Diplomarbeit, 2009
75 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Drogen
2.2. Sucht und Abhängigkeit
2.2.1. Abhängigkeitsdefinition nach ICD 10
2.2.2. Drogenabhängigkeit als Krankheit
2.2.3. Ursachen von Drogenabhängigkeit
2.3. Niedrigschwellige akzeptanzorientierte Drogenarbeit?
3. Drogenpolitik – Drogenhilfe – Gesellschaft
3.1. Die Entwicklungen in der Drogenpolitik
3.1.1. Die historischen internationalen Entwicklungen als Ursprünge der nationalen Prohibitionspolitik
3.1.2. Der Umgang mit psychoaktiven Substanzen in Deutschland vor dem Opiumgesetz
3.1.3. Die Einführung des deutschen Opiumgesetzes
3.1.4. Vom Opiumgesetz zum Betäubungsmittelgesetz
3.2. Strukturen der gegenwärtigen Drogenpolitik
3.2.1. Aktive und reaktive Drogenkontrolle
3.2.2. Hauptstrategien der Drogenpolitik
3.3. Veränderungen in der Drogenhilfe
3.3.1. Suchtkrankenhilfe und Psychiatrie
3.3.2. Die Anfänge der Drogenarbeit – die Release-Bewegung
3.3.3. Die Professionalisierung und Institutionalisierung der Drogenhilfe
3.4. Drogenkonsumenten im öffentlichen Raum
4. Niedrigschwellige Drogenarbeit
4.1. Die Entstehung der akzeptanzorientierter Drogenarbeit
4.2. Prämissen, Zielsetzungen und Methoden
4.3. Angebote und Einrichtungen der niedrigschwelligen Drogenarbeit
4.4. Exkurs: Heroinvergabe
4.5. Die ordnungspolitische Dimension der niedrigschwelligen Drogenarbeit
5. Zur Bilanz niedrigschwelliger Drogenarbeit
5.1. Ökonomisierungstendenzen und Qualitätssicherung
5.2. Schadensminimierende Wirksamkeit niedrigschwelliger Angebote
5.3. Inanspruchnahme des niedrigschwelligen Hilfesystems
5.4. Grenzen und Defizite der niedrigschwelliger Drogenarbeit
6. Diskussion
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle professionelle Ausrichtung der niedrigschwelligen Drogenarbeit. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob diese Form der Hilfe Gefahr läuft, lediglich zu einer verwaltenden Instanz der sozialen Not – einer sogenannten "Elendsverwaltung" – zu verkümmern, anstatt substanzielle Hilfe zur Lebensverbesserung zu leisten.
3.1.2. Der Umgang mit psychoaktiven Substanzen in Deutschland vor dem Opiumgesetz
Im 19. Jahrhundert war Deutschland die führende Nation in Forschung und Wissenschaft (vgl. GASTPAR 1996, 37). 1803 gelang es dem Apotheker Friedrich Sertüner ein Alkaloid aus dem Opium zu extrahieren, das er „Morphin“ nannte. Daraufhin brachte das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck & Co 1827 das isolierte Morphin, auch Morphium genannt, als Medikament unter dem Namen „Merck´s Morphine“ auf den Markt (vgl. KÖRNER 2007, 2). Mit der Entwicklung der Injektionsmethode wurde das Morphium bei vielen Erkrankungen und Beschwerden als rasch wirkendes Schmerzmittel eingesetzt. Vor allem verwundete Soldaten wurden mit Morphium behandelt, bei denen sich dann zum Teil ein fortwährendes Verlangen nach dem Morphium einstellte, auch wenn es keine Indikation mehr gab. Dieses Phänomen wurde damals als „Soldatenkrankheit“ bezeichnet, später aber auch als „Morphinismus“, da sich der Gebrauch von Morphium nun auch auf bestimmte bürgerliche Kreise ausweitete. Es waren überwiegend Ärzte, Apotheker und Intellektuelle die Morphium zu Genusszwecken konsumierten.
