Diplomarbeit, 1997
72 Seiten, Note: 2.3
1. Einführung
2. Die Körperschaftsteuer in der EU – der Status quo
2.1. Die Körperschaftsteuer
2.2. Die Steuersysteme der EU-Staaten
2.3. Die Bemessungsgrundlagen in der EU
2.4. Fazit
3. Steuerinduzierte Verzerrungen der Kapitalallokation
3.1. Methoden
3.1.1. Marginale effektive Gesamtsteuerspannen und Kapitalkosten
3.1.2. Marginale effektive Gesamtsteuersätze
3.2. Inländische Investitionen
3.3. Ausländische Investitionen
3.3.1. Ausländische Direktinvestitionen
3.3.2. Ausländische Portfolioinvestitionen
3.4.Fazit
4. Der Ruding Bericht-Leitlinien für die Zukunft ?
4.1. Das Ruding Komitee und sein Auftrag
4.2. Die Erkenntnisse des Ruding Komitees
4.2.1. Die Bedeutung von Steuern für Unternehmen
4.2.2. Der Standpunkt der Geschäftswelt
4.2.3. Die Harmonisierung und ihre Kriterien
4.3. Subsidiarität
4.4. Die Vorschläge des Ruding Komitees
4.4.1. Körperschaftsteuersysteme
4.4.2. Körperschaftsteuersätze
4.4.3. Körperschaftsteuerbemessungsgrundlage
4.5. Kritik am Ruding Bericht
4.6. Fazit
5. Alternativen zu den Vorschlägen des Ruding Komitees
5.1. Steuerwettbewerb
5.2. Unitary Taxation
5.3. Cash-flow Besteuerung und das ACE-System
5.3.1. Cash-flow-Steuer (CfS)
5.3.2. Das ACE-System
5.4. Fazit
6. Kanada – Vorbild für die EU?
7. Schlußfolgerungen
Die Arbeit analysiert, ob die Europäische Union eine harmonisierte Körperschaftsteuer benötigt, um Wettbewerbsverzerrungen innerhalb des Binnenmarktes zu beseitigen. Dabei wird untersucht, inwiefern unterschiedliche nationale Steuersysteme und Bemessungsgrundlagen die Kapitalallokation beeinflussen und welche Reformvorschläge, insbesondere der Ruding-Bericht, sowie alternative Ansätze zur Steuerung dieser Prozesse existieren.
4.2.3. Die Harmonisierung und ihre Kriterien
Nachdem wir etwas über die Harmonisierung gehört haben, ist erst einmal zu klären, was darunter zu verstehen ist. Tanzi/Bovenberg (1990, S. 142) definieren die Harmonisierung als Pozeß, der zu einer einheitlichen Ausrichtung der Steuersysteme der Mitgliedstaaten führt, so daß steuerliche Erwägungen nicht länger die Güter- und Produktionsfaktorenströme (einschließlich Portfoliokapital) in der Gemeinschaft beeinflussen. In die gleiche Richtung zielt die Interpretation des Ruding Komitees, welches unter Harmonisierung eine stärkere Annäherung der Steuerbemessungsgrundlagen, -sätze, -systeme, -aufkommen usw. der Mitgliedstaaten (Konvergenz) infolge von Maßnahmen der Gemeinschaftsorgane versteht. Ferner unterscheidet der Ruding Bericht zwischen vollständiger (d. h. gleiche Sätze, gleiche Systeme, etc.) und partieller Harmonisierung (d. h. lediglich Annäherung der Sätze, Systeme, etc.). Desweiteren ist eine Abgrenzung zum Begriff der Koordinierung erforderlich. Hierunter versteht man Länder- oder Gemeinschaftsmaßnahmen zur Beeinflussung der Steuerpraxis von Mitgliedstaaten (z. B. Richtlinien, Leitlinien, etc.). Das Gegenteil der Steuer-harmonisierung ist schließlich der Steuerwettbewerb. Hier soll die Konvergenz allein durch das Wirken der Marktkräfte realisiert werden.
