Magisterarbeit, 2011
115 Seiten
1 Einleitung
2 Forschungsstand
2.1 Begriffsgeschichtliche Herleitung von Hochbegabung
2.2 Abweichendes Verhalten in der Gesellschaft
2.2.1 Die Entstehung eines gesellschaftlichen Regulativs nach Norbert Elias
2.2.2 Der Normalitätsdispositiv als modernes Kontrollinstrumentarium sozialen Verhaltens
2.2.3 Subjekte im Dreieck Kultur – Identität – Macht
2.3 Kindheitsforschung
2.3.1 „Das Drama des begabten Kindes“
2.3.2 Aktuelle Kindheitskonzepte
3 Erkenntnisinteresse
3.1 Die Bedeutung der Hochbegabtenthematik für gesellschaftliche Zusammenhänge
3.2 Fragestellung und Hypothesen
4 Methodisches Vorgehen
4.1 Foucault: Die Machtwirkung der Diskurse auf das Subjekt
4.2 Foucault als Wegbereiter von Diskursanalysen
4.3 Diskursanalyse nach Siegfried Jäger
4.3.1 Zweck
4.3.2 Vorgehensweise
4.3.2.1 Ermittlung des diskursiven Kontexts
4.3.2.2 Auswahl des Materials
4.3.2.3 Strukturanalyse
4.3.2.4 Diskursverschränkungen
5 Diskursanalyse
5.1 Öffentlicher Diskurs über Hochbegabung = Interdiskurs
5.1.1 Ebene der Wissensgenerierung
5.1.1.1 Von Wunderkindern zu hochbegabten Kindern
5.1.1.2 Diagnostik
5.1.1.3 Hochbegabung als Abweichung von der Norm?
5.1.1.4 Abgrenzung zu krankheitswertigen Störungsbildern
5.1.1.5 Fazit
5.1.2 Bildungspolitische Diskursebene
5.1.2.1 Die Entwicklung eines Notstands
5.1.2.2 Die Sechste Weltkonferenz für das hochbegabte Kind und die Folgen
5.1.2.3 Die PISA-Krise 2001 und die Folgen
5.1.2.4 Fazit
5.1.3 Mediale Diskursebene
5.1.3.1 Wie die Medien auf Hochbegabte kamen
5.1.3.2 Was die Medien über Hochbegabte sagen
5.1.3.3 Fazit
5.2 Binnendiskurs über Hochbegabung = Spezialdiskurs
5.2.1 Pädagogische Diskursebene
5.2.1.1 Die Adressaten pädagogischen Wissens
5.2.1.2 Spezifische Wissenstransformation
5.2.1.3 Fazit
5.2.2 Ebene der hochbegabten Subjekte – Analyse zweier Hochbegabten-Foren im Internet
5.2.2.1 Internetforen als kulturwissenschaftliche Forschungsräume
5.2.2.2 Hochbegabte Kindheit im Diskurs der hochbegabten Subjekte
5.2.2.3 Fazit
5.3 Diskursverschränkungen
5.3.1 Fallbeispiel: Wie Hochbegabte in den Medien von hochbegabten Subjekten thematisiert werden
5.3.2 Zusammenfassung der Diskursverschränkungen
5.3.2.1 Diskursebenenverschränkungen
5.3.2.2 Diskursstrangverschränkungen
6 Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftliche Thematisierung hochbegabter Kinder vor dem Hintergrund moderner Kindheitskonzepte und analysiert, wie Hochbegabung diskursiv als Konstrukt hervorgebracht wird. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Wie kann Hochbegabung im Kontext aktueller kindheitstheoretischer Konzepte diskursiv gefasst werden?“
2.2.1 Die Entstehung eines gesellschaftlichen Regulativs nach Norbert Elias
Der Soziologe Norbert Elias ging in den 1960er Jahren der Genese zivilisierter Gesellschaften und ihrer Aufrechterhaltung nach und fand sie in der Fähigkeit des Menschen zur Selbstregulation beantwortet. In zwei Bänden skizzierte er den Wandel der höfischen Gesellschaften des Mittelalters zur Staatenbildung der Neuzeit. Die dafür zugrunde liegenden Verhaltensänderungen ergaben sich zwangsläufig im Gefolge der wechselseitigen Abhängigkeiten der am Hofe Bediensteten. „Der Zwang zum Selbstzwang“, wie Elias anführte, sei zur gesellschaftlichen Notwendigkeit geworden. Zivilisation charakterisierte Elias entsprechend:
