Bachelorarbeit, 2011
53 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Berücksichtigte Quellen
2. Die Geschehnisse bis zur Abstimmung der Resolution 1973
3. Die Makro-Ebene: Das internationale System und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
3.1 Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Aufgaben und Arbeitsweise
3.2 Die Theorie des modifizierten Neorealismus
3.3 Das deutsche Streben nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat
3.4 Bezug auf den konkreten Fall der Resolution 1973
4. Die Meso-Ebene: Die Einstellung der Gesellschaft zu 'out-of-area'-Einsätzen
4.1 Die Entwicklung der deutschen 'out-of-area'-Einsätze bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts 1994
4.2 Die öffentliche Meinung zu Militäreinsätzen der Bundeswehr
4.2.1 Der Kosovo-Konflikt
4.2.2 Der Afghanistan-Konflikt
4.2.3 Der Irak-Konflikt
4.2.4 Der Libyen-Konflikt
4.3 Zwischenergebnis
5. Die Mikro-Ebene: Akteure der deutschen Außenpolitik
5.1 Situation Angela Merkels und der CDU
5.2 Situation Guido Westerwelles und der FDP
5.3 Handlungsoptionen der FDP
5.3.1 Zustimmung zur Resolution 1973
5.3.2 Enthaltung zur Resolution 1973
6. Fazit der Bachelor-Arbeit
6.1 Folgen der Entscheidung
6.2 Ausblick
Die vorliegende Arbeit analysiert die Beweggründe der deutschen Bundesregierung für ihre Enthaltung bei der Abstimmung zur UN-Resolution 1973 im März 2011. Ziel ist es, diese außenpolitische Entscheidung mittels einer Analyse auf Makro-, Meso- und Mikro-Ebene zu erklären und die damit verbundenen strategischen sowie innenpolitischen Kalküle der handelnden Akteure zu beleuchten.
3.2 Die Theorie des modifizierten Neorealismus
Zur Erklärung der Enthaltung der Bundesrepublik ist es hilfreich auf der Makro-Ebene die Theorie des modifizierten Neorealismus anzuwenden unter Berücksichtigung der Debatte über die Reformierung des Sicherheitsrates und der strategischen Verfolgung der Bundesregierungen seit 1992 einen ständigen Sitz in diesem Gremium zu erlangen. Viele Theorie-Strömungen nehmen eine systemische Perspektive ein, wenn sie politisches Verhalten der Akteure (Staaten) entweder ex ante oder ex post zu erklären versuchen. Nach Pietz bietet sich die in Bezug auf die Sicherheitsreform sowie das daran geknüpfte Entscheidungsverhalten der deutschen Bundesregierung im Sicherheitsrat als nicht-ständiges Mitglied die Theorie des modifizierten Neorealismus an. Erstens seien „nur Staaten bzw. die von ihnen artikulierten Interessen relevant“ (Pietz 2007: 43). Zweitens würde „bei der Reform des Sicherheitsrats explizit die Machtfrage im internationalen System gestellt“ (Ibid: 44). Schließlich sehe sich die Bundesrepublik nach der Wiedervereinigung geringen Sicherheitsbedrohungen ausgesetzt, wodurch „sie es sich leisten kann, Einflusspolitik - auch auf Kosten von Autonomie [...] - zu betreiben“ (Ibid). Der modifizierte Neorealismus fußt im Wesentlichen auf Annahmen des Neorealismus nach Kenneth Waltz und wurde von Baumann et al konzipiert, empirisch zu überprüfen, „wie Staaten Autonomie und Einfluss gewichten, wenn beide miteinander konkurrieren“ (Baumann et al 1999: 245).
