Bachelorarbeit, 2011
58 Seiten
Kap. 1. Einleitung
Kap. 2. Studien zur motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen
2.1 Forschungsfeld Kindheit - Einzelstudien und Analysen
2.2 Übersichtsstudien (1 – 4)
2.3 Gibt es einen Rückgang der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen? Ein ausführlicher Blick aus Sicht von zwei konträr argumentierenden Forscher(gruppen)
2.3.1 Standpunkt 1: Bös et al.
2.3.2 Standpunkt 2: Kretschmer
Kap. 3. Zusammenfassung und vertiefende Überlegungen
Kap. 4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, ob von einem tatsächlichen Rückgang der motorischen Leistungsfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen gesprochen werden kann oder ob es sich bei der öffentlichen Debatte um ein medial konstruiertes Phänomen handelt. Dabei wird insbesondere der wissenschaftliche Diskurs zwischen verschiedenen Forschergruppen beleuchtet und hinterfragt, inwieweit die methodischen Ansätze der gängigen Studien verlässliche Aussagen über eine "veränderte Kindheit" und einen generellen Bewegungsmangel zulassen.
Kap. 1. Einleitung
Existiert ein Bewegungsmangel unter Kindern und Jugendlichen? Oder besser ausgedrückt: Leidet die derzeitige „Generation Kind“ unter Bewegungsmangel? Oder sind es wir, die Erwachsenen, die wir schon ein, zwei Generationen weiter sind, die an einer verzerrten Wahrnehmung leiden?
Das sind die Ausgangsfragen, die sich dem Verfasser der vorliegenden Arbeit stellten, als er anfing, sich diesem Thema zu widmen. Die Antworten auf die ersten beiden Fragen schienen ohnehin klar: Man liest es in den Printmedien („Fettsucht grassiert unter Kindern“, Der Spiegel, 2000, 146) man sieht es im Fernsehen („Verschwinden der Sinne“, KAHL, N3, 1992) und man erlebt es jeden Tag auf der Straße. Die Umweltbedingungen unserer Kinder haben sich stark verändert in den letzten 20 bis 30 Jahren. Mit ihnen sind auch die Bewegungswelten und Erfahrungswelten der Kinder andere geworden. Wir lesen von der „`verhäuslichten´ und `verinselten´ Kindheit (ZEIHER & ZEIHER, 1988, zitiert nach BURRMANN, 2008, S. 2) oder Medienkindheit“ (ebd.), wir sehen übergewichtige Kinder und folgern, dass all diese Dinge Anzeichen einer eindeutigen Ursache-Wirkung-Beziehung sind. Anzeichen, sie so deutlich sind, dass durch einfach erhobene Stichproben eine Beweisführung möglich sein sollte. Oder nicht?
Ein Blick in die Literatur, insbesondere in die Veröffentlichungen im Bereich der Sportwissenschaft verändert den Blickwinkel sehr schnell. So einfach wie die oben angesprochene Ursache-Wirkung-Beziehung scheint, stellen sich die Forschungsergebnisse nicht dar. Es kommt bereits bei der Ausgangsfrage zu einem Problem: In zahlreichen Studien, von denen viele den Inhalt der hier folgenden Ausführungen bilden, wird die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen untersucht, und zu meist in Querschnittsuntersuchungen miteinander verglichen. Dabei werden sowohl Verschlechterungen, als auch Verbesserung herausgefunden. Können wir aber von diesen Ergebnissen auf einen Bewegungsmangel schließen? Der wird zwar wiederholt ins Feld geführt, ist aber in längst nicht allen Studien wirklich Gegenstand der Untersuchung gewesen. Insofern sei an dieser Stelle zur Vorsicht angemahnt, diese beiden Untersuchungsgegenstände nicht zu vermischen. Da aber das Stichwort Bewegungsmangel in der öffentlichen Diskussion als Synonym für eine Fülle an Veränderungen und Entwicklungen benutzt wird, steht es auch in dieser Arbeit als Überschrift und sei somit als Schlüsselwort gleichermaßen zur Untersuchung der Merkmale der veränderten Kindheit sowie der motorischen Leistungsfähigkeit benutzt.