1. Einführung: Beschreibt die historische Entwicklung des europäischen Binnenmarktes und die Relevanz steuerpolitischer Harmonisierung zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen.
2. Die Körperschaftsteuer in der EU – der Status quo: Erläutert die Grundlagen der Körperschaftsbesteuerung in den EU-Mitgliedstaaten und die bestehende Vielfalt an Steuersystemen und Bemessungsgrundlagen.
3. Steuerinduzierte Verzerrungen der Kapitalallokation: Analysiert mittels effektiver Steuersätze, wie unterschiedliche Steuerregelungen Investitionsentscheidungen und die Kapitalallokation sowohl national als auch international verzerren.
4. Der Ruding Bericht-Leitlinien für die Zukunft ?: Untersucht den Auftrag, die Erkenntnisse und die Empfehlungen des Ruding-Komitees zur Harmonisierung der Unternehmensbesteuerung sowie die daran geübte Kritik.
5. Alternativen zu den Vorschlägen des Ruding Komitees: Stellt alternative Besteuerungskonzepte wie den Steuerwettbewerb, die Unitary Taxation, die Cash-flow-Steuer und das ACE-System vor.
6. Kanada – Vorbild für die EU?: Prüft das kanadische föderale System mit seinem hohen Harmonisierungsgrad als mögliches Modell für die EU.
7. Schlußfolgerungen: Fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert mögliche Wege für eine Harmonisierung der Körperschaftsteuer in einem zusammenwachsenden Europa.
Körperschaftsteuer, Europäische Union, Steuerharmonisierung, Kapitalallokation, Ruding-Bericht, Wettbewerbsverzerrung, Unternehmensbesteuerung, Steuerwettbewerb, Unitary Taxation, Cash-flow-Steuer, ACE-System, Föderalismus, Doppelbesteuerung, Investitionsentscheidungen, Kapitalmobilität
Die Arbeit untersucht die Problematik der Körperschaftsbesteuerung im europäischen Binnenmarkt und analysiert, ob eine Harmonisierung notwendig ist, um steuerbedingte Wettbewerbsverzerrungen abzubauen.
Die zentralen Themen umfassen die Analyse nationaler Steuersysteme in der EU, die Auswirkungen der Besteuerung auf Kapitalströme sowie die Bewertung verschiedener Reformansätze zur Steuereinheitlichkeit.
Die Hauptfrage ist, ob die EU eine harmonisierte Körperschaftsteuer benötigt und wie ein effektives System gestaltet sein müsste, das sowohl Neutralität gewährleistet als auch die nationale Souveränität respektiert.
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse, die Auswertung von Simulationsmodellen und ökonometrischen Studien (insb. der OECD und des Ruding-Berichts) sowie auf einen rechtsvergleichenden Ansatz mit dem föderalen System Kanadas.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Status quo, die Darstellung von Kapitalallokationsverzerrungen, die detaillierte Analyse des Ruding-Berichts samt dessen Kritik sowie die Prüfung von Alternativen (z.B. ACE-System, Unitary Taxation).
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Körperschaftsteuer, Harmonisierung, Kapitalallokation, Steuerwettbewerb und Neutralität geprägt.
Das ACE-System ist laut Autor aus ökonomischer Sicht attraktiv, da es neutral gegenüber Investitionsentscheidungen und Finanzierungsformen ist, dabei jedoch weitgehend mit bestehenden Gewinnermittlungsmethoden kompatibel bleibt.
Kanada zeigt, dass durch die Kombination einer einheitlichen Steuerbasis und eines Zuweisungsschlüssels (formula apportionment) ein hoher Harmonisierungsgrad erreicht werden kann, ohne die finanzielle Unabhängigkeit der subnationalen Einheiten (Provinzen) vollständig aufzuheben.
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