Magisterarbeit, 1999
110 Seiten, Note: 1.5
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media
1 Einleitung
2 Umweltberichte als Gegenstand sprachwissenschaftlicher Betrachtungen
2.1 Interessenabhängiger Umgang mit Sprache
2.2 Vorhandene Untersuchungen zur Problematik
2.3 Begriffseinordnungen
3 Charakterisierung der Umweltberichte
3.1 Warum nimmt die Zahl der Umweltberichte seit einigen Jahren stark zu?
3.2 Abfälle, Emissionen, Gefahr und Risiko - Worum geht es in den Umweltberichten?
4 Die Methode der Korpuserstellung
4.1 Grundlage: Ein onomasiologisches Paradigma
4.2 Die praktische Ausführung
4.3 Sinn und Nutzen der Arbeitsweise
5 Die Auswahl der Berichte
6 Auswertung des Korpus
6.1 Vorgehen
6.2 Übersicht zu Stichwörtern und lexikalischen Elemente des Korpus
6.2.1 Liste der in allen vier untersuchten Berichten vorkommenden Stichwörter
6.2.2 Liste der weiteren in den untersuchten Berichten vorkommenden Stichwörter
6.2.3 Liste der nur in einem Bericht und dort auch nur einmal vorkommenden lexikalischen Elemente
6.3 Kampf mit Wörtern: Das „Begriffe besetzen“
6.4 „Begriffe besetzen“ in der Politik
6.5 „Begriffe besetzen“ in den Umweltberichten: Die Hochwertwörter Schutz und Sicherheit und ihre Vereinnahmung
6.6 Die semantische Aufladung bestimmter Stichwörter
6.7 Das Wortfeld „Gefährliche Situationen in einem Chemiebetrieb“
6.7.1 Theoretische Annäherung an den Begriff Wortfeld
6.7.2 Die Einteilung der Stichwörter in drei Gruppen zum Wortfeld „Gefährliche Situationen in einem Chemiebetrieb.“
6.7.3 Häufigkeit und Gruppenzugehörigkeit der Stichwörter des Wortfeldes
6.7.4 Euphemismen unter den Stichwörtern
6.8 Besonderheiten der einzelnen Berichte
6.8.1 Der BASF-Umweltbericht
6.8.2 Der Henkel-Umweltbericht
6.8.3 Der Schering-Umweltbericht
6.8.4 Der SOLVAY-Umweltbericht
7 Schlußbetrachtung
Diese Arbeit untersucht die sprachliche Selbstdarstellung der chemischen Industrie in Umweltberichten, mit einem Fokus auf die strategische Verwendung der Begriffe "Sicherheit", "Schutz", "Gefahr" und "Risiko". Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, wie Unternehmen durch eine gezielte Wortwahl ("Begriffe besetzen") und semantische Aufladung versuchen, ein positives Image aufzubauen und negative Assoziationen zu neutralisieren.
6.3 Kampf mit Wörtern: Das „Begriffe besetzen“
Genaugenommen ist chemische Industrie nur eine andere Bezeichnung für Sicherheit.
Daß dieser Satz durchaus im Wortlaut Realität werden könnte, ist so unwahrscheinlich nicht, wenn man an die Anzeigenkampagne der Bundesregierung und der Atomindustrie im Herbst 1997 denkt, als wiederholte „handgreifliche“ Demonstrationen beim Transport von radioaktiven Abfällen in Castor-Behältern nach einer Lösung verlangten. Sprachlich sah diese dann wie folgt aus: „Genaugenommen ist Castor nur ein anderes Wort für Vertrauen.“ Das war angesichts der Tatsachen lächerlich, und außerdem waren bestimmte kommunikative Vorarbeiten nicht geleistet worden, um selbst unter günstigen Umständen das ganz offensichtlich Unvereinbare wirksam zusammenführen zu können.