Der Neorealismus identifiziert die Staaten als zentrale Akteure des internationalen Systems, deren innere Gestaltung unwesentlich für die Betrachtung ist und sie somit als gleichartige Akteure („like units“, siehe: Waltz 1979: 93) verstanden werden. Sie unterscheiden sich lediglich anhand der ihnen zur Verfügung stehenden Anzahl der Machtressourcen. Da dieses Konzept bei verschiedenen real- und neorealistischer Autoren unscharf bleibt, konstatieren Baumann et al (vgl. 1999: 256), dass der wirtschaftlichen und der militärischen Stärke, darüber hinaus noch der Größe der Bevölkerung sowie des Territoriums bei der Bestimmung der Machtressourcen maßgebliche Bedeutung beizumessen seien. Die Staaten agieren im internationalen System miteinander, welches entweder hierarchisch oder anarchisch ist (vgl. Waltz 1979: 114ff). Mit Hierarchie ist dabei das Vorhandensein einer übergeordneten Instanz gemeint, welche die Beziehungen der Einheiten des Systems, hier die Staaten, untereinander und deren Schutz regelt. Dem gegenüber steht Anarchie für die Abwesenheit dieser Instanz. Auf Grund des Fehlens der Instanz und der daraus folgenden Anarchie des Systems „the international imparative is: 'take care of yourself“ (Ibid.: 107); ergo muss der Staat für seine Sicherheit selbst sorgen.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Enthaltung bei der Libyen-Resolution ein, definiert die Forschungsfrage und erläutert den Aufbau der Arbeit.
2. Die Geschehnisse bis zur Abstimmung der Resolution 1973: Es werden die chronologischen Ereignisse in Nordafrika und Libyen dargestellt, die zur Verabschiedung der Resolution 1973 führten.
3. Die Makro-Ebene: Das internationale System und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Rahmen des modifizierten Neorealismus und analysiert die Struktur des Sicherheitsrates sowie das deutsche Streben nach einem ständigen Sitz.
4. Die Meso-Ebene: Die Einstellung der Gesellschaft zu 'out-of-area'-Einsätzen: Es wird untersucht, wie die öffentliche Meinung in Deutschland auf Basis früherer Konflikte (Kosovo, Afghanistan, Irak, Libyen) Militäreinsätze der Bundeswehr bewertet.
5. Die Mikro-Ebene: Akteure der deutschen Außenpolitik: Die Analyse fokussiert sich auf die Situation und die strategischen Kalküle der führenden Akteure (Merkel/CDU und Westerwelle/FDP) vor dem Hintergrund innenpolitischer Herausforderungen.
6. Fazit der Bachelor-Arbeit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Folgen der Entscheidung für die FDP und bietet einen Ausblick für künftige internationale Konfliktkonstellationen.
Libyen-Konflikt, UN-Sicherheitsrat, Resolution 1973, deutsche Außenpolitik, Bundesregierung, Enthaltung, modifizierter Neorealismus, Außenpolitik, Bundeswehr, 'out-of-area'-Einsätze, öffentliche Meinung, FDP, CDU, Machtressourcen, internationale Sicherheit.
Die Arbeit untersucht die außenpolitische Entscheidung Deutschlands, sich bei der Abstimmung zur UN-Libyen-Resolution 1973 im März 2011 zu enthalten, anstatt mit Ja oder Nein zu stimmen.
Die Themen umfassen die internationale Machtstruktur (Makro-Ebene), die gesellschaftliche Einstellung zu Auslandseinsätzen (Meso-Ebene) und die akteursspezifischen Interessen der Regierungsparteien (Mikro-Ebene).
Das primäre Ziel ist es, die Gründe für das deutsche Abstimmungsverhalten durch eine systematische Analyse der genannten drei Ebenen wissenschaftlich zu erklären.
Die Arbeit nutzt die Theorie des modifizierten Neorealismus sowie eine deskriptive Analyse von Medienberichterstattung, Umfragedaten und parteipolitischen Handlungszwängen.
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise des UN-Sicherheitsrates, vergleicht den Libyen-Fall mit früheren Konflikten wie Kosovo oder Afghanistan und beleuchtet die Rolle von Angela Merkel und Guido Westerwelle.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Libyen-Konflikt, Resolution 1973, deutsche Außenpolitik, Enthaltung, modifizierter Neorealismus und 'out-of-area'-Einsätze.
Die Arbeit legt nahe, dass die anstehenden Landtagswahlen im März 2011 sowie die innenpolitische Schwäche der FDP massiven Handlungsdruck auf den Außenminister ausübten, was die außenpolitische Entscheidung beeinflusste.
Diese Theorie eignet sich laut Autor besonders gut, um zu erklären, wie Staaten bei sicherheitspolitischen Entscheidungen ihre Autonomie gegen ihren politischen Einfluss abwägen.
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