Diplomarbeit, 2012
96 Seiten
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Gang der Untersuchung
2. Begriffsbestimmung
2.1. Länderrisiko
2.2. Direktinvestitionen
3. Direktinvestitionen in der globalisierten Welt
3.1. Historische und aktuelle Entwicklung
3.2. Bedeutung von Direktinvestitionen für die Empfängerländer
4. Klassifikation von Länderrisiken
4.1. Wirtschaftliches Risiko
4.1.1. Binnenwirtschaftliche Risikoindikatoren
4.1.2. Außenwirtschaftliche Risikoindikatoren
4.2. Politische Risiken
4.2.1. Innenpolitische Risikoindikatoren
4.2.2. Außenpolitische Risikoindikatoren
4.3. Ländergruppenrisiken
4.4. Sonstige Länderrisiken
4.5. Gesamtbetrachtung
5. Systematisierung der Analyseverfahren
5.1. Vorbemerkung zu den Analyseverfahren
5.2. Qualitative Verfahren
5.3. Quantitative Verfahren
5.4. Makroökonomische Verfahren
6. Ratingagenturen
6.1. Betrachtung von Markt und Wettbewerb
6.2. Ratingagenturen als Akteure auf dem Kapitalmarkt
6.2.1. Existenzbegründung angesichts friktionsfreier Märkte
6.2.2. Funktionen und Nutzen für Marktteilnehmer
6.3. Kommerzielle Anbieter
6.3.1. Internationale Ratingagenturen
6.2.2. Euromoney
6.2.3. BERI-Institute
6.2.4. Institutional Investor Magazin
6.2.5. Weitere Anbieter
6.4. Kritik an den Informationsintermediären
7. Prognosequalität von Länderratings
7.1. Am Beispiel der Asienkrise
7.1.1. Kurzdarstellung des Verlaufs
7.1.2. Ratings in der Asienkrise
7.2. Am Beispiel der Eurokrise
7.2.1. Kurzdarstellung des Verlaufs
7.2.2. Ratings in der Eurokrise
7.3. Historische Rating-Fehler
7.4. Ursachen für Fehleinschätzungen
7.4.1. Inkonstante Informationsbasis
7.4.2. Geschäftsmodellproblematik
7.4.3. Prognoseproblematik
7.4.4. Moral Hazard
7.4. Neue Verfahrensansätze
8. Schutzmaßnahmen gegen das Ausfallrisiko
8.1. Allgemeine Schutzmaßnahmen
8.2. Investitionsschutzabkommen
8.3. Credit Default Swaps
9. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, inwieweit die Prognosequalität von Ratingagenturen bei der Einschätzung von Länderrisiken berechtigt in der Kritik steht und ob ihnen eine Teilschuld an der Verschärfung vergangener Wirtschaftskrisen zugeschrieben werden kann.
6.4. Kritik an den Informationsintermediären
Die kritischen Töne gegenüber den Ratingagenturen nehmen in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen traditionell zu. Obwohl die negative Haltung über die unzureichende Aufgabenerfüllung der Ratingagenturen, die im i.w.S. in der Risikoeinschätzung von Marktteilnehmern gesehen wird, besonders vehement in Erscheinung tritt wenn Länderrisiken auf die Realwirtschaft durchschlagen, gab es wohl noch nie so einen breiten Konsens über die Fehlstellung der Markteinflussnahme der Ratingagenturen, wie sie im Zuge der Staatsschuldenkrise einiger Euro-Länder von Presse, Politik und Wirtschaftsführern ausgesprochen wird.
Bei solch einem breiten Konsens von Politik und Wirtschaftsführern, die selbst Entscheidungsträger sind, kommt schnell die Vermutung auf, dass beide Einflussgruppen von ihrem eigenen Versagen ablenken wollen. Wenngleich dieser Aspekt die Kritik zum Teil erklären kann, gibt es eine Reihe von Kritikpunkten, die auf eine Fehlstellung der Machteinflussnahme der Ratingagenturen abzielt und als angebracht betrachtet werden können.
