Examensarbeit, 2011
71 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Literaturhistorische Entwicklung der Werte in der Kinder- und Jugendliteratur
3 Krimis für Kinder und Jugendliche
3.1 Literarische Merkmale
3.2 Typologie
4 Ausgewählte Kinderkrimis – eine Analyse
4.1 Emil und die Detektive (1929) von Erich Kästner
4.1.1 Detektivroman, Kriminalroman oder Thriller – Gemeinsamkeiten und Grenzen
4.2 Beschützer der Diebe (1994) von Andreas Steinhöfel
4.2.1 Detektivroman, Kriminalroman oder Thriller – Gemeinsamkeiten und Grenzen
5 Moralentwicklung und Sozialisation
5.1 Werte und Moralvorstellungen – Zur Begrifflichkeit
5.2 Die kognitive Theorie der Moralentwicklung nach Kohlberg
5.2.1 Die Rolle moralischer Gefühle in der Moralentwicklung
5.2.2 Die Bedeutung sozialer Erfahrungen für die moralische Entwicklung
6 Literarische Vermittlung von Werten und Moralvorstellungen – ein Vergleich
6.1 Vermittlung von Werten und Moralvorstellungen über produktionsästhetische Aspekte
6.1.1 Handlung
6.1.2 Figuren
6.1.3 Handlungsraum
6.1.4 Erzählinstanz
6.2 Vermittelte Werte und Moralvorstellungen
6.2.1 Gerechtigkeit
6.2.2 Freundschaft
6.2.3 Liebe
6.2.4 Toleranz
7 Andreas Steinhöfel – ein Erbe Kästners?
8 Schluss
Diese Arbeit untersucht, wie das Genre des Kinderkrimis als Medium zur Vermittlung von Werten und Moralvorstellungen eingesetzt wird. Anhand der Werke "Emil und die Detektive" von Erich Kästner und "Beschützer der Diebe" von Andreas Steinhöfel wird analysiert, inwiefern diese Vorstellungen einem historischen Zeitgeist unterliegen, wie gesellschaftliche Strukturveränderungen Wertverschiebungen bedingen und welche Rolle Bildung sowie Sozialisation in der Entwicklung von Kindern spielen.
6.1.1 Handlung
Das Erfassen der Handlung in narrativen Texten gilt als Grundvoraussetzung für das Verstehen literarischer Texte. Nur auf dieser Basis ist es möglich, die über die Literatur vermittelten Werte und Moralvorstellungen zu verstehen und gegebenenfalls der eigenen Einstellung anzupassen. Insgesamt handelt es sich um zwei verschiedene Prozesse, die innerhalb dieses Verstehensprozesses miteinander verflochten sind. Zum einen lässt sich die „Oberflächenstruktur“ des Textes ausmachen. Sie umfasst, was sich dem Leser unmittelbar darbietet. Inmitten dieser Darstellungsebene ist ein Zusammenspiel von Figuren und Handlungen erkennbar. In einem weiteren Schritt stellt sich die Frage, welche verallgemeinerbaren Muster oder Strukturen sich hinter dieser Oberflächenstruktur verbergen. Auf diese Weise wird die „Tiefenstruktur“ des Textes sichtbar, deren Zweck einerseits darin begründet liegt, „universelle Handlungsmuster“ ausfindig zu machen. Andererseits gelten diese Handlungsmuster gleichermaßen als fundamental für das Erfassen von Werten und Moralvorstellungen, denn über ihre Strukturen deuten sie immer auch auf einen bestimmten „Ausschnitt von Wirklichkeit“ innerhalb eines konkreten historischen Zeitpunktes hin, wodurch spezifische Haltungen oder Einstellungen einer Gesellschaft deutlich werden.
Als „universelles Handlungsmuster“ fungiert in beiden Kinderkrimis die Kriminalhandlung. Sie gilt als Grundlage für die moralische Diskussion um Strafe und Gerechtigkeit. Über den Handlungsstrang der Verfolgungsjagd, der sich als Kern der Kriminalhandlung erweist, werden Werte und Moralvorstellungen wie Freundschaft, Vertrauen, Solidarität und Hilfsbereitschaft vermittelt. Im Gegensatz zu Kästner nutzt Steinhöfel im Beschützer der Diebe verschiedene Parallelhandlungen, um literarische Themen in Bezug auf ihren moralischen Wert innerhalb der Gesellschaft darzustellen. In diesem Sinne beleuchtet er eindringlich die Rolle von Außenseitern in der Gesellschaft oder die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern. In Tradition der Aufklärung thematisiert Kästner natürlich auch die Belange von Kindern und glaubt mehr an ihre „moralische Integrität“ als an die der Erwachsenen, jedoch mit dem Unterschied, dass er seine moralischen Unterweisungen nicht über Neben- oder Parallelhandlungen vermittelt, sondern sie innerhalb einer einsträngigen Handlung im direkten Handlungsgeschehen zum Ausdruck bringt.
Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Vermittlung von Werten im Kinderkrimi und erläutert den methodischen Ansatz des Vergleichs zwischen Kästner und Steinhöfel.
Literaturhistorische Entwicklung der Werte in der Kinder- und Jugendliteratur: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss über die Veränderung von Kindheitsbildern und Erziehungsansprüchen sowie den Wandel von Pflicht- zu Selbstentfaltungswerten.
Krimis für Kinder und Jugendliche: Hier werden theoretische Grundlagen des Krimi-Genres geklärt, literarische Merkmale definiert und eine Typologie erarbeitet, die als Basis für die Analyse dient.
Ausgewählte Kinderkrimis – eine Analyse: Die Werke werden inhaltlich skizziert und hinsichtlich ihrer kriminalliterarischen Erscheinungsform als Detektivroman, Kriminalroman oder Thriller eingeordnet.
Moralentwicklung und Sozialisation: Dieses Kapitel erläutert die Theorie der Moralentwicklung nach Kohlberg und setzt diese in Bezug zu Prozessen der Internalisierung und Sozialisation.
Literarische Vermittlung von Werten und Moralvorstellungen – ein Vergleich: Der Hauptteil vergleicht die produktionsästhetischen Aspekte (Handlung, Figuren, Raum, Erzählinstanz) und die vermittelten Werte (Gerechtigkeit, Freundschaft, Liebe, Toleranz) der beiden Romane.
Andreas Steinhöfel – ein Erbe Kästners?: Das Kapitel bewertet, inwieweit Steinhöfel als Nachfolger des "Moralisten" Kästner gesehen werden kann und wie er dessen Tradition fortführt oder modernisiert.
Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Kinderkrimis Spiegel gesellschaftlicher Realität sind und eine wichtige pädagogische Funktion bei der Entwicklung einer eigenen Weltanschauung einnehmen.
Kinderkrimi, Erich Kästner, Andreas Steinhöfel, Wertevermittlung, Moralentwicklung, Lawrence Kohlberg, Sozialisation, Literaturdidaktik, Detektivroman, Kriminalroman, Thriller, Freundschaft, Gerechtigkeit, Kinderliteratur, pädagogische Funktion.
Die Arbeit analysiert die literarische Vermittlung von Werten und Moralvorstellungen im Genre des Kinderkrimis anhand von zwei zeitlich unterschiedlichen Schlüsselwerken.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Kinderliteratur, der Typologie des Krimis, der kognitiven Theorie der Moralentwicklung nach Kohlberg sowie der Analyse von Figuren und Erzählstrukturen.
Ziel ist es, zu zeigen, wie Autoren das Genre des Kinderkrimis nutzen, um moralische Werte zu transportieren und wie sich diese Vermittlung im Hinblick auf den gesellschaftlichen Wandel verändert hat.
Die Autorin verwendet eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf fachdidaktische und sozialpsychologische Theorien zur Moralentwicklung.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse von Handlung, Figurenkonzeption, Handlungsräumen und der Erzählinstanz in den beiden ausgewählten Romanen.
Wesentliche Begriffe sind "Kinderkrimi", "Moralentwicklung", "Sozialisation", "Wertevermittlung" und der Vergleich zwischen klassischer und moderner Kinderliteratur.
Während die Polizei bei Kästner als respektvolle und positive Institution dargestellt wird, wird sie bei Steinhöfel als desinteressiert an der Lebenswelt der Kinder kritisiert, was die Kinder dazu zwingt, selbst zu handeln.
Steinhöfel thematisiert Anderssein nicht nur als Reflexion von gesellschaftlichen Normen, sondern nutzt es, um für das Recht auf Individualität, Selbstverwirklichung und Toleranz, etwa gegenüber Homosexualität, zu plädieren.
Das Schuldgefühl bei Emil wird als Motiv der Moralität gedeutet, das zeigt, wie soziale Normen und die Angst vor Enttäuschung der Mutter die psychische Entwicklung des Kindes beeinflussen.
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