Diplomarbeit, 1997
294 Seiten, Note: 1,0
Vowort
1. Einleitung
I. Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftssoziologie: Perspektiven für eine integrative Analyse wissenschaftlichen Wissens
2. Entwicklungslinien in der Wissenssoziologie und Wissenschaftssoziologie
2.1 Die Wissenssoziologie von K. Mannheim
2.2 Die funktionalistische Wissenschaftssoziologie von R. K. Merton
2.3 Die anti-positivistische Wende in der Wissenschaftsforschung
2.3.1 T. S. Kuhns Konzept der Wissenschaftsentwicklung
2.3.2 Epistemologische Kritik an T. S. Kuhns Paradigmabegriff
2.4 Die Soziologie wissenschaftlichen Wissens
3. Wissenschaftssoziologie und Wissenschaftsphilosopie: Die Frage nach der Geltung wissenschaftlichen Wissens
4. Ein integrativer Ansatz für die Wissenschaftssoziologie: Soziale und kognitive Faktoren als konstitutive Elemente wissenschaftlichen Wissens
II. Etablierung und Entwicklung eines neuen Paradigma in der Kriminologie: Die kritische Kriminologie und der AJK als scientific community
5. Die soziale Organisation des AJK und ihre Entwicklung von 1969-1996
5.1 Ziele des AJK
5.2 Formalisierung der Eintritts- und Austrittsbedingungen im AJK und seiner differenzierten Binnenstruktur
5.3 Geschäftsführung des AJK
5.4 Redaktion des KrimJ
5.5 Sozialpolitischer Ausschuß des AJK
5.6 Personelle Zusammensetzung des AJK
5.7 Regionale Schwerpunkte im AJK
5.8 Der AJK und seine Beziehungen zur Umwelt
5.8.1 Beziehungen zur Öffentlichkeit
5.8.2 Beziehungen zur Sektion „Soziale Probleme und soziale Kontrolle“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
5.8.3 Beziehungen zur Deutschen Forschungsgemeinschaft
5.8.4 Beziehungen zu anderen kriminologischen Gesellschaften in Deutschland
5.9 Personelle Institutionalisierung an den Lehrstühlen deutscher Universitäten
6. Die Analyse der Entwicklung der sozialen Organisation des AJK in bezug auf seine Funktion als scientific community
7. Das KrimJ als Kommunikationsmedium des AJK
7.1 Intention und Aufbau des KrimJ
7.2 Zwanzig Jahre KrimJ und ein virtuelles Beiheft
7.3 Bibliometrische Analyse zur thematischen Entwicklung der kritischen Kriminologie
7.3.1 Die Untersuchungskonzeption
7.3.2 Themenanalyse des Kriminologischen Journals
7.3.3 Autorenanalyse des Kriminologischen Journals
7.3.4 Auswertung der Datenbank SOLIS zum Schlagwort „labeling approach“
8. Das Theorieprogramm der kritischen Kriminologie und seine Entwicklung von 1969-1996
8.1 Die Krise der traditionellen Kriminologie als konstitutives Element eines neuen Paradigmas in der Kriminologie
8.2 Die Grundpositionen der kritischen Kriminologie Anfang der 70er Jahre
8.2.1 Der negative Konsensus im AJK als Ausgangspunkt einer kritischen Kriminologie: Die Kritik an der traditionellen Kriminolgie
8.2.2 Der fehlende positive Konsensus im AJK: Die kontroverse Konstitution der kritischen Kriminologie in 70er Jahren
8.2.2.1 Die Zuspitzung auf ein „Entweder-Oder“ in der kritischen Kriminologie: Zwei programmatische Versuche der theoretischen Fundierung einer kritischen Kriminologie
8.2.2.1.1 Die „marxistisch-interaktionistische“ Theorie von F. Sack
8.2.2.1.2 Die Kontroverse zwischen F. Sack und K. D. Opp
8.2.2.1.3 Die Grundsatzkritik von D. und H. Peters an der traditionellen Kriminologie aus sozialwissenschaftlicher Perspektive
8.2.2.2 Positionen eines integrierenden „Sowohl-Als-auch“ in der kritischen Kriminologie
8.2.2.3 Keine Integration möglich?: Probleme und Perspektiven des labeling approach aus der kritischen Sicht von W. Keckeisen
8.2.2.4 Die marxistische Kritik an der kritischen Kriminologie, insbesondere an Sacks „marxistisch-interaktionistischer“ Theorie
8.3 Abgesänge auf den labeling approach vs. Weiterentwicklung: Die Diskussion in der kritischen Kriminologie Ende der 70er
8.4 Der Abolitionismus als Kriminalpolitik der kritischen Kriminologie
8.4.1 Die Diskussion um den Abolitionismus
8.4.2 Bezüge der abolitionistischen Perspektive auf die Habermassche Gesellschaftstheorie
8.4.3 Abolitionismus und labeling approach
8.5 Die gesellschaftstheoretische Wendung der Etikettierungstheorie: Ein Ausbruchsversuch aus den disziplinären Schranken der Kriminologie
8.6 Historisierung in der Kriminologie: Erweiterung oder Verengung der kritischen Kriminologie durch historische Forschung?
