Magisterarbeit, 2011
97 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Film als Zeichensystem
2.2 Das Dokumentarische
2.2.1 Dokumentarfilm definiert?
2.2.2 Die Realitätsbezüge des Dokumentarfilms
2.2.3 Der Realitätseindruck im Film
2.2.4 Authentizität und Dokumentarfilm
2.2.4.1 Authentizitätssignale und –strategien im Dokumentarfilm
2.2.4.2 Die dokumentarisierende Lektüre
2.2.5 Inszenierung von Authentizität durch digitale Formate
2.2.6 Zwischenfazit
2.3 Der Animationsfilm
2.3.1 Was ist Animation? – Versuch einer Definition
2.3.2 Die Geschichte des Animationsfilms
2.3.2.1 Die Anfänge des Animationsfilms
2.3.2.2 „Illusion of life“ – Das Monopol Walt Disney
2.3.2.3 Trickfilm nur für Kinder?
2.3.2.4 Trickfilm/ Filmtrick – neue digitale Möglichkeiten
2.3.3 Der Animationsfilm als Hilfsmittel bei der filmischen Vermittlung von Informationen
3. Das Dokumentarische im Animationsfilm am Beispiel von Vincent Paronnauds und Marjane Satrapis Persepolis (2007) und Ari Folmans Waltz with Bashir (2008)
3.1 Vincent Paronnauds und Marjane Satrapis Persepolis (2007)
3.1.1 Persepolis und der Iran
3.1.2 Das Leben in Schwarzweiß – Ästhetik und Machart des Films
3.2 Ari Folmans Waltz with Bashir (2008)
3.2.1 Shoot & Cry – der Libanonkrieg im israelischen Kino
3.2.2 Nachgezeichnete Wirklichkeit?
3.2.3 Exkurs: Die Comic-Reportage oder Art Spiegelmans Maus. Die Geschichte eines Überlebenden.
3.3 Autobiografie und Erinnerung
3.3.1 „Alles in meinem Film geschah wirklich.“ – Der subjektive Zugang
3.3.2 „Ich vergesse es bestimmt nicht“– Erinnerung visualisiert
3.4 Referenz und Realität
3.4.1 Vertrauen ins Bild - Das fotografische vs. das gezeichnete Bild
3.4.2 Das Irreale - Die spezifischen Möglichkeiten des Animationsfilms
3.5 Authentizitätssignale und -strategien
3.5.1 Wie im Märchen oder Traum? – der Vor- und Abspann
3.5.2 Der Erzähler als ernstzunehmende Äußerungsinstanz
3.5.3 Das Interview und der Dokumentarfilm
3.5.4 Die dokumentarische Kamera im Animationsfilm
3.5.5 Von der Wahrheit der Töne im Animationsfilm
4. Der animierte Dokumentarfilm - Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erweiterung dokumentarischer Darstellungsmöglichkeiten durch den Einsatz der Animation, insbesondere am Beispiel der Filme Persepolis (2007) und Waltz with Bashir (2008). Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, inwieweit das Genre der Animation dokumentarische Strategien und Authentizitätsansprüche integrieren kann und welche neuen künstlerischen Ausdrucksformen sich daraus für die visuelle Vermittlung von Erinnerung und historischer Realität ergeben.
2.2.4 Authentizität und Dokumentarfilm
In der Rezeption eines Filmes werden Bilder und Töne nach Kriterien wie echt - falsch oder authentisch – inszeniert untersucht. Authentizität und Inszenierung werden dabei zunächst als ein sich ausschließendes Gegensatzpaar oder als jedenfalls spannungsreiche Konzepte erfasst. Inszenierung wird dabei verstanden als eine Vorstellung eines absichtsvollen Handelns, das seine Effekte gegenüber einem Publikum ins Kalkül zieht. Authentizität scheint dagegen aus sich heraus zu bestehen. Authentizität im Dokumentarfilm wird daher als eine anzusteuernde Norm verstanden, die meistens positiv besetzt ist und in ihren Bezügen und in ihrem Umfeld eröffnet sich ein ausgedehntes Assoziationsfeld von Begrifflichkeiten wie Echtheit, Natürlichkeit, Ursprünglichkeit bis zu Unmittelbarkeit, Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Nichtfiktionale Texte erheben einen Wahrheitsanspruch im Gegensatz zu fiktionalen Texten. „Authentisch“ lässt sich etymologisch mit verbürgt, zuverlässig, eigenhändig oder echt übersetzen.
