Doktorarbeit / Dissertation, 2011
177 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Kapitel: Das Bistum Erfurt – ein Sonderweg?
1.1 Entstehung und Geschichte
1.2 Die gegenwärtige Situation
1.3 Die geistige Leitung im Bistum Erfurt
1.4 Konzeptionelle Vorüberlegungen zum Ritualempfinden
1.5 Lokale Veränderungen im religiösen Wissen
1.6 Angebote auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt
1.7 Weitere innovative Projekte
2. Kapitel: Neue Gottesdienstformen in Erfurt
2.1 Nächtliches Weihnachtslob im Erfurter Dom
2.2 Feier der Lebenswende
2.3 Ökumenischer Segnungsgottesdienst am Valentinstag
2.4 Monatliches Totengedenken für Christen und Nicht-Christen
2.5 Kosmas – und – Damian – Gottesdienst
2.6 Urnenbegräbnisstätte für Christen und Nicht-Christen
3. Kapitel: Erfurt als Vorbild für Deutschland?
3.1 Übernahme der Praktiken durch andere Gemeinden
3.2 Das Nächtliche Weihnachtslob
3.3 Feier der Lebenswende
3.4 Ökumenischer Gottesdienst am Valentinstag
3.5 Monatliches Totengedenken für Christen und Nicht-Christen
3.6 Kosmas – und – Damian – Gottesdienst
3.7 Urnenbegräbnisstätte für Christen und Nicht-Christen
3.8 Vorbild oder regionale Notwendigkeit?
4. Kapitel: Anbieter und Rezipienten im Wandel
4.1 Kirche und Moderne
4.2 Kirche als „Institution“
4.3 Kirche und Säkularisierung
4.4 Kirche und Ritual
4.5 Kirche und der Verlust ihrer rituellen Monopolstellung?
5. Kapitel: Säkulare Rituale
5.1 Familienrituale
5.2 Alltagsrituale
5.3 Heilungsrituale
5.4 Pädagogische Rituale
5.5 Rituale in Unternehmen
5.6 Alte Rituale „Re-loaded“
5.7 Massenrituale
6. Kapitel: Medienrituale / Trauerrituale
6.1 Neue Formen der Trauerbewältigung / die Rolle der Medien
6.2 Öffentliche Reaktionen auf Amokläufe
6.3 Die Beisetzung von Papst Johannes Paul II.
6.4 Reaktionen auf den Tod von Michael Jackson
6.5 Der Fall Robert Enke
6.6 Erfurt – Rom – Los Angeles – Hannover
7. Kapitel: Der Mensch ohne Religion aber mit Ritual
7.1 Was ist der Mensch ohne Religion?
7.2 Wie kann die Kirche auf diese Menschen zugehen?
Schlussbetrachtung
Das Hauptziel dieser Dissertation ist es, im Kontext der Ritualforschung zu untersuchen, inwieweit der postsäkulare Mensch in einer zunehmend entkirchlichten Welt Rituale wahrnimmt, ihnen Funktionen zuordnet und ob die Kirche durch innovative, niederschwellige Angebote eine Brückenfunktion einnehmen kann, um Menschen trotz großer Distanz zur Institution zu erreichen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob der postmoderne Mensch nach wie vor als „ritualfähig“ gilt und ob säkulare Rituale die Grundbedürfnisse nach Halt, Sicherheit und Orientierung befriedigen können.
Einleitung:
Der Mensch gilt als „ritualempfänglich“. Diese generelle Grundaussage ist in der Religionswissenschaft weit verbreitet und bildet für mich den Anlass, um der Frage der Riten und Rituale in der Postmoderne näher nachzugehen. Unter Zugrundelegung eines bestimmten Interpretationsansatzes (gemeint ist in erster Linie die zeitliche und inhaltliche Aufteilung in drei Phasen, wie sie von Arnold van Gennep in seinem Werk „Les rites de passage“ geprägt wurde) lassen sich überall Rituale nachweisen. Pionierarbeiten im religiösen Sektor wurden von van Gennep persönlich und in der Weiterführung von Victor Turner geleistet, um nur die bekanntesten Vertreter zu nennen. Bezogen auf den Bereich der Alltagswelt setzte Claude Rivière neue Maßstäbe. In seinem Werk „Les rites profanes“ (1995) geht er davon aus, dass die gesamte Lebenswelt des Menschen von Ritualen umgeben ist. Auch profane Handlungen können demnach als Rituale angesehen werden und scheinen die kirchlichen Riten langsam zu ersetzen. Von daher stellt sich die Frage, ob die kirchlichen Angebote weiterhin empfangen werden, beziehungsweise gelingt es, diese in einer zunehmend entkirchlichten Welt überhaupt noch zu verstehen?
Die Ritualforschung ist in den letzten Jahrzehnten zu einem weitläufigen Bereich angewachsen. Unzählige Veröffentlichungen auf dem Buchmarkt geben ebenso einen Hinweis darauf, wie die Einrichtung neuer Forschungsprojekte. Erwähnt sei an dieser Stelle der Sonderforschungsbereich SFB 619 „Ritualdynamik“ der Universität Heidelberg, welcher im Jahre 2002 gegründet wurde und noch bis Juni 2013 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Dabei handelt es sich um den bislang ersten und einzigen kulturwissenschaftlichen Sonderforschungsbereich, der sich, unter Mitwirkung von über 90 beteiligten Wissenschaftlern aus 15 Fächern, ausschließlich mit dem Thema „Rituale“ auseinandersetzt.
