Magisterarbeit, 2010
203 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Film und Video: Objekte und Träger
3. Vom Musikclip zum Film – Standpunkte der beiden Regisseure
4. Annäherung an den Musikclip
5. “film-making is film-making.” – Schnittstellen zwischen Musikclip und Film
5.1. Mise en scène
5.1.1. Rahmen und Bewegung
5.1.2. “The message is the style”
5.1.3. Erzählkino und Musikclip-Stil
5.1.4. Ersatz gestriger Ideale der Musikclips
5.2. Montage
5.2.1. „Suche mit offenem Ausgang“ – Situationsabstraktive Montage
5.2.2. Betrachtung der Filme
5.2.3. „Wir wollten Videos wie kleine Filme machen“: Segmentieren zu einem narrativem Ganzen
5.2.4. Musikclipbetrachtung
5.3. Figuren
5.3.1. Im Zentrum der Aufmerksamkeit? – Stars und Nicht-Stars in Musik- und Filmbranche
5.3.2. Bedeutung, Blick, Aussehen – Austauschbarkeit der Figurentypen
5.3.3. Körper in Bewegung – die Performance
5.3.4. Filmische und musikalische Performance im Wechselspiel
6. Fazit und Vorausschau
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Feld der Musikclipstudien filmwissenschaftlich zu erweitern, indem sie die Werke von Regisseuren fokussiert, die sowohl Musikclips als auch Filme produzieren. Ausgehend von der Forschungsfrage nach den Wechselbeziehungen und Schnittstellen zwischen diesen beiden audiovisuellen Medien bei den Regisseuren John Maybury und Garth Jennings, analysiert die Arbeit die spezifische Gestaltung und mediale Beschaffenheit dieser Werke.
3. Vom Musikclip zum Film – Standpunkte der beiden Regisseure
Der Musikclip genießt kein hohes Ansehen. Wenn sich selbst Regisseur Maybury als Gast auf einem Experimentalfilmfestival unangenehm berührt fühlt, weil jene Künstler in kostspieligerer Technik eine Minderung der Qualität sehen, dann verwundern Vorwürfe der Oberflächlichkeit oder des „Ausbeuten[s] ingeniöser Pionierarbeit durch die Industrie“ nicht. Maybury meint 1993 – noch nach seinem Erfolg mit Nothing compares to you – dass er auf Musikclips herabschaut. Für ihn scheinen sie stets ein Mittel zum Zweck gewesen zu sein, was sich ebenfalls an Mayburys Werdegang ablesen lässt. Mit kommerziellen Clipproduktionen konnte er seine eigentlichen Arbeiten, die gesellschaftskritischen Super-8-Projekte finanzieren. Trotzdessen erkannte er nach dem Clipdreh mit Sinéad O’Connor, dass ein Musikclip nicht immer sinnentleerte Bilder enthalten muss und für seine Zwecke der Provokation durchaus tragfähig war. Das Prinzip entwickelte sich für Maybury zu einem guten Geschäft, denn „der kommerzielle Erfolg [liegt] in der Differenz“. Der homosexuelle Regisseur testete unter der schwulenfeindlichen Regierung Margaret Thatchers seine Grenzen bis hin zur Zensur und konnte mit jenem Aufsehen und damit verbundenem Aufschwung in seiner Karriere ein Fundament für künftige, eigene Filmproduktionen schaffen. Durch seine Spezialisierung auf Filme unter Ausschluss des Clipdrehs scheint es heute, als hätte er diese Vorgeschichte lediglich als Sprungbrett genutzt.
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die mangelnde filmwissenschaftliche Anerkennung des Musikclips und setzt sich zum Ziel, durch die Analyse spezifischer Regisseur-Werke Lücken in der Forschung zu schließen.
2. Film und Video: Objekte und Träger: Dieses Kapitel widmet sich der begrifflichen und technischen Differenzierung zwischen Film und Musikclip/Video unter Anwendung bildtheoretischer Ansätze.
3. Vom Musikclip zum Film – Standpunkte der beiden Regisseure: Es wird die Arbeitsmotivation der Regisseure Maybury und Jennings untersucht, wobei der Musikclip bei Maybury als finanzielle Basis und bei Jennings als kreatives Sprungbrett betrachtet wird.
4. Annäherung an den Musikclip: Eine Übersicht über bestehende Studien und verschiedene filmwissenschaftliche Ansätze zur Kategorisierung und Analyse des Musikclips.
5. “film-making is film-making.” – Schnittstellen zwischen Musikclip und Film: Der Hauptteil analysiert detailliert die Schnittstellen in Mise en scène, Montage und Figurenführung anhand ausgewählter Fallbeispiele.
5.1. Mise en scène: Analyse bildkompositorischer Indikatoren wie Rahmen, Bewegung, Licht und Setting in Relation zum jeweiligen Trägermedium.
5.1.1. Rahmen und Bewegung: Untersuchung der spezifischen technischen Aufzeichnungsmethoden und der Bildgrößen in Musikclips und Filmen.
