichen, nachdem schon Ende des 16. Jahrhunderts Reformierte aus England und Schottland in der Stadt gelebt hatten. Auch in Insterburg gab es reformierte Ansätze seit 1681. Königsberg nahm insofern eine Sonderstellung ein, als hier nach bescheidenen Anfängen im 17. Jahrhundert durch die Überschneidung mit der kurfürstlichen Religionspolitik exemplarische Interessen ins Spiel kamen.
- Nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes (1685) hat der Große Kurfürst Brandenburg für die Hugenotten geöffnet. Sie bildeten die französisch-reformierten Gemeinden mit eigenen Pfarrern und einer eigenen Verwaltung in Berlin (1694 Commission Ecclésiastique). In Königsberg betreute Abraham Boullay du Plessis die erste französisch-reformierte Gemeinde. Auf die durch die Pest 1708/10 verursachte demographische Krise Preußens reagierten die Könige mit Einladungen an Glaubensflüchtlinge (Salzburger) und reformierte Glaubensgenossen. Die Immigranten kamen vorrangig aus der (französisch sprechenden) Schweiz, der Pfalz und Nassau. Höhepunkt der reformierten Einwanderung war also die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts (s.u.).
1. Zur Entstehung des Herzogtums Preußen: Dieses Kapitel erläutert den Übergang vom Ordensstaat zum säkularen Herzogtum unter Albrecht von Brandenburg-Ansbach und die Etablierung des lutherischen Protestantismus.
2. Was ist unter „Calvinismus“ zu verstehen?: Hier wird der Begriff des Calvinismus differenziert betrachtet und die theologische Ausrichtung Johannes Calvins sowie deren praktische Anwendung skizziert.
3. Zur Vorgeschichte des Calvinismus in Preußen: Das Kapitel beleuchtet frühe Einflüsse durch Handel, Einwanderung und Adelskonversionen, die den Calvinismus vor der kurfürstlichen Entscheidung etablierten.
4. Die sog. „Zweite Reformation“: Es wird der Konfessionswechsel des Kurfürsten Johann Sigismund 1613 behandelt und in den Kontext der europäischen Entwicklungen sowie politischer Interessen eingeordnet.
5. Auswirkungen im Herzogtum Preußen: Das Hauptkapitel analysiert die kirchenpolitischen Maßnahmen der Kurfürsten zur Etablierung reformierter Gemeinden trotz lutherischen Widerstands.
6. Unterwegs zur Union: Abschließend wird die Entwicklung bis zum Ende des 18. Jahrhunderts und die schrittweise Transformation zum konfessionellen Unionierten Preußen beschrieben.
Calvinismus, Preußen, Kirchengeschichte, Luthertum, Kurfürsten, Reformation, Konfessionalisierung, Toleranz, Burgkirche, Adelseliten, Staatsbildung, Glaubensflüchtlinge, Brandenburg, Glaubensgespräche, Religionspolitik.
Die Arbeit behandelt die Geschichte und Entwicklung des Calvinismus im Herzogtum Preußen im 17. und 18. Jahrhundert.
Die Schwerpunkte liegen auf der Kirchenpolitik der brandenburgischen Kurfürsten, der Integration reformierter Einwanderer und dem Spannungsfeld zwischen lutherischer Mehrheit und reformierter Minderheit.
Es wird untersucht, wie der Calvinismus trotz des lutherischen Charakters des Staates Fuß fassen konnte und welche Rolle religiöse Überzeugung sowie staatliche Realpolitik dabei spielten.
Der Autor nutzt einen historisch-analytischen Ansatz, der kirchenhistorische Quellen, Biographien, architekturhistorische Zeugnisse und zeitgenössische politische Dokumente kombiniert.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Regierungszeiten verschiedener Kurfürsten und deren kirchenpolitische Herausforderungen sowie die Rolle adliger Familien und Architekten bei der Etablierung calvinistischer Institutionen.
Zu den zentralen Begriffen gehören Calvinismus, Konfessionalisierung, Preußen, Kirchenpolitik, Toleranz und der Prozess der konfessionellen Union.
Die Burgkirche war das architektonische und religiöse Zentrum der reformierten Gemeinde in Königsberg und demonstrierte durch ihre Bauform die bewusste Anlehnung an niederländische Vorbilder.
Die lutherische Mehrheit und der Landadel betrachteten den Calvinismus vielfach als „sektiererisch“ und leisteten Widerstand, was die Kurfürsten zu einer Politik der Schadensbegrenzung und Kompromissfindung zwang.
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