Für den Film, insbesondere für den Dokumentarfilm, werden nun zwei Möglichkeiten einer Begriffsdefinition für Authentizität vorgestellt: (1) ‚Authentisch‘ bezeichnet die objektive „Echtheit“ eines der filmischen Abbildung zugrundeliegenden Ereignisses. Mit dem Verbürgen eines Vorfalls als authentisch wird impliziert, daß eine Sache sich so ereignet hat, ohne daß die filmische Aufnahme den Prozeß beeinflußt hätte. Die Authentizität liegt in der Quelle begründet.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den aktuellen Aufschwung des Dokumentarfilms in der zeitgenössischen Kunst und im Kino dar und führt in die Fragestellung ein, ob und wie der Animationsfilm als dokumentarisches Medium fungieren kann.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erarbeitet das methodische Rüstzeug durch die Definition von Film als Zeichensystem sowie eine tiefgehende Analyse der Begriffe Dokumentarfilm, Animationsfilm und Authentizität.
3. Das Dokumentarische im Animationsfilm am Beispiel von Vincent Paronnauds und Marjane Satrapis Persepolis (2007) und Ari Folmans Waltz with Bashir (2008): Der Hauptteil untersucht exemplarisch an den beiden Filmen, wie Animation für autobiografische Erzählungen und die Visualisierung von Erinnerungsprozessen eingesetzt wird und welche Authentizitätssignale dabei zum Tragen kommen.
4. Der animierte Dokumentarfilm - Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit bündelt die Erkenntnisse der Untersuchung und kommt zu dem Schluss, dass der animierte Dokumentarfilm eine eigenständige, performative Ausdrucksform darstellt, die durch die Verknüpfung von Subjektivität und künstlerischer Freiheit neue Wege der Darstellung sozialer Realität eröffnet.
Dokumentarfilm, Animationsfilm, Authentizität, Persepolis, Waltz with Bashir, Erinnerung, Autofiktion, Realität, Zeichensystem, Semiotik, digitale Animation, visuelle Repräsentation, Filmgeschichte, Dokumentarisierende Lektüre, Performativer Dokumentarfilm.
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Verbindung von dokumentarischen Inhalten mit den Möglichkeiten des Animationsfilms, wobei der Schwerpunkt auf den Filmen Persepolis und Waltz with Bashir liegt.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Film und Realität, die Rolle der Autobiografie und Erinnerung in dokumentarischen Formaten sowie die Frage nach Authentizität durch filmische Gestaltungsmittel.
Die Arbeit möchte aufzeigen, ob und wie sich das Spektrum dokumentarischer Darstellungsmittel durch die Animation erweitert, um komplexe Themen wie persönliche Erinnerungen in einer Weise darzustellen, die im klassischen Realfilm nicht möglich wäre.
Es erfolgt eine medienwissenschaftliche Analyse auf Basis semiotischer Modelle, filmtheoretischer Authentizitätsdiskurse sowie der Untersuchung filmimmanenter Strategien und Rezeptionsmodi.
Der Hauptteil analysiert die zwei exemplarischen Filme Persepolis und Waltz with Bashir hinsichtlich ihres subjektiven Zugangs, des Einsatzes von Musik und Kameraarbeit sowie der Inszenierung von Erinnerung als ein strukturbildendes Element.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Dokumentarfilm, Animationsfilm, Authentizität, Erinnerung, Autofiktion und mediale Konstruktion der Realität charakterisieren.
Während der klassische Dokumentarfilm auf der Aufzeichnung einer vorfilmischen Realität basiert, nutzt der Animationsfilm die Abstraktion und die subjektive Gestaltung, um eine „innere“ oder interpretierte Wahrheit darzustellen, die nicht an die physikalische Objektivität der Kamera gebunden ist.
Die dokumentarisierende Lektüre ist ein Rezeptionsmodus: Wenn der Zuschauer einen Film als dokumentarisch einordnet – etwa durch entsprechende Anweisungen im Film oder das Vertrauen in den Erzähler –, kann er diesen ungeachtet der filmischen Mittel (Animation vs. Realaufnahme) als Dokumentation wahrnehmen.
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