Die Ursprünge der Ritualforschung liegen bereits über zweihundert Jahre zurück. Ihre Ergebnisse wurden im Laufe der Jahre immer wieder modifiziert. Die auffälligste Veränderung liegt jedoch in der Beobachtung, dass heutige Ritualtheorien nur noch wenig mit Religion zu tun haben. Hatte „Ritual“ ursprünglich die Bedeutung von „Gottesdienst“ bzw. die schriftlichen Anweisungen dazu, so steht gegenwärtig eine allgemeine symbolische Handlung im Blickpunkt.
1. Kapitel: Das Bistum Erfurt – ein Sonderweg?: Das Kapitel beschreibt die historische und gegenwärtige Situation des Bistums Erfurt, welches durch eine hohe Zahl an Konfessionslosen geprägt ist, und stellt die geistige Leitung sowie erste innovative Überlegungen vor.
2. Kapitel: Neue Gottesdienstformen in Erfurt: Hier werden spezifische, von der Diözese initiierte Gottesdienstformen detailliert vorgestellt, die darauf abzielen, eine Brücke zwischen kirchlicher Liturgie und kirchenfernen Menschen zu schlagen.
3. Kapitel: Erfurt als Vorbild für Deutschland?: Dieses Kapitel untersucht, inwiefern die Erfurter Projekte regional und überregional von anderen Gemeinden als Vorbild für die Zukunftsfähigkeit kirchlicher Riten aufgegriffen wurden.
4. Kapitel: Anbieter und Rezipienten im Wandel: Hier erfolgt eine soziologische Reflexion über den Verlust der kirchlichen Monopolstellung in einer modernen, säkularisierten Gesellschaft und die notwendige Reaktion der Institution Kirche.
5. Kapitel: Säkulare Rituale: Das Kapitel analysiert die „Wiederkehr der Rituale“ in verschiedenen Lebensbereichen wie Familie, Arbeitswelt und Gesundheit, die losgelöst von kirchlicher Bindung soziale Funktionen erfüllen.
6. Kapitel: Medienrituale / Trauerrituale: Der Fokus liegt auf der Rolle der Medien bei Massenritualen und der Trauerbewältigung nach Krisenereignissen, wobei die Tendenz zur Re-Ritualisierung öffentlicher Trauer thematisiert wird.
7. Kapitel: Der Mensch ohne Religion aber mit Ritual: Das abschließende Kapitel diskutiert die anthropologische Konstante des Ritualbedürfnisses und reflektiert, wie die Kirche durch einen modernen Dialog auf die Bedürfnisse des "homo religiosus" in der Moderne eingehen kann.
Ritual, Postmoderne, Bistum Erfurt, Ritualforschung, Säkularisierung, Liturgie, Gottesdienst, Medienrituale, Trauerrituale, Lebenswende, Gemeinschaftsrituale, Religion, Pastoraltheologie, Innovationsmanagement, Identität.
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Riten und Ritualen in der heutigen säkularen Gesellschaft am Beispiel des Bistums Erfurt und analysiert, wie sich der Umgang mit diesen Handlungen im Wandel befindet.
Die Schwerpunkte liegen auf kirchlichen Innovationen in Erfurt, der säkularen Ritualforschung, dem Bedeutungsverlust kirchlicher Monopole, Medienritualen bei Katastrophen sowie der Transformation von Trauerritualen.
Es soll geklärt werden, ob der heutige Mensch trotz nachlassender Religionsbindung ein instinktives Bedürfnis nach Ritualen besitzt und ob kirchliche Institutionen durch neue Angebote erfolgreich eine Brücke zu diesen Menschen schlagen können.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, Experteninterviews mit dem Erfurter Bischof und Weihbischof, einer selbst durchgeführten Straßenumfrage zur Bekanntheit der Angebote sowie der Auswertung von Fallbeispielen.
Der Hauptteil erstreckt sich von der spezifischen Situation im Bistum Erfurt über die Untersuchung neuer Gottesdienstformen bis hin zu einer breiten Betrachtung säkularer Riten in Alltag, Unternehmen und Medien.
Die zentralen Begriffe sind Ritual, Postmoderne, Säkularisierung, Liturgie, Medienrituale, Trauerrituale und Ritualkompetenz.
Erfurt weist aufgrund der Geschichte der DDR eine besonders hohe Konfessionslosigkeit auf, was die Diözese dazu zwang, schon sehr früh innovative, nicht-traditionelle Angebote zu entwickeln, die nun als Modell dienen.
Dabei handelt es sich um Handlungsabläufe, die zwar die psychologischen Funktionen eines klassischen Rituals (Halt, Orientierung, Struktur) erfüllen, jedoch keinen explizit kirchlichen oder religiösen Ursprung oder Zweck mehr haben.
Medien fungieren als "Teil des Rituals", indem sie bei Krisen oder dem Tod prominenter Personen eine kollektive Anteilnahme inszenieren und so ein Gefühl von Einheit und Zusammenhalt in einer anonymen Gesellschaft stiften.
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