Magisterarbeit, 1999
197 Seiten, Note: 1
Einleitung
1. Definition des lebenden Bildes
2. Düsseldorf und das lebende Bild - die Entstehung und Etablierung des Tableau vivant
2.1. Die Affinität der Malerschule zum lebenden Bild: Malerei als Reflex der lokalen Gegebenheiten
2.2. Der Erfolg der Düsseldorfer Malerschule: berühmte und bekannte Gemälde als Grundlage für lebende Bilder
2.3. Die „mediceische Periode von Düsseldorf“
2.4. Der Künstler-Verein Malkasten (KVM) und seine Veranstaltungen
3. Das lebende Bild und seine Erscheinungs- und Veranstaltungsformen in Düsseldorf
3.1. Die verschiedenen Erscheinungs- und Veranstaltungsformen
3.1.1. Freie Formen und ihr Erscheinen in verschiedenen Veranstaltungstypen
3.1.2. Formen im Sinne der Definition und ihr Erscheinen in verschiedenen Veranstaltungstypen
3.2. Das lebende Bild als eigenständige Veranstaltungsform
3.2.1. Die Modalitäten der eigenständigen Veranstaltungen
3.2.2. Der Stellenwert der eigenständigen Veranstaltungen
3.3. Die Vorlagen der lebenden Bilder in Düsseldorf
4. „Mächtiger hatte nie die Musik gewirkt, als hier im Verein mit der bildenden Kunst.“ Das lebende Bild und Musik
4.1. Bild und Musik - das Tableau vivant und die Verbindung der Künste
4.2. „damit Dichter u. Componist davon Kenntnis nehmen können“ - Die Auswahl der Musik zu lebenden Bildern
4.3. Die Bedeutung, Funktion und Wirkung der Musik zu lebenden Bildern
4.3.1. Die strukturierende Funktion und Wirkung der Musik
4.3.2. Die Verzeitlichung des lebenden Bildes
4.3.3. „Unsichtbare Musik“: Die Wirkung der Musik zu lebenden Bildern
4.3.4. Die erklärende Funktion der Musik
4.4. Die Düsseldorfer Musikdirektoren und das lebende Bild
4.4.1. Felix Mendelssohn Bartholdy (1833-1835)
4.4.2. Julius Rietz (1835-1847)
4.4.3. Ferdinand Hiller (1847-1850)
4.4.4. Robert Schumann (1850-1853)
4.4.5. Julius Tausch (1853/1855-1889)
4.4.6. Julius Buths (1890- 1908) bis Hans Weisebach (1925-1933)
5. Abschließende Betrachtung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturelle Bedeutung und Verbreitung der lebenden Bilder (Tableaux vivants) in Düsseldorf im Zeitraum von 1848 bis 1933, mit einem besonderen Fokus auf deren enge, synergetische Verbindung mit der Musik. Ziel ist es, über eine bloß exemplarische Betrachtung hinauszugehen und durch eine quantitative Analyse der Veranstaltungsformen, der Vorlagen und der Rolle der Musik ein systematisches Verständnis dieses kulturellen Phänomens zu gewinnen.
4.3.2. Die Verzeitlichung des lebenden Bildes
Die Rahmung eines einzelnen lebenden Bildes durch Musik soll hier noch einmal aufgegriffen werden, da hierin eine wesentliche Aufgabe und Bedeutung der Musik liegt. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Rezeptionsbedingung eines lebenden Bildes im Gegensatz zu der eines Gemäldes. Beim Anschauen eines Gemäldes legt der Betrachter selbst fest, wie lange er sich diesem Bild widmen möchte; er kann es stundenlang und immer wieder ansehen. Zeit spielt keine Rolle. Beim Tableau vivant dagegen ist der Faktor Zeit eine wesentliche Größe, über die der Zuschauer zudem keine Verfügungsgewalt hat. Das lebende Bild existiert nur so lange, wie die Darsteller auf der Bühne in der Lage sind, ihre eingenommene Pose regungslos zu halten. Sobald Leben in das lebende Bild kommt, erstirbt es; der Vorhang fällt, das Bild verschwindet. Diese Ungewißheit, wie lange das Bild zu sehen sein wird, macht einen zusätzlichen Reiz des lebenden Bildes aus.
Edmund Wallner gibt in seiner Anleitung einen Erfahrungswert bezüglich der Dauer an:
Auch die schwierigste Stellung kann gewöhnlich eine Minute lang festgehalten werden, welche Zeitdauer auch das eigentliche Maß für ein lebendes Bild ist, [...].
