Bachelorarbeit, 2009
48 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. „Reformatio“ – zur Begriffsgeschichte
2.1. Profane Entstehung
2.2. Biblischer und patristischer Sprachgebrauch
2.3. ‚Reformatio’ im Früh- und Hochmittelalter
2.4. Theoretische Überlegungen zur Reformatio im Spätmittelalter
3. Das Große Abendländische Schisma und der Konziliarismus
4. Die De Squaloribus Curiae Romane des Matthäus von Krakau
4.1. Reformvorstellungen in De Squaloribus Curiae Romane
4.2. Matthäus‘ Kritik am Pfründensystem
5. Das Konzil von Pisa
5.1. Weg zum Konzil und Verlauf
5.2. Reformarbeit auf dem Konzil von Pisa
6. Das Konzil von Konstanz
6.1. Weg zum Konzil und Verlauf
6.2. Union oder Kirchenreform?
6.3. Die Reformarbeit des Konstanzer Konzils
6.3.1. Haec Sancta
6.3.2. Frequens
6.4. Die Verurteilungen von Wyclif und Hus
7. Das Konzil von Pavia/Siena
7.1. Weg zum Konzil und Verlauf
7.2. Reformprozesse in Pavia/Siena
8. Das Konzil von Basel
8.1. Weg zum Konzil und Verlauf
8.2. Reformarbeit in Basel
8.2.1 De annatis
8.2.1.1. Die Annaten als Thema der Kirchenreform
8.2.1.2. Das Basler Dekret
8.2.2. Das Konzil von Basel als Zentrale der Ordensreform
9. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Reformverständnis des 15. Jahrhunderts sowie die Umsetzung dieser Reformbestrebungen auf den sogenannten Reformkonzilien des Spätmittelalters. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie der Begriff der „Reformatio“ zu dieser Zeit interpretiert wurde und warum die angestrebten Reformen trotz teils radikaler Ansätze in der Praxis häufig nur bescheidene Ergebnisse erzielten.
Die De Squaloribus Curiae Romane des Matthäus von Krakau
Matthäus beschreibt die Praxis der römischen Kurie aus einem sehr intimen Blickwinkel und kritisiert sie scharf. Er beginnt seine Schrift mit folgenden Worten:
Moses, der Heilige und Freund der Einsamkeit, ging hinein ins Innere der Wüste, um Einblick in inneres Betrachten zu erhalten; dort hatte er eine große Vision; die in ihrer Wunderhaftigkeit sein Herz zu außerordentlichem Staunen brachte; denn es brannte ein Dornbusch, wurde aber nicht verzehrt. Ich aber, ein Sünder und Weggefährte der Masse, […] ich sehe oder zumindest glaube ich, eine weit erstaunlichere Vision zu sehen: Die Geistlichkeit, der kirchliche Stand, befindet sich in so schlimmer, so wichtiger Zeit, gleichsam im schlimmem Feuer, […] sie brennt unaufhörlich, und dennoch vergeht sie nicht gänzlich, sondern wird in ihrem Wesen bewahrt. Jenes war ein Wunder, doch dies ist noch wundersamer; denn mochte jenes auch über die Kräfte der Natur gehen: Es widersprach dort nichts der wunderwirkenden Gnade Gottes.
Zunächst erstaunt: Matthäus liest im brennenden Dornbusch keine göttliche Epiphanie, sondern ein die Naturgesetze übersteigendes Wunder. Mit diesem Wunder vergleicht er auf dem Höhepunkt des Avignon Schismas den Zustand der Amtskirche. Sie ist von Laster und Sünde durchsetzt und besteht allein durch die Gnade Gottes weiter. Die Zerfallserscheinungen sind so zahlreich, dass ohne göttliche Mithilfe weder Bestand noch Rettung möglich wäre. Das lässt bereits einige Schlüsse über das Reformverständnis des Matthäus‘ von Krakau zu: Reform ist ganz im paulinischen Sinne nicht möglich ohne eine Hilfe Gottes.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Reformdiskurses im 15. Jahrhundert ein und stellt die Relevanz der Reformkonzilien sowie der damaligen Reformbedürftigkeit dar.
2. „Reformatio“ – zur Begriffsgeschichte: Hier wird die etymologische und theologische Entwicklung des Begriffs von der Antike bis zum Spätmittelalter nachgezeichnet, wobei der Fokus auf der Vorstellung von Rückkehr und Besserung liegt.
