Examensarbeit, 2011
83 Seiten, Note: 1,5
Einleitung
Kohlbergs Theorie der Entwicklung moralischer Urteilsfähigkeit
1. Stufen der Moralentwicklung
1.1. Voraussetzungen moralischen Urteilens
1.2. Entwicklungsniveaus
1.2.1. Das präkonventionelle Urteilsniveau
1.2.2. Das konventionelle Urteilsniveau
1.2.3. Das postkonventionelle Urteilsniveau
1.3. Weitere definitorische Merkmale
1.4. Moralische Orientierungen innerhalb der Stufen
1.5. Zur Angemessenheit des Stufenmodells
1.6. Entwicklungsstimulierende Faktoren
2. Moralisches Urteilen und Handeln
2.1. Unterscheidung von deontischem Urteil und Verantwortungsurteil
2.2. Vorhersage moralischen Verhaltens
3. Weiterentwicklung und Rekonzeptualisierung
3.1. Moralisches Urteilen und Handeln
3.2. Soziomoralische Wissenssysteme und Selbst
3.3. Moralisches Wissen und moralische Motivation
3.4. Die Sozialwelt der Kinder
4. Moralphilosophische und soziologische Grundannahmen
4.1. Kohlbergs strikter Universalismus
4.2. Weiterentwicklung: Der eingeschränkte Universalismus
II. Kohlbergs moralpädagogischer 'Just-Community'-Ansatz
5. Der progressive und diskursive Ansatz der Moralerziehung
6. Die Just-Community-Schule
6.1. Grundgedanken und Ziele
6.2. Die Struktur einer Just-Community-Schule
6.2.1. Minimalbedingungen
6.2.2. Exkurs: Dilemmadiskussionen
6.3. Demokratieform und Gerechte Schulgemeinschaft
6.4. Sozialisatorische Relevanz
6.5. Möglichkeiten und Grenzen des Ansatzes
7. Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
8. Ausblick
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Kohlbergsche Formel „Entwicklung als Ziel der Erziehung“ wissenschaftlich zu explizieren, zu kritisch zu hinterfragen und ihren Bezug zu zeitgemäßen pädagogischen Ansätzen, insbesondere dem „Just-Community“-Modell, herauszuarbeiten.
Die Just-Community-Schule
In den beginnenden 70er Jahren begann eine Gruppe von Lehrern um Kohlberg dessen Erziehungskonzept, Entwicklung als Ziel der Erziehung, in Unterrichtsversuchen mit intensiver Dilemmadiskussion umzusetzen, doch wurde die bloße Stimulierung einer höheren Stufe des moralischen Urteils (i.S. der +1-Konvention) als zu eng empfunden, da sich dies auf bloße Zunahme moralreflexiver Kompetenz beschränkt und nicht zwangsläufig ein besseres Verhalten mit sich bringt. Zudem ist, solange nur über fiktive Konflikte gesprochen wird, nicht die ganze Person des Schülers angesprochen, so kann bei einem Dilemma einseitige Problemlösung stattfinden, d.h. von nur einem Standpunkt aus, im Falle eines konkreten Schulkonfliktes jedoch gibt es keine Lösung ohne diskursiven Einbezug aller Betroffenen, keinen fühlbaren Fortschritt ohne Rollenübernahme.
Power, Higgins und Kohlberg (1989: 7-62) zeigten zudem, dass sich viele Lehrer entmutigen ließen und das Programm früh abbrachen, da sich der Stufenzuwachs nicht sofort einstellte (merkbare Zuwächse sind frühestens in einem Zeitraum von drei Monaten zu erwarten). Aus diesen Gründen verlor die ausschließlich ‚innere’ Schulreform an Überzeugungskraft, zudem gelangte Kohlberg zu einem umfassenderen moralischen Erziehungskonzeptes mittels Erfahrungen, die er im Zeitraum von 1969 bis 1973 machte: Besuche in Kibbuzniks und vor allen Dingen seine Auseinandersetzung mit Schriften Deweys und Durkheims (vgl. Oser/Althof, 1992: 339f.). Aufgrund dessen, dass moralisches Handeln vor allen Dingen im Kontext von Gruppen stattfindet, der die individuellen Entscheidungen der Akteure beeinflusst, und das Gruppenklima die Qualität der Urteile prägt (vgl. Kap. 1.6), war für Kohlberg folgerichtig, dass sich moralische Erziehung nicht auf die Förderung individueller Kompetenzen beschränken darf und ebenso einem Rahmen für moralische Lernprozesse in der Gruppe bedarf.
