Forschungsarbeit, 1985
29 Seiten, Note: sehr gut
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Exemplarische Analyse: Friedrich Schiller Der versöhnte Menschenfeind (1790)
Die Arbeit analysiert die Theorie des Dramas der Aufklärung durch die Untersuchung ausgewählter Werke, insbesondere unter Berücksichtigung der dramaturgischen Ansätze von Friedrich Schiller sowie der Rezeption und Transformation zentraler Themen wie Freiheit, Moral und gesellschaftlicher Konflikte im 18. Jahrhundert.
Exemplarische Analyse: Friedrich Schiller Der versöhnte Menschenfeind (1790)
Im elften Heft seiner Zeitschrift Thalia veröffentlicht Schiller 1790 unter dem Titel Der versöhnte Menschenfeind dramatische Szenen, die schon vor mehreren Jahren angefangen, aber aus verschiedenen Ursachen unvollendet geblieben sind. Ein nicht unvermögender Edelmann hat sich mit seiner Tochter aus der Welt in ein stilles Thal geflüchtet: er hatte viel erfahren von Menschen, viel von schlecht belohnten Erwartungen, viel gescheiterte Plane.
Er ist zum Menschenfeind aus Überzeugung geworden; das verhindert nicht, daß er zugleich utopisches Muster eines aufgeklärten Feudalherren ist. Er hat für seine Unterthanen das Joch der Leibeigenschaft zerbrochen, er erläßt der Dorfgemeinschaft Schulden von 2900 Gulden, die er als Darlehen nach der großen Waßersnoth von 1784 gewährt hatte. Er hat die Wildnis zum Paradies gemacht. Er verbessert die physischen und moralischen Angelegenheiten. So können die ehemaligen Untertanen, die zum 50. Geburtstag gratulieren, sagen: Ihre Vorfahren haben uns dem Vieh auf unseren Feldern gleich gehalten. Sie haben uns zu Menschen gemacht.
Zugleich zwingt er seiner Tochter, die in Liebe zu einem nachbarlichen Gutsbesitzer entbrannt ist, das Versprechen ab, niemals, auch nach seinem Tode nicht, zu heiraten. Ein Versprechen, das ein Verbrechen ist und in Widerspruch steht zu seinem sonstigen aufgeklärten verhalten. Damit bricht das Fragment, das sich sehr spannend liest, leider ab; indes dürfte der weitere Gang extrapolierbar sein; heißt es doch: der versöhnte Menschenfeind. Die Szenen, im Thalia Druck rund 40 Seiten, stammen aus einem Schau- oder gar Lustspiel. Der alte misanthropische Vater wird nach alter Komödientradition umgestimmt, das Schlußtableau vereinigt das liebende Paar, der Vorhang fällt unter dem Vivat der Dorfbewohner.
(1): Dieses Kapitel beleuchtet den Übergang vom barocken Trauerspiel zur Aufklärung und analysiert Gottscheds Reformbestrebungen sowie deren theoretische und praktische Widersprüche.
(2): Der Fokus liegt hier auf der Entwicklung des bürgerlichen Trauerspiels, dessen Funktion als Forum für gesellschaftliche Selbstbewusstwerdung und die damit verbundene Symbolik.
(3): Dieses Kapitel untersucht Leisewitz' „Julius von Tarent“ als wesentlichen Einflussfaktor und Toposkatalog für Schillers frühe Dramen sowie die Thematisierung von Herrschaft und gesellschaftlichen Affektstrukturen.
(4): Hier wird die dramenpoetische Reflexion des 18. Jahrhunderts thematisiert, insbesondere die Stilisierung als ästhetisches Prinzip und das Drama als öffentliche Anstalt.
Exemplarische Analyse: Friedrich Schiller Der versöhnte Menschenfeind (1790): Dieses Kapitel widmet sich der detaillierten Untersuchung des unvollendeten Fragments von Schiller und analysiert die enthaltenen Motive im Kontext seiner späteren Dramaturgie.
Aufklärung, Trauerspiel, Dramentheorie, Friedrich Schiller, Bürgerliches Drama, Stilisierung, Poetik, Ästhetik, Vernunft, Gesellschaftskritik, Moral, Leisewitz, Gottsched, Klassik, Affektstruktur.
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Theorie des Dramas im 18. Jahrhundert mit einem besonderen Fokus auf die dramaturgischen Ansätze von Friedrich Schiller.
Zu den zentralen Themen gehören der Wandel des Trauerspiels, das bürgerliche Klassenbewusstsein, das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft sowie die ästhetische Funktion des Theaters.
Das Ziel ist es, die theoretische Fundierung des Dramas der Aufklärung durch die Analyse spezifischer Dramen und poetologischer Schriften der Zeit nachzuzeichnen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche, interpretative Methode angewandt, die sowohl die Texte der Dramen als auch zeitgenössische theoretische Reflexionen und sozialgeschichtliche Kontexte einbezieht.
Der Hauptteil behandelt die Reformbemühungen durch Gottsched, das bürgerliche Trauerspiel, den Einfluss von Leisewitz auf Schiller und die Bedeutung von Stilisierung und Reflexion im Drama.
Wichtige Begriffe sind Stilisierung, Aufklärung, bürgerliches Trauerspiel, Affektstruktur, Nemesis und die poetologische Reflexion der Zeit.
Gottsched wird als Vertreter einer autoritätsgläubigen und regelorientierten Poetologie eingeführt, deren Beschränktheit jedoch in einer kritischen Analyse seiner eigenen dramatischen Praxis kontrastiert wird.
Das Werk wird als Fragment analysiert, in dem Schiller bereits zentrale Motive seines späteren Schaffens erprobt und an den Spannungen zwischen Rationalität und affektiver Dissonanz arbeitet.
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