Examensarbeit, 2011
92 Seiten, Note: 1,00
1. Einleitung
2. Zum Diskursbegriff
2.1. Die Methode der kritischen Diskursanalyse
2.2. Fazit zur Methodik der Diskursanalyse
3. Die Kohärenz der Motive - oder: Die Frage nach den Diskursen
4. Eine Makroanalyse des Nibelungenliedes
5. Höfisches und archaisches im Nibelungenlied
5.1. Merkmale des christlich-höfischen Diskurses
5.2. Merkmale des archaisch-heroischen Diskurses
6. Figurenkonzeption Hagens
6.1. Namensgebung und literarische Wurzeln
6.2. Verwandtschaftliche Beziehungen
6.3. Äußere Merkmale
6.4. Hagen als Modell: Ein Muster an Heldenepik?
7. Szeneanalysen I
7.1. Kriemhilds Warnträume
7.1.1. Der Falkentraum
7.1.2. Der Wildschweintraum
7.1.3. Der Bergetraum
7.2. Siegfrieds Ankunft in Worms
7.2.1. Siegmunds Warnung vor Siegfried
7.2.2. Ankunft und Jungsiegfriedgeschichte
7.2.3. Hagen im Sachsenkrieg
7.3. Isenstein
7.4. Der Mord an Siegfried
8. Ein Zwischenfazit
9. Szeneanalysen II
9.1. Kriemhild und Etzel
9.1.1. Etzels Werbung
9.1.2. Kriemhilds Einladung
9.2. Donauepisode
9.2.1. Zu Strophe 1526
9.2.2. Die merewîp-Prophezeiung
9.2.3. Übersetzung und Kaplanepisode
9.3. Am Etzelhof
9.3.1. Der bewaffnete Kirchgang
9.3.2. Rüdigers Schildgabe
10. Fazit
Diese Arbeit untersucht die Figur Hagen von Tronje im Nibelungenlied, um die scheinbaren Widersprüche in seiner Charakterdarstellung durch die Analyse konkurrierender Herrschaftsdiskurse – des christlich-höfischen und des archaisch-heroischen – aufzulösen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Hagen als kohärente Figur interpretiert werden kann oder ob seine Ambivalenz auf ein gewolltes Diskursschisma zurückzuführen ist.
Die Kohärenz der Motive - oder: Die Frage nach den Diskursen
Das Nibelungenlied (=NL) bietet viele Leerstellen, die den verschiedensten Interpretationsrichtungen bis dato Tür und Tor geöffnet haben. Wie Heinzle schon richtig feststellte, stellt gerade das Füllen der Leerstellen eine Gefahr für die Interpretation dar: Je mehr sie vom modernen Leser gefüllt werden, desto weiter entfernt er sich von der mittelalterlichen Aussage des Textes. Die Tatsache, dass viele der Leerstellen in späteren mittelalterlichen Verarbeitungen, namentlich der Klage, gefüllt wurden, und diese Klage fast allen erhaltenen NL Fassungen beigelegt wurde, deutet darauf hin, dass sich die mittelalterlichen Rezipienten dieser vermeintlichen Schwachstelle bewusst waren. Es stellt sich also die grundlegende Frage, ob das NL in seinen Ambivalenzen sinnvoll interpretierbar ist, oder es sich um einen defizitären Text handelt, dessen Bruchstellen tatsächlich mehr 'Unfälle' denn sinnfällige, nuancierende Pointen des Dichters sind. Dazu zunächst ein skizzenhafter Überblick über die wichtigsten Grundrichtungen der Interpretationsforschung.
In der modernen Rezeptionsforschung lassen sich verschiedene Vorgehensweisen im Umgang mit diesen Problemen herausarbeiten. Als Exempel soll in dieser Arbeit die Figur Hagens herausgegriffen werden, da sie eine der ambivalentesten, und mit Sicherheit eine der für das NL charakteristischsten Figuren ist.