1. Stufen der Moralentwicklung: Erläutert die kognitive Stufentheorie Kohlbergs, die Voraussetzungen des moralischen Urteilens und die verschiedenen Entwicklungsniveaus von der prä- bis zur postkonventionellen Stufe.
2. Moralisches Urteilen und Handeln: Untersucht die theoretische Verbindung zwischen kognitivem Urteil und praktischem Handeln sowie die Rolle der Verantwortlichkeit.
3. Weiterentwicklung und Rekonzeptualisierung: Diskutiert kritische Ergänzungen zur Theorie, insbesondere hinsichtlich des Selbstkonzepts, der moralischen Motivation und der sozialen Welt von Kindern.
4. Moralphilosophische und soziologische Grundannahmen: Behandelt die philosophischen Wurzeln des Kohlbergschen Universalismus durch Rückgriffe auf Kant, Rawls und Habermas.
5. Der progressive und diskursive Ansatz der Moralerziehung: Stellt den progressiven Ansatz Kohlbergs anderen pädagogischen Modellen gegenüber und betont die Notwendigkeit von Demokratie als Erziehungsziel.
6. Die Just-Community-Schule: Detaillierte Darstellung des schulorganisatorischen Konzepts der „Gerechten Gemeinschaft“ und deren institutionelle Anforderungen sowie die Methode der Dilemmadiskussion.
7. Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse: Synthese der zentralen Argumente zur moralischen Entwicklung und deren pädagogischen Implikationen.
8. Ausblick: Kritische Reflexion der Übertragbarkeit dieser Ansätze auf das heutige Regelschulsystem und die Bedeutung demokratischer Schulentwicklung.
Moralentwicklung, Kohlberg, Just Community, moralisches Urteil, Gerechtigkeit, soziale Perspektive, Rollenübernahme, Moralerziehung, Demokratie, Partizipation, Diskurs, moralische Atmosphäre, moralisches Handeln, Konstruktivismus, Verantwortung.
Die Arbeit analysiert Kohlbergs Theorie der moralischen Entwicklung und untersucht, wie diese als pädagogisches Ziel zur Förderung der Mündigkeit und demokratischen Teilhabe von Heranwachsenden umgesetzt werden kann.
Zentrale Felder sind die psychologische Stufentheorie der Moralentwicklung, die philosophische Begründung von Gerechtigkeit, sowie deren konkrete Anwendung in schulischen Kontexten (Just-Community-Schulen).
Ziel ist es, die Kohlbergsche Formel „Entwicklung als Ziel der Erziehung“ zu explizieren und zu prüfen, inwieweit sie durch ein demokratisches Schulleben praktisch realisierbar ist.
Es handelt sich um eine theoretisch-rekonstruktive Arbeit, die auf einer umfassenden Analyse entwicklungspsychologischer Literatur sowie erziehungswissenschaftlicher Diskurse und Studien basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der moralpsychologischen Grundlagen, der philosophischen Fundierung und der praktischen Umsetzung des Just-Community-Ansatzes inklusive der kritischen Diskussion seiner Anwendbarkeit.
Moralentwicklung, Kohlberg, Just Community, Gerechtigkeit, Partizipation, Diskurs und moralische Urteilsfähigkeit sind die prägenden Begriffe.
Sie dienen als Methode zur Stimulierung kognitiver Konflikte bei Schülern, um diese anzuregen, ihr moralisches Denken auf die nächsthöhere Stufe zu entwickeln und Perspektivenwechsel einzuüben.
Da der Erwerb von Wissen über Moral nicht linear mit moralischem Handeln korreliert. Echtes moralisches Lernen erfordert aktive Erfahrung, Partizipation und die praktische Auseinandersetzung mit realen Konflikten im sozialen Raum der Schule.
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