Kap. 1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein und hinterfragt kritisch die mediale Vorannahme eines generellen Bewegungsmangels bei Kindern und Jugendlichen.
Kap. 2. Studien zur motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen: Dieses Kapitel bietet einen umfassenden Überblick über diverse sportwissenschaftliche Studien, beleuchtet die Rolle von Übersichtsstudien und stellt die gegensätzlichen wissenschaftlichen Positionen zu den Forschungsergebnissen gegenüber.
Kap. 3. Zusammenfassung und vertiefende Überlegungen: Hier werden die Ergebnisse kritisch synthetisiert und diskutiert, wobei die Konstruktion von Themen in der Forschung sowie die methodischen Grenzen der Studien im Vordergrund stehen.
Kap. 4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Studienlage uneinheitlich ist und plädiert für einen differenzierteren Blick auf Bewegungsveränderungen statt der pauschalen Defizithypothese.
Bewegungsmangel, motorische Leistungsfähigkeit, veränderte Kindheit, Defizithypothese, Sportwissenschaft, empirische Studien, Kindheitsforschung, körperliche Aktivität, Übergewicht, Sportmotorische Tests, Sportunterricht, Medienkonsum, Motorik, Bewegungsentwicklung, MoMo-Studie
Die Arbeit untersucht kritisch die aktuelle Debatte darüber, ob Kinder und Jugendliche heute unter einem Bewegungsmangel leiden oder ob die öffentliche Wahrnehmung hierzu von medialen Vereinfachungen geprägt ist.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der motorischen Leistungsfähigkeit, dem Einfluss veränderter Lebensbedingungen (Kindheitswandel), der Analyse wissenschaftlicher Testverfahren und der Rolle der Sportwissenschaft bei der Interpretation dieser Daten.
Ziel ist es, die wissenschaftliche Validität der weit verbreiteten "Defizithypothese" zu prüfen und aufzuzeigen, dass die Datenlage keineswegs eindeutig ist, sondern stark von der methodischen Herangehensweise und Interpretation abhängt.
Der Autor führt eine tiefgehende Literaturanalyse durch. Er vergleicht eine Vielzahl von Querschnitts- und Längsschnittstudien sowie Übersichtsberichte, um die unterschiedlichen Interpretationsansätze der Sportwissenschaft zu dekonstruieren.
Im Hauptteil werden diverse Einzel- und Übersichtsstudien analysiert, die beiden konträren Forschergruppen um Bös und Kretschmer gegenübergestellt und die methodischen Schwachstellen der Datenerhebung in der aktuellen Sportwissenschaft diskutiert.
Die zentralen Begriffe sind Bewegungsmangel, motorische Leistungsfähigkeit, Defizithypothese, Kindheitswandel und sportmotorische Testverfahren.
Der Autor argumentiert, dass der Begriff "Bewegungsmangel" oft vorschnell als Defizit gewertet wird, während der Begriff "Bewegungsveränderung" neutraler beschreibt, dass sich Lebenswelten und motorische Anforderungen gewandelt haben, ohne zwingend schlechter zu sein.
Er kritisiert eine mediale "Bombenmetaphorik", die komplexe Forschungsergebnisse auf reißerische Schlagzeilen reduziert, um Sensationen zu erzeugen, und mahnt zu mehr wissenschaftlicher Differenziertheit.
Sie dient als kritisches Leitmotiv der Arbeit; der Autor hinterfragt, ob Forscher und öffentliche Akteure aufgrund eines "Zwangskonsenses" dazu neigen, Forschungsergebnisse tendenziös in Richtung eines körperlichen Verfalls zu interpretieren.
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