Grob lassen sich zwei Interpretationsrichtungen unterscheiden, die in sich dann wiederum differenziert werden müssen: Interpretationsansätze, die von einer fehlenden Kohärenz in der Hagenfigur ausgehen (2a/2b), und Interpretationsansätze die Hagen als in sich schlüssig und kohärent lesen (1a/1b). Beginnen wir mit letzterer Gruppe, da diese als klassische in der Hagenrezeption bezeichnet werden darf:
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der widersprüchlichen Charakterdarstellung Hagens und Skizzierung der methodischen Vorgehensweise.
2. Zum Diskursbegriff: Erläuterung der theoretischen Grundlagen der Diskursanalyse und Adaption für literaturwissenschaftliche Zwecke.
3. Die Kohärenz der Motive - oder: Die Frage nach den Diskursen: Überblick über die Forschungsdebatte zur Einheitlichkeit der Hagenfigur.
4. Eine Makroanalyse des Nibelungenliedes: Untersuchung der historischen und gesellschaftlichen Entstehungsbedingungen des Epos.
5. Höfisches und archaisches im Nibelungenlied: Definition und Abgrenzung des christlich-höfischen und archaisch-heroischen Diskurses.
6. Figurenkonzeption Hagens: Analyse von Hagens Hintergrund, Namensgebung und körperlicher Darstellung.
7. Szeneanalysen I: Detaillierte Untersuchung von Träumen und der Ankunft Siegfrieds im Hinblick auf diskursive Einflüsse.
8. Ein Zwischenfazit: Zusammenfassende Bewertung der bisherigen Szenenanalysen.
9. Szeneanalysen II: Untersuchung der zweiten Epos-Hälfte, insbesondere bezüglich der Donau- und Etzelhof-Episoden.
10. Fazit: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage zur diskursiven Einordnung Hagens.
Nibelungenlied, Hagen von Tronje, Diskursanalyse, Michel Foucault, christlich-höfischer Diskurs, archaisch-heroischer Diskurs, Figurenkonzeption, Siegfried, Motivation, Heroik, Mittelalter, Literaturbetrachtung, Heldendichtung, Kohärenz, Identität.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der widersprüchlichen Figur des Hagen von Tronje im Nibelungenlied und untersucht, wie sich seine Taten durch zwei unterschiedliche, konkurrierende gesellschaftliche Wertesysteme erklären lassen.
Im Zentrum stehen die Konzepte des christlich-höfischen Diskurses, der auf soziale Ordnung und Repräsentation zielt, und des archaisch-heroischen Diskurses, der individuellen Mut und Schicksalsbejahung in den Vordergrund stellt.
Ziel ist es zu klären, ob Hagen als eine in sich logische, kohärente Figur innerhalb dieser Diskurse betrachtet werden kann oder ob seine Ambivalenz als bewusste Inszenierung des Dichters zu verstehen ist.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Diskursanalyse nach historisch-genealogischen Standards, maßgeblich beeinflusst durch Michel Foucault und Siegfried Jäger, angewendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse von Hagens allgemeiner Figurenkonzeption sowie eine tiefgehende Untersuchung repräsentativer Szenen des Epos, wie Kriemhilds Träume, die Ankunft Siegfrieds, die Donauepisode und den Mord an Siegfried.
Zentrale Begriffe sind Nibelungenlied, Hagen von Tronje, Diskursanalyse, christlich-höfischer sowie archaisch-heroischer Diskurs und die Frage nach der Kohärenz der Motive.
Die Autorin/der Autor führt diesen Begriff ein, um zu zeigen, dass Hagen oft nicht als autonomes Individuum handelt, sondern als Symbol für die Qualität oder den Zustand des Hofes Gunthers fungiert.
Die Arbeit stellt fest, dass es keine einzelne, logisch konsistente Kausalkette für den Mord gibt; vielmehr lässt sich das Handeln Hagens am besten durch die Notwendigkeit des heroischen Textmusters und seine geschickte, manipulative Nutzung diskursiver Machtstrukturen deuten.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