8.7 Die Diskussion um den „linken Realismus“ in der Kriminologie
8.8 Feministische Theorie und kritische Kriminologie
8.9 Die Ersetzung eines Begriffes? „Soziale Kontrolle“ vs. „Soziale Ausschließung“ als Zentralbegriff einer kritischen Kriminologie
8.10 Die kritische Kriminologie am Ende (des 20. Jhd.)?
8.10.1 Das Thema „Gewalt“ (von rechts): Kritische Kriminologen als atypische Moralunternehmer
8.10.2 Die Krise der kritischen Kriminologie am Ende der 90er Jahre: Kritische Ätiologie als Metamorphose der kritischen Kriminologie?
III. Das Interdependenzverhältnis zwischen scientific community und Theorieprogramm als konstitutives Element eines Paradigmas
9. Interdependenz zwischen der Entwicklung der sozialen Organisation des AJK und dem Theorieprogramm der kritischen Kriminologie
10. Ausblick
IV. Anhang
Anhang A: Übersicht über die Themen der Schwerpunkthefte des KrimJ
Anhang B: Übersicht über die AJK-Symposien und Tagungen von 1969 bis 1996
Anhang C: Codebuch der Themenanalyse des KrimJ
Anhang D: Zusammensetzung der Herausgeberschaft des KrimJ von 1969 bis 1996
Anhang E: Herkunftsdisziplin und Arbeitsstätte der Herausgeber des KrimJ aus den Jahren 1969, 1972, 1980 und 1996
Anhang F: Geburts- und Promotionsjahrgang der Herausgeber des KrimJ aus den Jahren 1969 und 1972
Anhang G: Konzept für das 3. Beiheft des KrimJ über Reflexionen zur zwanzigjährigen Geschichte des KrimJ und des AJK
Anhang H: Aufstellung der ausgewerteten AJK-Rundschreiben und -briefe, sowie der Protokolle des wissenschaftlichen Beirats des KrimJ
Anhang I: Akzente für eine zukünftige AJK-Politik
Die Arbeit untersucht das wechselseitige Verhältnis zwischen der sozialen Organisation einer wissenschaftlichen Gemeinschaft und deren Theorieprogramm. Dabei wird die These verfolgt, dass die Entstehung, Entwicklung und Geltung wissenschaftlichen Wissens maßgeblich von kognitiven und sozialen Faktoren abhängt, die gemeinsam konstitutiv für wissenschaftliches Wissen sind. Exemplarisch wird diese Interdependenz anhand des Arbeitskreises Junger Kriminologen (AJK) und der Entwicklung der kritischen Kriminologie im Zeitraum von 1969 bis 1996 analysiert.
Die Soziologie wissenschaftlichen Wissens
Eine weitere Radikalisierung der Wissenschaftssoziologie, im Gefolge der Arbeiten von T. S. Kuhn, setzt Mitte der 70er Jahre ein. Anknüpfend an T. S. Kuhn und die Wissenssoziologie von K. Mannheim, aber in ihrem Anspruch über sie hinausgehend, kehrt die Wissenschaftssoziologie wieder auf jene Fragestellung zurück, die sie durch R. K. Merton mit der Wissenssoziologie verlassen hatte. Der Anspruch dieser neuen Soziologie wissenschaftlichen Wissens ist es, die Seinsgebundenheit von Denken und Wissen auf alle Wissenstypen anzuwenden und nicht nur die Genese von wissenschaftlichem Wissen, sondern auch dessen Inhalt und Geltung sozial erklären zu können. Ihr Forschungsgebiet ist die wissenschaftliche Produktion in den Naturwissenschaften.
Zum einem Teil entsteht die neue, aus Großbritannien kommende Wissenssoziologie der Wissenschaft in direkter Auseinandersetzung mit der traditionellen Wissenschaftssoziologie, wie sie durch R. K. Merton geprägt ist. Zum anderen Teil entsteht sie aber auch unabhängig von der Wissenschaftssoziologie. Nach H. M. Collins, einer der Vertreter der „Soziologie wissenschaftlichen Wissens“, lassen sich sechs Autoren unterscheiden, die unabhängig voneinander zur „Soziologie des wissenschaftlichen Wissens“ beigetragen haben. Diese Gruppe läßt sich in zwei gleich große, sich von ihrem theoretischen Ansatz und ihrer Biographie unterscheidende Untergruppen aufteilen: einerseits in die Untergruppe, die eine relativistische Perspektive in der Wissenssoziologie vertritt und deren Autoren nicht aus der Wissenschaftssoziologie, sondern aus der Ethnologie, Philosophie und Mathematik stammen. Zu dieser Gruppe gehören B. S. Barnes, D. Bloor und H. M. Collins. Andererseits gibt es die Untergruppe, deren Arbeiten geprägt ist durch eine Opposition zu R. K. Merton im Lichte von T. S. Kuhn. Zu dieser Gruppe gehören R. G. A, Dolby, M. Mulkay und R. D. Whitley, die während ihres fortgeschrittenen Studiums in den Vereinigten Staaten in die traditionelle Wissenschaftssoziologie eingeführt werden.