Der erste Kritikpunkt setzt bei den Einflussmöglichkeiten der Ratingagenturen als politischer Akteur an. Nach Hillebrand kommt den Ratingagenturen eine Schlüsselposition zu, die durch eine mangelnde Regulierung herbeigeführt wird. Denn die über ein Rating beeinflussten Kapitalflüsse haben erheblichen Einfluss über die Entwicklung einer Volkswirtschaft. Das Rating wirkt sich untermittelbar auf die Refinanzierung von Kapital aus, das wiederrum die Handlungsmöglichkeiten eines Staates bei hohen Kapitalkosten schmälern kann und somit die Entwicklungschancen beeinflusst. Bei einer Abhängigkeit von Entwicklungsländern vom Kapitalmarkt geht die Kritik weit darüber hinaus und schreibt den Ratingagenturen große Einflussmöglichkeiten auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik zu.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der korrekten Einschätzung von Länderrisiken ein und definiert die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der Teilschuld von Ratingagenturen an Wirtschaftskrisen.
2. Begriffsbestimmung: Hier werden die zentralen Begriffe Länderrisiko (mit seinen Facetten Transfer- und Staatsrisiko) und Direktinvestitionen voneinander abgegrenzt.
3. Direktinvestitionen in der globalisierten Welt: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung sowie die Bedeutung von Direktinvestitionen für Empfängerländer und diskutiert den empirischen Zusammenhang mit Wirtschaftswachstum.
4. Klassifikation von Länderrisiken: Die verschiedenen Risikoarten werden sachlogisch in wirtschaftliche, politische, Ländergruppen- und sonstige Risiken gruppiert und durch spezifische Indikatoren untermauert.
5. Systematisierung der Analyseverfahren: Es erfolgt eine detaillierte Differenzierung und Bewertung der qualitativen, quantitativen sowie makroökonomischen Analysemethoden zur Erfassung von Länderrisiken.
6. Ratingagenturen: Dieses Kapitel analysiert das Oligopol der drei großen Ratingagenturen, deren Geschäftsmodell und deren Rolle als wichtige Informationsintermediäre auf dem globalen Kapitalmarkt.
7. Prognosequalität von Länderratings: Anhand der Asien- und Eurokrise wird die Prognosefähigkeit geprüft, Ratingfehler aufgedeckt und Ursachen für Fehleinschätzungen wie Informationsmängel oder Interessenkonflikte untersucht.
8. Schutzmaßnahmen gegen das Ausfallrisiko: Abschließend werden Strategien wie Investitionsschutzabkommen und Credit Default Swaps als Instrumente zur Absicherung gegenüber Länderrisiken betrachtet.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Kritik an der Prognosequalität zusammen und fordert eine neue Marktstruktur sowie höhere Transparenz bei Ratingprozessen.
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Die Arbeit analysiert die Qualität von Länderrisikomodellen und hinterfragt die Rolle sowie die Einflussnahme von Ratingagenturen bei der Entstehung und Verschärfung internationaler Finanz- und Wirtschaftskrisen.
Zentrale Themen sind die Definition und Klassifizierung von Länderrisiken, die Bedeutung von Direktinvestitionen, die Funktionsweise von Ratingagenturen und die wissenschaftliche Evaluierung von deren Prognoseergebnissen anhand historischer Beispiele.
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit die Kritik an der Prognosequalität von Ratingagenturen berechtigt ist und ob diese eine Teilschuld an den Ausbrüchen bzw. der Eskalation von Wirtschaftskrisen tragen.
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse zu theoretischen Grundlagen der Risikoanalyse, der Untersuchung von Modellansätzen der Ratingagenturen sowie eine empirische Betrachtung historischer Ratingverläufe und Fehlerquoten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Grundlagen, die detaillierte Klassifikation von Risikofaktoren, die Systematisierung verschiedener Analyseverfahren sowie eine tiefgehende Analyse der Marktstellung und der Prognosequalität von Ratingagenturen.
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Länderrisiko, Direktinvestitionen, Ratingagenturen, Prognosequalität, Informationsasymmetrie und Wirtschaftskrisen definieren.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Ratingagenturen auch nach früheren Krisen keine risikoadäquate Einschätzung der Lage abgeben konnten und durch verzögerte oder überreagierende Herabstufungen zur Verschärfung der Krise beigetragen haben.
Zu den genannten Ursachen zählen insbesondere eine inkonstante und lückenhafte Informationsbasis, die inhärente Geschäftsmodellproblematik (Interessenkonflikte durch Auftraggeberfinanzierung), die Schwierigkeit der Prognose politischer Ereignisse sowie das Phänomen des Moral Hazard.
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