Magisterarbeit, 2007
105 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Forschungsstand und Quellenlage
1.2.1 Forschungsstand
1.2.2 Quellenlage
2. Autobiographische Texte
2.1 von Schlabrendorff: „Zehn Gerechte“ für Deutschland
2.2 von Hassell: „Das andere Deutschland“
2.3 Gisevius: „So... geht... es... nicht!“
3. Der 20. Juli in Gesamtdarstellungen und Aufsätzen
3.1 Pechel: Die ‚Vielfalt’ innerhalb des Widerstandes und der 20. Juli
3.2 Rothfels: Der 20. Juli in universalgeschichtlicher Perspektive
3.3 Zeller: Der Held Stauffenberg
3.4 Meinecke: Wider die moralische Katastrophe
3.5 Strölin: Gegen eine neue „Dolchstoßlüge“
4. Die ‚Gegenseite’
4.1 Otto Ernst Remer: Der „Eidtreue“
4.2 Die Zeitschrift „Nation Europa“: Die ‚ewig Gestrigen’
4.2.1 Die geschichtliche Hypothek des Eidbruches
4.2.2 Verrat und „Dolchstoß“ als Mittel und Zweck
5. Der „Remer-Prozeß“: Ein Freispruch für den 20. Juli
5.1 Bauers Plädoyer: Das „Dritte Reich“ als „Unrechtsstaat“
5.2 Die Gutachten: Wissenschaftliche Expertisen über moralisches Verhalten
5.2.1 Die Moraltheologen: Widerstand als Recht und moralische Pflicht
5.2.2 Der militärische Sachverständige: Die Einmaligkeit des erlaubten Eidbruches
5.2.3 Der Sachverständige für die Motive: Das gute Gewissen Deutschlands
5.2.4 Der historische Sachverständige: Die militärische Lage und der „Dolchstoß“
6. Schlussbetrachtung: Verräter oder Patrioten? – Der konservativ-militärische Widerstand in der Nachkriegszeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das öffentliche Bild des konservativ-militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in Deutschland zwischen 1945 und 1952 zu analysieren und zu untersuchen, wie Autoren verschiedener politischer Couleur dieses Bild prägten und dabei auf zentrale Vorwürfe wie Eidbruch und Landesverrat reagierten.
1. Einleitung:
Am Mittag des 20. Juli 1944 legte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg seine Aktentasche mit der Bombe unter den massiven Holztisch der Baracke im Führerhauptquartier, in der an diesem Tag die Lagebesprechung stattfand. Er ließ sich mittels eines Telefonanrufes hinausbitten und wartete die Explosion ab. Als die Bombe detoniert war, begab er sich mit seinem Adjutanten Hans Bernd von Haeften auf dem schnellsten Weg nach Berlin, um nach dem Tod des „Führers“ einen Staatsstreich, gelenkt durch die eigens dafür entwickelte Befehlskette des Notfallplanes „Walküre“, durchzuführen.
Kurz nach Mitternacht wandte sich Adolf Hitler an das deutsche Volk, um diesem mitzuteilen, dass er einem Schicksal entgangen sei, „das nicht für mich Schreckliches in sich barg, sondern das den Schrecken für das deutsche Volk gebracht hätte“. Er dankte „der Vorsehung und meinem Schöpfer“, dass er in seiner „Arbeit“ weiter fortfahren könne.
Nachdem der bei solchen Anlässen obligatorische „Badenweiler Marsch“ verklungen war, meldete sich der Reichsmarschall des „Großdeutschen Reiches“, Hermann Göring, zu Wort. Er forderte die „Ausrottung dieser Verräter“, es seien „die gleichen Jämmerlinge, die die Front zu verraten und zu sabotieren versuchten“, wer sich an „diesem Verbrechen“ beteilige, stelle sich „außerhalb jeder soldatischen Ehre, außerhalb von Eid und Treue“. Abschließend sprach dann noch der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Karl Dönitz, von „feiger Treulosigkeit“ und „gemeinste[m] Verrat“, um zu versichern: „Die Kriegsmarine steht getreu ihrem Eid in gewohnter Treue zum Führer“.