„Sie wird blind in Gang gesetzt und in Gang gehalten durch die Eigendynamik eines Beziehungsgeflechts, durch spezifische Veränderungen der Art, in der die Menschen miteinander zu leben gehalten sind.“
Eine Gesellschaft, die sich selbst reguliert, braucht keine Fremdregulation mehr, da gegenseitige Kontrolle der Gesellschaftsmitglieder zur Einhaltung der gesellschaftlichen Regeln beiträgt. Ein Übertreten von Grenzen wird mit körpereigener Scham bestraft und daher als Angst vor der Scham gemieden. Auf diese Weise ist soziale Anpassung gewährleistet.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die vielfältigen gesellschaftlichen Assoziationen mit Hochbegabung und formuliert das Ziel, die Thematisierung dieses Phänomens kulturwissenschaftlich einzuordnen.
2 Forschungsstand: Das Kapitel bietet eine historisch-psychologische Herleitung des Hochbegabungsbegriffs und diskutiert Konzepte abweichenden Verhaltens sowie moderne Kindheitsforschung.
3 Erkenntnisinteresse: Hier wird die Relevanz der Hochbegabtenthematik für Machtstrukturen dargelegt und die Forschungsfrage in drei Hypothesen unterteilt.
4 Methodisches Vorgehen: Das Kapitel führt in Foucaults Diskurstheorie sowie die Kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger ein und erläutert die methodische Anwendung auf das Material.
5 Diskursanalyse: Der Hauptteil untersucht detailliert bildungspolitische, mediale und pädagogische Diskurse sowie die Binnensicht Betroffener in Internetforen.
6 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse der Diskursanalyse zusammen und beantwortet die eingangs aufgestellten Hypothesen hinsichtlich der gesellschaftlichen Erwünschtheit von Hochbegabten.
Hochbegabung, Diskursanalyse, Wissensgesellschaft, Normalisierung, Macht, Kindheit, Pädagogik, Identität, Wissensgenerierung, Bildungspolitik, Kulturwissenschaften, Diskursverschränkung, Subjektivierung, Normalismus.
Die Arbeit untersucht, wie Hochbegabung in der modernen Wissensgesellschaft diskursiv konstruiert und gesellschaftlich verhandelt wird.
Die Schwerpunkte liegen auf der Normalisierung von Verhalten, der Bedeutung von Macht in Diskursen und der kindheitstheoretischen Einbettung hochbegabter Subjekte.
Die zentrale Frage ist, wie Hochbegabung im Kontext aktueller, kindheitstheoretischer Konzepte diskursiv gefasst werden kann.
Die Arbeit basiert auf der Kritischen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger unter Einbeziehung der machttheoretischen Ansätze von Michel Foucault.
Der Hauptteil analysiert die Diskursebenen – von der psychologischen Wissensgenerierung über bildungspolitische Weichenstellungen bis hin zu medialen Darstellungen und den Selbstbeschreibungen Hochbegabter in Internetforen.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Hochbegabung, Normalisierung, Dispositiv, Diskursanalyse und Macht.
Die Bildungspolitik instrumentalisierte das Thema Hochbegabung insbesondere nach der PISA-Krise 2001, um Bildung als Humankapital und Wettbewerbsvorteil zu etablieren.
In Internetforen zeigt sich, dass sich Hochbegabte häufig am psychologischen Normalisierungsdiskurs orientieren, wobei auch Forderungen nach individueller Förderung eine zentrale Rolle spielen.
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