1. Einleitung: Stellt die wissenschaftssoziologische Fragestellung und den methodischen Aufbau der Arbeit zur Untersuchung der Wechselwirkung zwischen sozialer Organisation und Theorieprogramm vor.
2. Entwicklungslinien in der Wissenssoziologie und Wissenschaftssoziologie: Skizziert die theoretischen Konzepte von Mannheim, Merton und die anti-positivistische Wende als Grundlage für die moderne Wissenschaftssoziologie.
3. Wissenschaftssoziologie und Wissenschaftsphilosopie: Die Frage nach der Geltung wissenschaftlichen Wissens: Erörtert die erkenntnistheoretischen Probleme der Trennung von Genese und Geltung bei der Bewertung von wissenschaftlichem Wissen.
4. Ein integrativer Ansatz für die Wissenschaftssoziologie: Soziale und kognitive Faktoren als konstitutive Elemente wissenschaftlichen Wissens: Entwickelt einen integrativen Analyserahmen, der kognitive Inhalte und soziale Strukturen als interdependent begreift.
5. Die soziale Organisation des AJK und ihre Entwicklung von 1969-1996: Rekonstruiert detailliert die Organisationsgeschichte des AJK und dessen Institutionalisierungsprozesse.
6. Die Analyse der Entwicklung der sozialen Organisation des AJK in bezug auf seine Funktion als scientific community: Analysiert die strukturellen Komponenten und Machtzentren innerhalb des AJK sowie deren formale Entwicklung.
7. Das KrimJ als Kommunikationsmedium des AJK: Untersucht das Kriminologische Journal als zentrales Medium des wissenschaftlichen Austauschs und der thematischen Ausrichtung der kritischen Kriminologie.
8. Das Theorieprogramm der kritischen Kriminologie und seine Entwicklung von 1969-1996: Analysiert die theoretischen Debatten, den Einfluss des "labeling approach" und die Herausbildung der kritischen Ätiologie.
9. Interdependenz zwischen der Entwicklung der sozialen Organisation des AJK und dem Theorieprogramm der kritischen Kriminologie: Bringt die zuvor isoliert betrachteten Elemente in einen interdependenten Zusammenhang und zieht Bilanz über die Wirksamkeit des Paradigmas.
10. Ausblick: Erörtert weiterführende Forschungsfragen und die Bedeutung der kritischen Kriminologie im Kontext internationaler Entwicklungen.
Kritische Kriminologie, Arbeitskreis Junger Kriminologen (AJK), Wissenschaftssoziologie, Kriminologisches Journal (KrimJ), labeling approach, Paradigmawechsel, Abolitionismus, Wissenssoziologie, soziale Kontrolle, kognitive Faktoren, soziale Organisation, Theorieprogramm, Wissenschaftsentwicklung, Stigmatisierungstheorie, Wissenschaftstheorie.
Die Arbeit analysiert, wie die soziale Organisation einer wissenschaftlichen Gemeinschaft (scientific community) und deren wissenschaftliches Theorieprogramm sich gegenseitig beeinflussen und gemeinsam zur Etablierung eines neuen Paradigmas beitragen.
Zentrale Themen sind die Wissenschaftssoziologie, die Organisationssoziologie, die Geschichte der kritischen Kriminologie sowie die Rolle der Theoriebildung im Kontext sozialer Strukturen.
Das primäre Ziel ist die Untersuchung der Interdependenz zwischen kognitiven Inhalten (Theorieprogramm) und sozialer Organisation am Beispiel des Arbeitskreises Junger Kriminologen (AJK) und der Entwicklung der kritischen Kriminologie in Deutschland.
Es werden wissenschaftssoziologische Untersuchungskonzeptionen verwendet, ergänzt durch eine bibliometrische Analyse der Publikationen im Kriminologischen Journal und eine Rekonstruktion der Organisationsgeschichte anhand von internen Dokumenten.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Wissenschaftssoziologie, die detaillierte Organisationsgeschichte des AJK, eine bibliometrische Themenanalyse des Kriminologischen Journals sowie die Rekonstruktion der theoretischen Debatten der kritischen Kriminologie.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie kritische Kriminologie, scientific community, labeling approach, Paradigmawechsel und soziale Kontrolle charakterisiert.
Das KrimJ fungierte als zentrales Kommunikationsmedium, das nicht nur den fachlichen Austausch ermöglichte, sondern auch als Instrument zur Durchsetzung des Paradigmas und zur Rekrutierung sowie Reputation der Mitglieder diente.
Der Autor stellt fest, dass die kritische Kriminologie zwar erfolgreich in akademische Strukturen (Lehrstühle) integriert wurde, damit jedoch eine gewisse "Normalisierung" und eine Abnahme der Innovationskraft durch Selbstreproduktion innerhalb des wissenschaftlichen Beirats einherging.
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