5.1.2. “The message is the style”: Auseinandersetzung mit der ikonischen Ebene, der Farbgestaltung und der Bedeutung von Objekten in der Bildkomposition.
5.1.3. Erzählkino und Musikclip-Stil: Untersuchung narrativer versus rein darstellender Elemente und ihrer Funktion im Kontext der Raumdarstellung.
5.1.4. Ersatz gestriger Ideale der Musikclips: Analyse von Momenten, die von der typischen Musikclip-Bildkomposition abweichen und filmische Qualitäten aufweisen.
5.2. Montage: Untersuchung der Montage als organisierendes Mittel für Sinnbildung und Rhythmus in Film und Clip.
5.2.1. „Suche mit offenem Ausgang“ – Situationsabstraktive Montage: Behandlung der Montage als Mittel zur Erzeugung von Zeitlosigkeit und Allgegenwärtigkeit.
5.2.2. Betrachtung der Filme: Analyse spezifischer Sequenzen in den Filmen der Regisseure, die durch ihre Montage an die Ästhetik von Musikclips erinnern.
5.2.3. „Wir wollten Videos wie kleine Filme machen“: Segmentieren zu einem narrativem Ganzen: Diskussion über Narration, Suture und Continuity-System in Clips und Filmen.
5.2.4. Musikclipbetrachtung: Zusammenfassende Betrachtung der Montageformen in den Musikclips und deren filmische Analoga.
5.3. Figuren: Analyse der Figurendarstellung unter besonderer Berücksichtigung des Starbegriffs und der Performance.
5.3.1. Im Zentrum der Aufmerksamkeit? – Stars und Nicht-Stars in Musik- und Filmbranche: Diskussion über die Inszenierung von Stars und ihre Aura im Vergleich zwischen Film und Musikvideo.
5.3.2. Bedeutung, Blick, Aussehen – Austauschbarkeit der Figurentypen: Untersuchung der Figurentypen und deren Interaktion mit dem Zuschauer über den direkten Blick.
5.3.3. Körper in Bewegung – die Performance: Analyse der körperlichen Performance als konstruierte Repräsentation und kommunikativer Akt.
5.3.4. Filmische und musikalische Performance im Wechselspiel: Vergleich der performativen Darbietung von Musik und Rollenspiel in beiden Medienformaten.
6. Fazit und Vorausschau: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der identifizierten Schnittstellen und ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Wechselbeziehung zwischen Musikclip und Film.
Musikclip, Filmwissenschaft, Schnittstellen, John Maybury, Garth Jennings, Mise en scène, Montage, Star-Inszenierung, Performance, Medialität, Erzählkino, Ikonizität, Bildkomposition, Suture, Zuschauerkommunikation.
Die Magisterarbeit untersucht die technischen und ästhetischen Schnittstellen zwischen dem Musikclip und dem zeitgenössischen britischen Film anhand der Werke der Regisseure John Maybury und Garth Jennings.
Die zentralen Felder sind die bildanalytische Untersuchung von Mise en scène, Montagetechniken und die spezifische Figurendarstellung in beiden audiovisuellen Formaten.
Das Ziel ist es, Lücken in der bisherigen Musikclipforschung zu schließen, indem die Werke von Regisseuren, die in beiden Medien arbeiten, filmwissenschaftlich fundiert analysiert werden, um deren gegenseitige Beeinflussung aufzuzeigen.
Die Autorin verwendet eine vergleichende filmanalytische Methode, die sich an klassischen Begriffen der Filmtheorie (wie Husserl, Bazin, Schumm, Bordwell/Thompson) orientiert und diese auf den Musikclip anwendet.
Der Hauptteil analysiert die drei Kernbereiche Mise en scène, Montage und Figuren, in denen der gewählte Korpus von Filmen und Clips auf ihre stilistischen und strukturellen Gemeinsamkeiten hin untersucht wird.
Zu den zentralen Begriffen gehören Musikclip, Schnittstellen, Bildmedialität, Montageform, Star-Inszenierung und Performance.
Sie ist grundlegend, um die unterschiedlichen Produktionsweisen und ästhetischen Konnotationen (z.B. Materialität des Bildes) zu verstehen, bevor deren Vermischung in den untersuchten Werken analysiert werden kann.
Während Maybury seine Figuren eher in klassischer, glamouröser Manier inszeniert, integriert Jennings oft eine Spur von Humor und Karikatur in seine Figurengestaltung.
Die Suture beschreibt Verfahren, mit denen der Zuschauer in die diegetische Welt eingebunden wird, was in den untersuchten Musikclips durch bewusste Kameraführung und Schnittfolgen als Gestaltungselement genutzt wird.
Die Montage bildet das organisationale Gerüst; während das klassische Erzählkino auf eine unsichtbare, narrative Montage setzt, nutzen viele Musikclips eine eher situationsabstraktive Montage, wobei die Arbeit zeigt, dass diese Grenze in den untersuchten Filmen zunehmend verschwimmt.
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