Examensarbeit, 2011
68 Seiten, Note: 2,1
I. Einleitung
II. Der Autor: Biografisches zu Peter Weiss
III. Die Form: Das Dokumentarstück
IV. Das Werk: „Die Ermittlung“
1. Die Thematik
2. Die Entstehung
3. Analyse des Stücks
4. Die Rezeption
V. Überlegungen zum Einsatz im Deutschunterricht
VI. Zusammenfassung
VII. Anhang
1. Bibliografie
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk „Die Ermittlung“ von Peter Weiss unter Berücksichtigung des Essays „Meine Ortschaft“. Ziel ist es, die biografischen Hintergründe des Autors, die Form des Dokumentartheaters sowie die Thematik, Entstehung, Analyse und Rezeption des Stücks zu beleuchten und den pädagogischen Wert des Werks für den heutigen Deutschunterricht zu bewerten.
II. Der Autor: Biografisches zu Peter Weiss
Peter Weiss wurde am 8. November 1916 in Nowawes bei Berlin geboren. Seine Mutter, Frieda Thierbach, eine deutsche Christin, hatte bereits zwei Söhne aus ihrer geschiedenen ersten Ehe, als sie seinen Vater, Eugen Weiss, einen ungarischen, jüdischen Textilfabrikanten, heiratete. Schon kurz nach der Eheschließung konvertierte Eugen Weiss zur christlichen Religion und alle Kinder, also auch Peter, wurden evangelisch getauft. Wie sein Vater war er zunächst offiziell Staatsbürger von Österreich-Ungarn, als dieser Staat dann Ende 1918 aufhörte zu existieren und der Geburtsort des Vaters der Tschechoslowakei zugesprochen wurde, tschechischer Staatsbürger. Die Familie lebte jedoch weiterhin in Deutschland, von da an bis 1929 in Bremen, wo Peter 1920, 1922 und 1924 zunächst zwei Schwestern und dann einen Bruder bekam.
1929 zogen sie dann das erste Mal um, da die Textilfirma, in der der Vater arbeitete, ihren Standort nach Berlin verlegte. Das Familienleben war geprägt von strenger Bürgerlichkeit und auch in der Schule fühlte sich der junge Peter Weiss in der Entfaltung seiner individuellen Persönlichkeit eingeengt, weshalb er sich mehr und mehr isolierte und in seine eigene Welt verkroch: Lesen und Malen wurden zu seinen Vorlieben. So erhielt er 1932 neben dem Besuch des Gymnasiums auch Zeichen- und Malunterricht. Die politischen Entwicklungen in seiner Umwelt beachtete der Jugendliche in seiner Zurückgezogenheit kaum. Er nutzte seine künstlerische Tätigkeit ausschließlich zur Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen individuellen, persönlichen Problemen mit der Einengung durch seine Umgebung. Als dann am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, manifestierte sich Peters bis dahin freiwillige Isolation, nun sichtbar und von außen erzwungen: Er durfte in der Schule den Hitlergruß nicht mitmachen, denn als tschechischer Staatsbürger war er nach faschistischer Ideologie, auch wenn er in Deutschland geboren und aufgewachsen und die deutsche Sprache seine Muttersprache war, kein Deutscher, während die Tatsache, dass sein Vater jüdischer Herkunft war, wohl niemandem bekannt war, weder Peter, noch der Öffentlichkeit.
I. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz des Werks „Die Ermittlung“ und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit, die von der Biografie des Autors über eine Werkanalyse bis hin zur unterrichtspraktischen Anwendbarkeit reicht.
II. Der Autor: Biografisches zu Peter Weiss: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg von Peter Weiss nach, wobei insbesondere seine Erfahrungen im Exil und die daraus resultierende politische Sensibilisierung hervorgehoben werden.
III. Die Form: Das Dokumentarstück: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Genres Dokumentartheater untersucht, mit Fokus auf die Verarbeitung realer Prozessprotokolle und die Spannung zwischen Dokumentation und künstlerischer Interpretation.
IV. Das Werk: „Die Ermittlung“: Dieser Hauptteil analysiert die Thematik der 11 Gesänge, beschreibt den komplexen Entstehungsprozess durch den Auschwitz-Prozess und liefert eine detaillierte textimmanente Analyse der Schuldfrage und Rezeption.
V. Überlegungen zum Einsatz im Deutschunterricht: Dieses Kapitel prüft die didaktische Eignung des Stücks für die Oberstufe und betont die Notwendigkeit, Schüler für Verdrängungsmechanismen und die politische Verantwortung des Einzelnen zu sensibilisieren.
VI. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bilanziert, dass das Werk aufgrund seines Modellcharakters auch in der heutigen Gegenwart eine bleibende Relevanz für die Auseinandersetzung mit Unterdrückungsmechanismen besitzt.
VII. Anhang: Der Anhang enthält die vollständige Bibliografie der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Peter Weiss, Die Ermittlung, Dokumentartheater, Auschwitz-Prozess, Nationalsozialismus, Verdrängung, faschistische Kontinuität, Schuldfrage, Systemkritik, historische Aufarbeitung, Holocaust, Deutschunterricht, Kapitalismuskritik, Widerstand, Erinnerungskultur.
Die Arbeit analysiert das Dokumentarstück „Die Ermittlung“ von Peter Weiss, wobei sie den Entstehungskontext, die dramaturgische Form und die kritische Auseinandersetzung mit dem Auschwitz-Prozess in den Fokus rückt.
Zentrale Themen sind die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, die politische Verantwortung des Einzelnen in einem totalitären System sowie die Rolle des Dokumentartheaters als Mittel zur gesellschaftlichen Einflussnahme.
Ziel ist es, den Wert des Stücks als künstlerisches und politisches Dokument darzulegen und aufzuzeigen, wie das Werk zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Kontinuitäten nach dem Nationalsozialismus anregen kann.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Inhaltsanalyse, wobei sie sowohl Primärtexte von Peter Weiss als auch zahlreiche zeitgenössische und neuere Sekundärquellen einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der 11 Gesänge des Stücks, untersucht die Entstehungsgeschichte anhand des Auschwitz-Prozesses und reflektiert die sehr unterschiedliche Rezeption in der BRD und der DDR.
Besonders prägend sind Begriffe wie Dokumentartheater, faschistische Kontinuität, Schuld, Systemkritik, Auschwitz-Modell und Erinnerungskultur.
Das Essay dient als direkte Vorstufe des Stücks, da es die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit dem Ort Auschwitz dokumentiert und die darin verankerten Symbole sowie die kreisförmige Struktur in das Theaterstück einfließen.
Die Autorin argumentiert, dass die expliziten und grausamen Details der NS-Konzentrationslager, wie sie im Stück dokumentiert sind, für jüngere Schüler emotional verstörend wirken würden und somit den pädagogischen Zielsetzungen entgegenstünden.
Sie arbeitet heraus, dass Weiss das Lager als geschlossenes, bürokratisches System darstellt, das jeden Menschen potenziell zum Täter machen konnte, wobei die individuelle Schuld durch die bewusste Wahrnehmung und das Handeln in diesem System dennoch nicht aufgehoben wird.
Während die Rezeption in der BRD von einer Mischung aus fachlicher Kritik, politischer Polemik und Ablehnung geprägt war, wurde das Stück in der DDR weitgehend positiv, jedoch oft als einseitiges politisches Instrument gegen die BRD interpretiert.
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