1. Einleitung: Beschreibt den historischen Kontext des 20. Juli 1944 und formuliert die Problemstellung bezüglich der gesellschaftlichen Akzeptanz des Widerstandes nach 1945.
2. Autobiographische Texte: Analysiert die frühen, prägenden Schriften von Zeitzeugen, die entscheidend für die Bewertung des konservativ-militärischen Widerstandes waren.
3. Der 20. Juli in Gesamtdarstellungen und Aufsätzen: Untersucht die ersten Versuche von Historikern und Publizisten, eine Gesamtschau des Widerstandes zu entwerfen und ihn moralisch zu legitimieren.
4. Die ‚Gegenseite’: Beleuchtet die Argumentationsmuster rechtsradikaler Kreise, die den Widerstand als Verrat diffamierten und dabei auf die Themen Eidbruch und Dolchstoßlegende setzten.
5. Der „Remer-Prozeß“: Ein Freispruch für den 20. Juli: Arbeitet die zentrale Bedeutung dieses Prozesses und die darin geführten Gutachten für die öffentliche Rehabilitierung des Widerstandes auf.
6. Schlussbetrachtung: Verräter oder Patrioten? – Der konservativ-militärische Widerstand in der Nachkriegszeit: Fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet die Entwicklung der Widerstandsrezeption in der jungen Bundesrepublik.
20. Juli 1944, Nationalsozialismus, Widerstand, konservativ-militärischer Widerstand, Remer-Prozeß, Eidbruch, Landesverrat, Dolchstoßlegende, Nachkriegszeit, Geschichtsschreibung, Rechtfertigung, Fritz Bauer, Stauffenberg, Preußentum, Kollektivschuld.
Die Arbeit untersucht das öffentliche Bild des konservativ-militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in den Jahren 1945 bis 1952 und analysiert, wie zeitgenössische Autoren dieses Bild in den gesellschaftlichen Diskurs einbetteten.
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung mit der moralischen Bewertung des Widerstandes, die Rolle der Ehre und des Fahneneides sowie die Verteidigung gegen Vorwürfe des Verrats und der Sabotage.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Argumentation um Eid und Verrat versucht wurde, gesellschaftliche Akzeptanz für den Widerstand vom 20. Juli zu schaffen und die Existenz dieses Widerstandes im öffentlichen Bewusstsein der Nachkriegszeit zu verankern.
Die Arbeit basiert auf der Analyse einer breiten Auswahl von zeitgenössischen Quellentexten, darunter autobiographische Berichte, publizistische Aufsätze und juristische Gutachten, die im Kontext der damaligen gesellschaftlichen Debatten und Gerichtsprozesse (insbesondere des Remer-Prozesses) untersucht werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung autobiographischer Schriften (Schlabrendorff, Hassell, Gisevius), die Untersuchung von Gesamtdarstellungen (Pechel, Rothfels, Zeller, Meinecke, Strölin), die Analyse der rechtsradikalen Gegenpole sowie die detaillierte Betrachtung des Remer-Prozesses und der darin erstatteten Gutachten.
Die wichtigsten Begriffe sind: Widerstand, 20. Juli, Eidbruch, Landesverrat, Dolchstoßlegende, Remer-Prozess, moralische Legitimation und Geschichtspolitik der Nachkriegszeit.
Der Prozess von 1952 fungierte als Meilenstein, in dem die drei zentralen Rechtfertigungsdiskurse – Eid, Verrat und Dolchstoß – wissenschaftlich und juristisch verhandelt wurden, was maßgeblich zur moralischen Rehabilitierung der Männer des 20. Juli beitrug.
Rechtsradikale Akteure versuchten durch die Diskreditierung des Widerstandes als „Verräter“ und die Verbreitung einer neuen Dolchstoßlegende an die Vorurteile der Bevölkerung anzuknüpfen, was die Verteidiger des Widerstandes zwang, ihre Argumentation zu verschärfen und eine öffentliche Auseinandersetzung zu führen.
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