Magisterarbeit, 1998
80 Seiten, Note: 1.5
1. Grundlagen
1.1. Bestandteile von Jahresabschlüssen
1.2. Funktionen von Jahresabschlüssen
1.3. Verhältnis zwischen Bilanzpolitik und Bilanzanalyse
1.4. Handelsbilanz vs. Steuerbilanz
1.5. Bewertungsgrundsätze
1.6. Die Rolle der Professionellen
2. Der internationale Kontext
2.1. Der Einfluß europäischer Gesetzgebung auf die nationalen Rechnungslegungsvorschriften in Deutschland und Frankreich
2.1.1. Die Umsetzung der EG-Richtlinien in Deutschland
2.1.2. Die Umsetzung der EG-Richtlinien in Frankreich
2.1.3. Ergebnis der EG-Richtlinien zum Bilanzrecht
2.2. Angloamerikanische Einflüsse
3. Ein Vergleich deutscher und französischer Jahresabschlüsse
3.1. Publizitätspflichten
3.2. Die Bewertung
3.2.1. Die Anschaffungskosten (coûts d’acquisition)
3.2.2. Die Herstellungskosten (coûts de production)
3.2.3. Bewertungsvereinfachungsverfahren
3.2.4. Abschreibungen
3.2.5. Die Neubewertung in Frankreich
3.3. Die Beständebilanz
3.3.1. Die Aktivposten
3.3.1.1. Der Posten "Immaterielle Vermögensgegenstände" (Immobilisations incorporelles)
3.3.1.2. Die Rechnungsabgrenzungsposten (Comptes de régularisation- Actif)
3.3.2. Die Passivposten
3.3.2.1. Das Eigenkapital (Capitaux propres)
3.3.2.2. Der „Sonderposten mit Rücklageanteil“
3.3.2.3. Rückstellungen (Provisions)
3.3.2.4. Die Rechnungsabgrenzungsposten (Comptes de régularisation- Passif)
3.4. Die Erfolgsbilanz (Gewinn- und Verlustrechnung)
3.4.1. Staffel- vs. Kontoform
3.5. Die Organisation des Unternehmens
4. Interpretation ausgewählter Jahresabschlüsse
4.1. BBS
4.1.1. Gewinnherkunft
4.1.2. Gewinnverwendung
4.1.3. Steuern
4.2. Michelin
4.2.1. Gewinnherkunft
4.2.2. Gewinnverwendung
4.2.3. Steuern
5. Fazit
6. Glossar
Die Arbeit analysiert und vergleicht handelsrechtliche Jahresabschlüsse großer deutscher und französischer Kapitalgesellschaften. Ziel ist es, trotz der Harmonisierung innerhalb der Europäischen Union bestehende wesentliche Unterschiede in den Bilanzierungsvorschriften, Bewertungsmethoden und der Ausweisungsstruktur aufzuzeigen und deren Auswirkungen auf die Bilanzanalyse qualitativ zu interpretieren.
3.2.1. Die Anschaffungskosten (coûts d’acquisition)
Die Anschaffungskosten umfassen den Anschaffungspreis und die Anschaffungsnebenkosten, die zur Herstellung der Betriebsbereitschaft des Vermögensgegenstandes notwendig sind. Hierzu gehören Transport-, Versicherungs-, Installations und Montagekosten. Anschaffungspreisminderungen (Skonti, Rabatte) werden allerdings in Deutschland abgezogen (vgl. § 255 Abs. 1 HGB), während sie in Frankreich Finanzerträge darstellen, die ceteris paribus dann versteuert werden (vgl. Klee: 287). Dies kann schon zu unterschiedlichen Wertansätzen bei den Anschaffungskosten in Deutschland und Frankreich führen.
In Deutschland können (Wahlrecht) die Anschaffungskosten durch die Übertragung von stillen Rücklagen unterschritten werden und zu sogenannten fiktiven Anschaffungskosten führen, die sich dann erheblich von französischen Anschaffungskosten unterscheiden. Steuerfreie Rücklagen können gebildet werden für (1) Veräußerungsgewinne nach § 6 b EStG (2) Ersatzbeschaffung nach R 35 EStR (3) Investitionen oder Zuschüsse nach § 3 Abs. 2a ZRFG oder R 34 Abs. 4 EStR.
