Magisterarbeit, 2011
105 Seiten, Note: 1,6
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Das Engagement der Literatur in die Welt
3.1. Das faktische Engagement der Literatur in die Welt
3.2. Die normative Forderung der literarischen Engagements
3.2.1. Die Verantwortung des Schriftstellers
3.2.2. Die Literatur des Endlichen
3.2.3. Die literarische Verwendung der Sprache
3.2.3.1. Die Bezeichnungsfunktion der Sprache in der literarischen Prosa
3.2.3.2. Poesie und Prosa
3.2.3.3. Die Materialität der Sprache in der literarischen Prosa
4. Das Problem der Überzeitlichkeit der Literatur
5. Freiheit als Ursprung, Struktur und Gegenstand der Literatur
5.1. Literatur als freie Schöpfung von Autor und Leser
5.2. Die wechselseitig- appellative Struktur der Literatur
5.3. Freiheit als Gegenstand der Literatur
6. Die verwirklichte Freiheit: Das literarische Engagement und die Universalität der Literatur
7. Fazit
Die Arbeit untersucht das Konzept der engagierten Literatur bei Jean-Paul Sartre mit dem Ziel, dessen philosophische Gültigkeit und Bedeutung für das Verständnis literarischer Werke herauszuarbeiten. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie der Zusammenhang zwischen der historisch-situativen Bedingtheit der Literatur und ihrem Anspruch auf Universalität und überzeitliche Geltung unter Berücksichtigung des Freiheitsbegriffs theoretisch kohärent begründet werden kann.
3.1. Das faktische Engagement der Literatur in die Welt
Den Ausgangspunkt der Betrachtung des Verhältnisses von Literatur und Wirklichkeit bildet das Engagement des Einzelnen in die Welt. Mensch und Welt existieren nicht isoliert voneinander, sondern sind wesenhaft aufeinander bezogen. Sartres Bestimmung des Menschen als in der Welt engagiert und situiert soll hier mithilfe seines Begriffs des einzelnen Allgemeinen verdeutlicht werden:
„Ein Mensch ist (...) niemals ein Individuum; man sollte ihn besser ein einzelnes Allgemeines nennen: von seiner Epoche totalisiert und eben dadurch allgemein geworden, retotalisiert er sie, indem er sich in ihr als Einzelheit wiederhervorbringt. Da er durch die einzelne Allgemeinheit der menschlichen Geschichte allgemein und durch die allgemeinmachende Einzelnheit seiner Entwürfe einzeln ist, muß er zugleich von den beiden Enden her untersucht werden.“
1. Einleitung: Einführung in das Konzept der engagierten Literatur und Formulierung der zentralen Problemstellung hinsichtlich des Zusammenhangs von Literatur und Freiheit.
2. Forschungsstand: Überblick über die bestehende Sekundärliteratur und Aufzeigen von Missverständnissen sowie Ansätzen zur differenzierten Interpretation.
3. Das Engagement der Literatur in die Welt: Analyse des Engagements als faktische Verstrickung des Menschen in die Welt und die daraus resultierende normative Verpflichtung.
4. Das Problem der Überzeitlichkeit der Literatur: Diskussion der Spannung zwischen historischer Situiertheit der Literatur und dem Anspruch auf transhistorische Geltung.
5. Freiheit als Ursprung, Struktur und Gegenstand der Literatur: Erläuterung der zentralen Rolle der Freiheit für die Konstitution des literarischen Werks im Akt der Kommunikation.
6. Die verwirklichte Freiheit: Das literarische Engagement und die Universalität der Literatur: Zusammenführung der theoretischen Ergebnisse zu einer Gesamtschau über die Universalität engagierter Literatur.
7. Fazit: Abschließende Reflexion über das Engagement als Spezifik des literarischen Weltbezugs und dessen theoretische Begründung.
Jean-Paul Sartre, engagierte Literatur, literarisches Engagement, Freiheit, Weltverhältnis, Einzelnes Allgemeines, Autor, Leser, literarische Kommunikation, Prosa, Poesie, sprachliches Zeichen, Appellcharakter, Universalität, Transhistorizität.
Die Arbeit befasst sich mit der Literaturtheorie von Jean-Paul Sartre, insbesondere mit dem Konzept der "engagierten Literatur" (littérature engagée), und deren philosophischer Einbettung.
Zentrale Themen sind das Verhältnis von Literatur und Wirklichkeit, die Rolle des Schriftstellers als "situiertes" Individuum und die konstitutive Bedeutung des Lesers für das literarische Kunstwerk.
Das Ziel ist es, das Konzept der engagierten Literatur als philosophisch fundierten Beitrag zum Verständnis von Literatur zu rehabilitieren und den Zusammenhang zwischen historischer Partikularität und ästhetischer Universalität zu klären.
Die Arbeit nutzt eine hermeneutische Vorgehensweise, indem sie Sartres literaturtheoretische Schriften systematisch aufeinander bezieht, Widersprüche analysiert und in ein kohärentes literaturphilosophisches Gesamtkonzept integriert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Engagements als faktische und normative Forderung, die Analyse der Sprachverwendung (Poesie vs. Prosa), das Problem der Überzeitlichkeit von Literatur und die zentrale Stellung des Freiheitsbegriffs.
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Engagement, Freiheit, das einzelne Allgemeine, Appellcharakter und die spezifische Bedeutung von Sprache in der Prosa charakterisiert.
Sartre sieht in der Prosa die Sprache als Zeichen, das auf die Welt verweist und somit eine Handlung (Engagement) ermöglicht, während die Poesie Sprache als "Ding" betrachtet und somit dem Bereich des gesellschaftlichen Engagements entzieht.
Der Leser vollendet das Werk erst durch seine schöpferische Tätigkeit. Ohne die Lektüre bleibt das Werk ein bloßer Text, da erst durch den Leser der "literarische Gegenstand" und der "Sinn" des Werks als absolute Zwecksetzung der Freiheit hervorgebracht werden.
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