3. Das Große Abendländische Schisma und der Konziliarismus: Dieses Kapitel erläutert den historischen Hintergrund der Kirchenspaltung und die Entstehung der konziliaren Theorie als Lösungsansatz für die Machtfrage in der Kirche.
4. Die De Squaloribus Curiae Romane des Matthäus von Krakau: Die Analyse dieser einflussreichen Schrift zeigt, wie Kritik am kurialen Finanzwesen und Pfründensystem als Ausgangspunkt für weitergehende Reformforderungen diente.
5. Das Konzil von Pisa: Hier wird der erste Versuch einer „Via concilii“ zur Überwindung des Schismas und die damit verbundene, eher begrenzte Reformarbeit untersucht.
6. Das Konzil von Konstanz: Dieses zentrale Kapitel behandelt die Bemühungen zur Beendigung des Schismas, die Dekrete „Haec Sancta“ und „Frequens“ sowie die radikale Auseinandersetzung mit der Häresie von Wyclif und Hus.
7. Das Konzil von Pavia/Siena: Es wird analysiert, wie politische Spannungen und die Pest den frühen Abbruch dieses Konzils erzwangen und welche Auswirkungen dies auf die Reformbemühungen hatte.
8. Das Konzil von Basel: Abschließend wird die intensive Reformdebatte in Basel, insbesondere die Diskussion um die Annaten und die Ordensreform, sowie das spätere Scheitern der konziliaren Bewegung dargestellt.
9. Fazit: Die Zusammenfassung bewertet die Reformergebnisse der Konzilien als weitgehend bescheiden und analysiert die Ursachen für das Scheitern der angestrebten grundlegenden Kirchenerneuerung.
Reformatio, Kirchenreform, Spätmittelalter, Konzil, Konziliarismus, Schisma, Kurie, Annaten, Pfründensystem, Haec Sancta, Frequens, Papsttum, Ordensreform, Häresie, Ecclesia
Die Bachelorarbeit befasst sich mit dem Reformdiskurs des 15. Jahrhunderts und untersucht, wie die damaligen Konzilien versuchten, die Kirche zu reformieren und das Große Abendländische Schisma zu überwinden.
Die zentralen Felder umfassen die Begriffsgeschichte von „Reformatio“, die Theorie des Konziliarismus, die Kritik am kirchlichen Finanzwesen sowie die tatsächliche Reformarbeit der Konzilien von Pisa, Konstanz, Siena und Basel.
Ziel ist es, das Reformverständnis des 15. Jahrhunderts aufzudecken und zu ergründen, warum die Reformbemühungen trotz des Bewusstseins für Missstände in der historischen Rückschau als weitgehend „bescheiden“ oder unzureichend bewertet werden.
Der Autor führt eine chronologische Analyse der Konzilien durch und stützt sich dabei auf die Untersuchung zeitgenössischer Dokumente, Reformschriften und Konzilsdekrete, die in einen theologischen und historischen Kontext gesetzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit einzelnen Reformschriften (wie der von Matthäus von Krakau) und eine Untersuchung der großen Reformkonzilien, wobei insbesondere die rechtliche Bindung des Papstes an das Konzil und Reformen im Finanzsektor beleuchtet werden.
Wichtige Begriffe sind Reformatio, Konziliarismus, Kirchenreform, Schisma, Pfründensystem und die spezifischen Konzilsdekrete wie Haec Sancta und Frequens.
Das kirchliche Finanzwesen, insbesondere die Annaten, war ein Hauptkritikpunkt. Die Forderung nach einer Reform des Finanzsystems war oft eng mit der Kritik an korrupten Strukturen in der Kurie verknüpft, wobei dies jedoch häufig an den wirtschaftlichen Interessen der Beteiligten scheiterte.
Es etablierte mit Dekreten wie Haec Sancta die Lehre, dass das Konzil als Vertretung der Gesamtkirche eine höchste Autorität darstellt, die sogar über dem Papst stehen kann, um die Einheit der Kirche zu bewahren.
Das Scheitern wird durch die Identität von Reformern und Reformprofiteuren, unklare Kompetenzen, tief verwurzelte Strukturen und das Fehlen eines ernsthaften Willens zu radikalen, grundlegenden Veränderungen erklärt.
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