Geübtere Darsteller haben ein lebendes Bild länger halten können: 1828 wurden in Nürnberg lebende Bilder „ungefähr drei Minuten der öffentlichen Ansicht dargeboten“.
Das lebende Bild, daß durch die Erstarrung der Personen in der eingenommenen Pose und durch die realistische, aufwendigen Dekoration eine Transformation des nachzustellenden zweidimensionalen Bildes in eine realitätsnäheren Dreidimensionalität darstellt, hat also einen Anfang und ein Ende; durch diese „Verzeitlichung“ ist es sogar vierdimensional. Musik betont diese „Verzeitlichung“, und dies ist für das lebende Bild notwendig. Denn die scheinbare Statuarik und Statik des lebenden Bildes ist in Wirklichkeit eine verkappte, eine latente Dynamik.
1. Definition des lebenden Bildes: Dieses Kapitel liefert die grundlegende wissenschaftliche Definition sowie eine Konkretisierung des Phänomens als unbewegte Darstellung bekannter Gemälde mit musikalischer Begleitung.
2. Düsseldorf und das lebende Bild - die Entstehung und Etablierung des Tableau vivant: Das Kapitel beleuchtet die Entstehungsgeschichte, geprägt durch die lokale Malerschule und den Künstler-Verein Malkasten, sowie die soziokulturellen Faktoren dieser Tradition.
3. Das lebende Bild und seine Erscheinungs- und Veranstaltungsformen in Düsseldorf: Hier werden die verschiedenen Typen, von freien Formen bis hin zu im Sinne der Definition historisch orientierten Nachstellungen, in ihrer praktischen Umsetzung analysiert.
4. „Mächtiger hatte nie die Musik gewirkt, als hier im Verein mit der bildenden Kunst.“ Das lebende Bild und Musik: Dieses Hauptkapitel untersucht die essenzielle Rolle der Musik bei der Gestaltung, Strukturierung und emotionalen Wirkung der Tableaux vivants und bewertet das Engagement der Düsseldorfer Musikdirektoren.
5. Abschließende Betrachtung und Ausblick: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung der lebenden Bilder als festen Bestandteil der Düsseldorfer Kultur im untersuchten Zeitraum hervor.
Lebendes Bild, Tableau vivant, Düsseldorf, Musikwissenschaft, Künstler-Verein Malkasten, Malerschule, Bildkunst, Inszenierungspraxis, Verzeitlichung, Musikuntermalung, Düsseldorfer Kultur, Musikdirektoren, Historienmalerei, Kunstverein, Benefizveranstaltung
Die Arbeit untersucht das kulturelle Phänomen der „lebenden Bilder“ (Tableaux vivants) in Düsseldorf zwischen 1848 und 1933 und analysiert insbesondere deren wechselseitige Beziehung zur Musik.
Zentrale Themen sind die Geschichte der Düsseldorfer Malerschule, die Aktivitäten des Künstler-Vereins Malkasten, die aufführungspraktischen Aspekte der lebenden Bilder sowie die funktionale Bedeutung der Musik bei diesen Darbietungen.
Die Arbeit erforscht, welche kulturellen Gegebenheiten das Stellen lebender Bilder begünstigten und welche essenzielle Rolle die begleitende Musik bei der Inszenierung, Strukturierung und Wirkung dieser Darstellungen spielte.
Die Autorin stützt sich auf eine breite Quellenbasis, darunter Archivmaterialien, zeitgenössische Presseberichte und Programmhefte, um durch eine quantitative und qualitative Analyse die Praxis lebender Bilder in Düsseldorf systematisch zu rekonstruieren.
Der Hauptteil analysiert die Definition und Erscheinungsformen lebender Bilder, die Rolle der Musikdirektoren wie Mendelssohn, Hiller oder Tausch und untersucht spezifische Funktionen der Musik, wie die Strukturierung des Abends und die "Verzeitlichung" des statischen Bildes.
Begriffe wie Tableau vivant, Düsseldorf, Künstler-Verein Malkasten, Bild-Musik-Verbindung, Inszenierungspraxis und Kunstgeschichte sind prägend für den Inhalt dieser Untersuchung.
Der KVM fungierte als organisatorischer Dreh- und Angelpunkt, der das Stellen lebender Bilder systematisierte, zu einer "Spezialität des Hauses" machte und diese über 100 Jahre lang in Düsseldorf pflegte.
Musik fungierte als notwendiger Rahmen, der die irreale Dauer der statischen Pose plausibilisierte, eine emotionale "Verzeitlichung" herbeiführte und durch die unsichtbare Platzierung der Musiker die Illusionswirkung des Bildes steigerte.
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