Im Jahre 1879 wurde die abhängigkeitserzeugende Wirkung des Morphins von Louis Lewin wissenschaftlich nachgewiesen. Mit der Verbreitung des Drogenkonsums stellte man sich auch die Frage nach den Ursachen der Abhängigkeit. Es kamen Erklärungsversuche der Anomalie und der minderwertigen Veranlagung auf, aber auch weniger drastische Sichtweisen, wie beispielsweise als Reaktion auf eine melancholische, moralische Misere (vgl. JUNGBLUT 2004, 39 f.; KÖRNER 2007, 3).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Persistenz des Drogenkonsums und leitet zur zentralen Fragestellung über, ob die niedrigschwellige Drogenarbeit zu einer reinen Elendsverwaltung geworden ist.
2. Definitionen: Dieses Kapitel klärt grundlegende Begriffe wie Drogen, Sucht und Abhängigkeit sowie die fachspezifische Bedeutung von Niedrigschwelligkeit und Akzeptanzorientierung.
3. Drogenpolitik – Drogenhilfe – Gesellschaft: Das Kapitel analysiert die historische Entwicklung der Drogenpolitik von der Prohibition bis zum heutigen Viersäulenmodell und untersucht die Rolle der Psychiatrie und früherer Initiativen wie der Release-Bewegung.
4. Niedrigschwellige Drogenarbeit: Hier werden die Entstehung, die Ziele, Methoden und spezifische Angebote der akzeptanzorientierten Drogenarbeit detailliert beschrieben und ihre ordnungspolitische Funktion reflektiert.
5. Zur Bilanz niedrigschwelliger Drogenarbeit: Das Kapitel zieht eine Bilanz über die Wirksamkeit schadensminimierender Maßnahmen, beleuchtet den aktuellen Ökonomisierungsdruck und diskutiert Grenzen sowie Defizite der Praxis.
6. Diskussion: Das abschließende Kapitel diskutiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Debatten und setzt sich kritisch mit der Gefahr einer zunehmenden Elendsverwaltung auseinander.
niedrigschwellige Drogenarbeit, akzeptanzorientierte Drogenhilfe, Schadensminimierung, Harm Reduction, Sucht, Drogenpolitik, Betäubungsmittelgesetz, Elendsverwaltung, Drogenszene, Konsumräume, Suchtkrankenhilfe, Professionalisierung, Prävention, Substitution, soziale Ausgrenzung.
Die Diplomarbeit untersucht die professionelle Sichtweise auf die niedrigschwellige Drogenarbeit und hinterfragt deren Entwicklung, Wirksamkeit und Rolle innerhalb der gesellschaftlichen sowie drogenpolitischen Rahmenbedingungen.
Die Arbeit behandelt die Genese der Drogenpolitik, die Bedeutung der Schadensminimierung (Harm Reduction), die Entstehung akzeptanzorientierter Ansätze und die Bilanzierung der aktuellen Praxis in der Drogenhilfe.
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die niedrigschwellige Drogenarbeit Gefahr läuft, sich zu einer bloßen "Elendsverwaltung" zu entwickeln, die lediglich soziale Not verwaltet, anstatt echte Lebensperspektiven zu fördern.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender wissenschaftlicher Studien, historischer Entwicklungen und fachwissenschaftlicher Debatten zur Drogenhilfe.
Der Hauptteil erstreckt sich von der Begriffsdefinition über die historische Entwicklung der Verbotspolitik bis hin zur konkreten Analyse von Angeboten wie Konsumräumen, Spritzentauschprogrammen und der Heroinvergabe.
Die zentralen Charakteristika sind Schadensminimierung, akzeptanzorientierte Drogenarbeit, Drogenpolitik und das Spannungsfeld zwischen Hilfeleistung und ordnungspolitischen Anforderungen.
Die Autorin sieht in der niedrigschwelligen Drogenarbeit einerseits ein wichtiges Instrument der Überlebenshilfe, warnt aber gleichzeitig vor einer Degeneration zu einer "Sozialkosmetik", falls ökonomische Anforderungen zu stark in den Vordergrund rücken.
Die Heroinstudie wird als exemplarisches Modellprojekt angeführt, um die Wirksamkeit spezieller medizinisch-therapeutischer Angebote zu verdeutlichen und deren Potenzial sowie deren Grenzen in der politischen Umsetzung zu diskutieren.
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