Diese „eigentlich nur steuerrechtlichen Wahlrechte“ dürfen über den § 254 HGB auch in der Handelsbilanz genutzt werden (vgl. § 254 HGB). Grundsätzlich unterliegen solche Gewinne auch im Jahr der Entstehung der Besteuerung. Von diesem Grundsatz der periodengerechten Besteuerung darf aber aus steuerpolitisch gewollten Gründen abgewichen werden (vgl. Hilke: 97).
1. Grundlagen: Erläuterung der akademischen Grundlagen der internationalen Bilanzierung und der allgemeinen Funktionen von Jahresabschlüssen.
2. Der internationale Kontext: Untersuchung des Einflusses der europäischen Gesetzgebung auf die nationale Rechnungslegung und Betrachtung angloamerikanischer Einflüsse.
3. Ein Vergleich deutscher und französischer Jahresabschlüsse: Detaillierte Darstellung der Hauptunterschiede in Bewertung, Bilanzstruktur und Erfolgsrechnung, trotz Harmonisierung.
4. Interpretation ausgewählter Jahresabschlüsse: Anwendung der Erkenntnisse auf konkrete Praxisbeispiele (BBS und Michelin) zur Analyse von Gewinnverlauf und Bilanzpolitik.
5. Fazit: Zusammenfassende Gegenüberstellung der wesentlichen Unterschiede in Bewertung und Bilanzposten sowie Hinweis auf die Notwendigkeit einer sachkundigen Bilanzanalyse.
6. Glossar: Hilfreiches Verzeichnis für die Übersetzung und das Verständnis französischer Rechnungslegungsbegriffe.
Rechnungslegung, Jahresabschluss, Bilanzpolitik, Bilanzanalyse, Deutschland, Frankreich, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Bewertungsgrundsätze, Eigenkapital, Rückstellungen, G+V, Harmonisierung, Kapitalkontenplan, Konzernabschluss.
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem kontrastiven Vergleich von handelsrechtlichen Jahresabschlüssen großer deutscher und französischer Kapitalgesellschaften des Jahres 1996.
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen der Rechnungslegung, den Auswirkungen der europäischen Gesetzgebung, den spezifischen Bewertungsunterschieden (z.B. Herstellungskosten, Abschreibungen) und der verschiedenen Bilanzierungskulturen beider Länder.
Das Ziel ist es, die Hauptunterschiede in der Rechnungslegung aufzuzeigen, die trotz der EU-Harmonisierung bestehen, um Bilanzanalysten eine fundiertere Interpretation der Abschlüsse in beiden Ländern zu ermöglichen.
Es handelt sich um eine qualitative, rechtsvergleichende und kontrastive Analyse der Rechnungslegungsvorschriften, ergänzt durch die Auswertung beispielhafter Jahresabschlüsse aus der Praxis.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Publizitätspflichten, die Bewertung von Aktiva und Passiva, die Struktur von Gewinn- und Verlustrechnungen sowie den Einfluss der Unternehmensorganisation auf die Bilanz.
Rechnungslegung, Bilanzanalyse, Bilanzpolitik, Kapitalkontenplan, Bewertungsgrundsätze, Eigenkapital, Rückstellungen, EU-Harmonisierung.
In Deutschland haben Rückstellungen eine deutlich größere Bedeutung und machen einen höheren Anteil an der Bilanzsumme aus, da sie zum Fremdkapital zählen. In Frankreich werden deutlich weniger Rückstellungen, insbesondere im Pensionsbereich, gebildet.
Die Möglichkeit der Neubewertung in Frankreich bricht mit dem in Deutschland strengen Prinzip der Anschaffungskosten, was zu einer tendenziell höheren Bewertung des Anlagevermögens und einer anderen Eigenkapitalstruktur bei französischen Unternehmen führt.
Dieser deutsche Bilanzposten fasst steuerfreie Rücklagen und steuerrechtliche Mehrabschreibungen zusammen, die in Frankreich in anderen Eigenkapitalposten oder Rücklagen ausgewiesen werden, was die direkte Vergleichbarkeit der Eigenkapitalquoten erschwert.
Der Autor konstatiert, dass das Ziel einer EG-weiten Harmonisierung der Einzelabschlüsse weitgehend fehlgeschlagen ist, da die zahlreichen Wahlrechte in den EG-Richtlinien es den Mitgliedstaaten ermöglichten, an traditionellen nationalen Rechnungslegungsgewohnheiten festzuhalten.
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