Diplomarbeit, 1998
73 Seiten, Note: 1.7
1. Einleitung
1.1. Fragestellung: Bedeuten deutsche Direktinvestitionen im Ausland einen 'Arbeitsplatzexport'?
1.2. Vorgehensweise
2. Begriffliche Grundlagen der Direktinvestition
2.1. Definition
2.2. Erfassung und Aussagekraft von Direktinvestitionsdaten
2.3. Erfassung deutscher Direktinvestitionen
3. Zusammenhänge zwischen ausfließenden Direktinvestitionen und Beschäftigung
3.1. Theorie der Direktinvestition
3.1.1. Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen
3.1.2. Beschäftigungseffekte in einem Modell mit firmenspezifischen Vermögenswerten
3.1.3. Zur Aussagekraft des theoretischen Modells
3.2. Klassifikation von Motiven
3.2.1. Beschaffungs-, markt-, binnenmarkt- und kostenorientierte Direktinvestitionen
3.2.2. Beschäftigungseffekte
3.3. Ergebnisse
4. Beschäftigungseffekte ausfließender Direktinvestitionen in Deutschland
4.1. Die strukturelle Entwicklung deutscher Direktinvestitionen
4.1.1. Deutsche Direktinvestitionen im internationalen Zusammenhang
4.1.2. Die regionale Entwicklung deutscher Direktinvestitionen
4.1.3. Die sektorale Entwicklung deutscher Direktinvestitionen
4.2. Markt- und kostenorientierte Direktinvestitionen im Spiegel von Unternehmensbefragungen
4.3. Ökonometrische Analyse markt- und kostenorientierter Direktinvestitionen
4.4. Direktinvestitionen und inländische Beschäftigung
4.5. Ergebnisse
5. Schlußbetrachtung und Schlußfolgerungen
Diese Arbeit untersucht die wirtschaftspolitisch kontroverse Frage, ob Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland zu einem „Export“ von Arbeitsplätzen führen oder ob sie lediglich Symptom eines breiteren Strukturwandels sind. Ziel ist es, durch eine theoretische Fundierung sowie eine empirische Analyse der Motive und Auswirkungen von Direktinvestitionen die Beschäftigungseffekte auf den inländischen Standort zu bestimmen.
3.1.1. Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen
Ausgangspunkt des OLI-Paradigmas ist die Betrachtung, daß ein Unternehmen durch den Aufbau einer Auslandsniederlassung einige inhärente Nachteile erfährt, welche die am ausländischen Markt etablierten heimischen Anbieter nicht besitzen. Nachteile für den ausländischen Newcomer entstehen insbesondere durch die Kosten der Informationsbeschaffung über institutionelle Rahmenbedingungen, Konsumentenpräferenzen und Marktstrukturen im Gastland sowie durch Kommunikationskosten (Hymer 1976, S. 34; Kindleberger 1969, S. 12).
Voraussetzung für eine Direktinvestition ist folglich, daß das ausländische Unternehmen die inhärenten Nachteile der Auslandsproduktion kompensieren kann. Weiterhin müssen spezifische Gründe dafür vorliegen, daß ein Unternehmen die Direktinvestition alternativen Formen des Auslandsengagements wie Exporten und der grenzüberschreitenden Lizenzvergabe vorzieht. Das OLI-Paradigma formuliert drei notwendige Bedingungen, die für die Vornahme von Direktinvestitionen erfüllt sein müssen: Ein Unternehmen muß zunächst einen firmenspezifischen Vorteil besitzen und durch die Direktinvestition einen standortspezifischen Vorteil und einen Internalisierungsvorteil realisieren.
(1) O - Ownership advantage
Die Existenz eines Eigentumsvorteils ist Voraussetzung dafür, daß ein Unternehmen über genügend Marktmacht im Wettbewerb mit ausländischen Unternehmen verfügt, um die inhärenten Nachteile in der Auslandsproduktion zu kompensieren. Eine große Erklärungskraft für die Bestimmung von Eigentumsvorteilen kommt der Verfügbarkeit besonderer firmenspezifischer Vermögenswerte zu. Hierunter ist die Ausstattung eines Unternehmens mit immateriellen wissensbasierten Aktiva zu verstehen ("intangible assets", "knowledge-based firm-specific assets"). Derartige firmenspezifische Vermögenswerte treten etwa in Form eines überlegenen technologischen, betriebswirtschaftlichen und Marketing-Know-Hows auf. Sie können auch in Form von Markennamen, Design und Reputation bestehen. Mit diesen spezifischen und insofern monopolistischen Werten verfügt ein Unternehmen über eine besondere Faktorausstattung, die ihm die Vornahme von Produktdifferenzierungen ermöglicht.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Debatte um den „Arbeitsplatzexport“ durch deutsche Direktinvestitionen ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2. Begriffliche Grundlagen der Direktinvestition: Hier werden Definitionen sowie die statistische Erfassung von Direktinvestitionen in Deutschland kritisch dargestellt.
3. Zusammenhänge zwischen ausfließenden Direktinvestitionen und Beschäftigung: Dieses Kapitel analysiert theoretisch die Motive von Direktinvestitionen und deren potenzielle Beschäftigungswirkungen.
4. Beschäftigungseffekte ausfließender Direktinvestitionen in Deutschland: Hier erfolgt die empirische, regionale und sektorale Untersuchung der deutschen Direktinvestitionen sowie eine ökonometrische Analyse.
5. Schlußbetrachtung und Schlußfolgerungen: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und leitet wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen ab.
Direktinvestitionen, Arbeitsplatzexport, Standortflucht, OLI-Paradigma, Multinationale Unternehmen, Beschäftigungseffekte, Verarbeitendes Gewerbe, Markt- und kostenorientierte Motive, Standortwettbewerb, Außenwirtschaft, Kapitalströme, Bestandsstatistik, Transferstatistik, Produktionsverlagerung.
Die Arbeit untersucht, ob der Anstieg deutscher Direktinvestitionen im Ausland direkt zu einem Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland („Arbeitsplatzexport“) führt oder ob diese Investitionen eher mit anderen strategischen Unternehmenszielen verknüpft sind.
Zentrale Themen sind die theoretischen Erklärungsansätze für Direktinvestitionen, die statistische Erfassung der Kapitalströme, die empirische Entwicklung der Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen sowie deren Einfluss auf die inländische Beschäftigung.
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, inwieweit die These der „Standortflucht“ und des daraus resultierenden Arbeitsplatzabbaus wissenschaftlich durch Daten belegbar ist.
Die Arbeit kombiniert theoretische Herleitungen (OLI-Paradigma) mit einer empirischen Auswertung amtlicher Statistiken sowie einem ökonometrischen Fehlerkorrekturmodell zur Analyse langfristiger Zusammenhänge.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Klassifikation von Motiven für Direktinvestitionen und eine umfangreiche empirische Analyse der deutschen Investitionsaktivitäten im internationalen Vergleich.
Wesentliche Begriffe sind Direktinvestitionen, OLI-Paradigma, Arbeitsplatzexport, internationale Arbeitsteilung und Standortwettbewerb.
Die Arbeit zeigt, dass markt- und beschaffungsorientierte Investitionen oft komplementär zur inländischen Produktion stehen, während kostenorientierte Investitionen theoretisch eher substitutiv wirken könnten, was jedoch empirisch differenziert betrachtet werden muss.
Die Arbeit weist explizit auf die Schwierigkeiten der statistischen Erfassung hin, insbesondere auf die Unterschiede zwischen Transferstatistik, Zahlungsbilanzstatistik und Bestandsstatistik, die eine eindeutige empirische Aussage erschweren.
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