Was hinter der Entwicklung eines solchen Slogans stehen könnte, bringt die Metapher „Begriffe besetzen“ auf den Punkt. Auch die Umweltberichte lassen sich damit unter sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkten auswerten. Die Essenz, die alle Umweltberichte vermitteln wollen - schon wenn man nur die häufige Verwendung von Lexemen zu den lexikalischen Elementen Sicherheit und Schutz dafür als Maßstab nimmt - ist schließlich: „Chemische Industrie ist nur eine andere Bezeichnung für Sicherheit“.
Die Behauptung, daß die Vermittlung dieser Aussage ein großer Aufgabenteil der Umweltberichte ist, soll detailliert nachgewiesen werden.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Umwelt-/Ökologiethematik ein und definiert den Gegenstand der Untersuchung: die sprachliche Gestaltung von Umweltberichten der chemischen Industrie.
2 Umweltberichte als Gegenstand sprachwissenschaftlicher Betrachtungen: Dieses Kapitel erörtert den interessenabhängigen Umgang mit Sprache in der Unternehmenskommunikation und grenzt die Begriffe ab.
3 Charakterisierung der Umweltberichte: Es wird analysiert, warum die Anzahl der Umweltberichte steigt und welche Aspekte (z.B. Umweltschutz, Sicherheit) sie typischerweise thematisieren.
4 Die Methode der Korpuserstellung: Die Arbeit beschreibt das onomasiologische Paradigma, nach dem das Korpus für die Untersuchung erstellt wurde.
5 Die Auswahl der Berichte: Hier wird erläutert, nach welchen Kriterien die untersuchten Umweltberichte (BASF, Henkel, Schering, Solvay) ausgewählt wurden.
6 Auswertung des Korpus: Das Hauptkapitel analysiert die Wortwahl, das "Begriffe besetzen" und die semantische Aufladung bzw. Vermeidung bestimmter Begriffe in den Berichten.
7 Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die chemische Industrie gezielte sprachliche Selbstdarstellung betreibt, um Risiken zu minimieren und Sicherheit als zentrales Attribut zu besetzen.
Umweltberichte, Chemische Industrie, Sprachwissenschaft, Semantik, Begriffseinordnungen, Begriffe besetzen, Sicherheit, Schutz, Gefahr, Risiko, Wortfeld, Euphemismen, Unternehmenskommunikation, Onomasiologie, Textanalyse
Die Arbeit untersucht, wie die chemische Industrie in ihren Umweltberichten sprachliche Mittel einsetzt, um ein positives Unternehmensimage zu konstruieren und Assoziationen mit Risiken und Gefahren zu steuern.
Die zentralen Themen sind der sprachliche Umgang mit Sicherheit, Umweltschutz, industriellen Risiken und die strategische Besetzung von Wörtern, um die öffentliche Wahrnehmung positiv zu beeinflussen.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Umweltberichte nicht nur informieren, sondern als Instrumente der Unternehmenskommunikation dienen, um Begriffe wie "Sicherheit" und "Schutz" strategisch zu vereinnahmen.
Die Autorin verwendet eine onomasiologische Methode zur Korpuserstellung und eine semantische Analyse, um die Verwendung und Aufladung spezifischer Schlüsselwörter in den Texten zu untersuchen.
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Korpuserstellung, die Analyse der Begriffe "Sicherheit" und "Schutz" als Hochwertwörter, die Untersuchung von Wortfeldern zu "gefährlichen Situationen" sowie eine vergleichende Analyse der spezifischen Berichte.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Begriffe besetzen", "Semantische Aufladung", "Euphemismen", "Unternehmenskommunikation" und "Sicherheit" charakterisiert.
Der Solvay-Bericht zeichnet sich durch den abwechslungsreichsten Wortschatz aus und verwendet am konsequentesten Bezeichnungen der "harmlosen" Gruppe, was auf eine bewusste strategische Wortwahl hinweist.
Es ist wichtig, weil die Branche ein negativ besetztes Image hat; durch die Besetzung von Begriffen wie "Sicherheit" versucht sie, sich semantisch von negativ konnotierten Wörtern wie "Gefahr" oder "Unfall" zu distanzieren.
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