Bachelorarbeit, 2009
41 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Definitionen von Armut
3. Der Armutsbegriff in der deutschen Armutsberichterstattung
3.1 Der Armutsbericht des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes von 1989
3.2 Der Armutsbericht des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und des Deutschen Gewerkschaftsbundes von 1994
3.3 Der Armutsbericht der Hans-Böckler-Stiftung, des Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes von 2000
3.4 Der erste Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2001
3.5 Der zweite Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2005
Exkurs: Amartya Sens Konzept der Verwirklichungschancen und dessen Anwendung im zweiten Armutsbericht der Bundesregierung von 2005
3.6 Der dritte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2008
3.7 Die Entwicklung der Definition und Operationalisierung von Armut in der deutschen Armutsberichterstattung
4. Benennungen der „neuen Armut“
4.1 Die „neue Unterschicht“
4.1.1 Die „neue Unterschicht“ nach Paul Nolte
4.1.2 Die Unterschichten-Debatte in Politik und Medien
4.1.3 Wissenschaftliche Perspektiven auf die Unterschichten-Debatte
4.2. Prekarität und Prekarisierung
4.2.1 Prekarität nach Pierre Bourdieu
4.2.2 Die deutsche Prekarisierungsforschung
5. Fazit
Die Arbeit analysiert die inhaltliche Wandlung des Armutsbegriffs in der deutschen Sozialberichterstattung sowie die Entstehung und Bedeutung der medialen und politischen Debatte um die „neue Armut“ und Prekarität.
4.1.1 Die „neue Unterschicht“ nach Paul Nolte
Die ursprüngliche Intention, welche Paul Nolte mit seinem Buch verfolgte, war es aufzuzeigen, welche Reformen die deutsche Gesellschaft seiner Meinung nach benötige, um den Veränderungen der Moderne gewachsen zu sein. Hierzu analysiert er zunächst die aktuelle Lage der deutschen Gesellschaft. Wobei er sich ausführlich mit den „sozial Schwachen“ beschäftigt, für welche er den Begriff der „neuen Unterschicht“ gebraucht. Die Beschreibung dieser Personengruppe erzeugte großes Aufsehen in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit und führte dazu, dass der restliche Inhalt des Buches weitgehend unbeachtet blieb.
Folgt man Noltes Beschreibung, so haben sich die „Unterschichten in allen westlichen Gesellschaften fundamental verändert und von dem entfernt, was wir als Proletarier der klassischen Industriegesellschaft kannten.“ So sei die Kultur der unteren Schichten lange Zeit vom Leitbild der bürgerlichen Kultur geprägt gewesen, welche Werte wie „Leistung und Disziplin, Bildung und Benehmen, Höflichkeit und Toleranz“ vertrat. Die Aneignung dieser bürgerlichen Werte hatte zur Folge, dass die unteren Schichten „ganz bewusst an den Sog der bürgerlichen Kultur angeschlossen“ wurden. Der Lebensstil der Arbeiterschicht sei geprägt gewesen von der Nachahmung des Lebensstils der oberen Schichten, so dass die Arbeiterschaft auch in die politische Nation und Gesellschaft einbezogen und ein aktiver Teil der Demokratie wurde. Die „Zielvision einer universellen bürgerlichen Gesellschaft“ erschien zu dieser Zeit als nahe Realität.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Problematik einer uneinheitlichen Armutsdefinition und beschreibt das Ziel der Arbeit, die Debatte um die „neue Armut“ in Deutschland nachzuzeichnen.
2. Definitionen von Armut: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze, Armut als freiwillige, absolute oder relative Form zu konzipieren.
3. Der Armutsbegriff in der deutschen Armutsberichterstattung: Das Kapitel analysiert chronologisch die Entwicklung amtlicher und inoffizieller Armutsberichte in Deutschland und deren Einfluss auf die Definitionspolitik.
4. Benennungen der „neuen Armut“: Dieser Hauptteil untersucht die begriffliche Konstruktion der „neuen Unterschicht“ durch Paul Nolte und die soziologische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Prekarität.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, dass Armut ein mehrdimensionales Phänomen ist und warnt vor einer synonymen Gleichsetzung von Armut und Prekarität.
Armut, neue Armut, Armutsberichterstattung, soziale Ungleichheit, neue Unterschicht, Prekarität, Prekarisierung, Amartya Sen, Verwirklichungschancen, Lebenslagenkonzept, Paul Nolte, soziale Ausgrenzung, Sozialstaat, Bildungsarmut, Erwerbslosigkeit
Die Arbeit untersucht, wie sich der Begriff der Armut in der deutschen Politik und Wissenschaft im Laufe der Zeit verändert hat und welche Rolle Begriffe wie „neue Unterschicht“ und „Prekariat“ dabei spielen.
Zentrale Themen sind die deutsche Armutsberichterstattung, die Debatte um kulturelle versus materielle Armut sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Prekarisierungsprozessen.
Ziel ist es, die Entwicklung der Armutsdefinitionen aufzuzeigen und die mediale sowie politische Debatte um die sogenannte „neue Armut“ kritisch einzuordnen.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Diskursanalyse, die auf Armutsberichten, soziologischen Studien und medialen Debattenbeiträgen fußt.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der „Unterschichtendebatte“, den Ansätzen von Paul Nolte sowie der soziologischen Prekarisierungsforschung nach Pierre Bourdieu und Klaus Kraemer.
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Armut, Prekarität, neue Unterschicht, Verwirklichungschancen und soziale Ungleichheit charakterisiert.
Kritiker werfen Nolte vor, eine „kulturelle Verwahrlosung“ als Ursache für Armut zu konstruieren und damit soziale Ursachen wie Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit auszublenden.
Nein, die Untersuchung zeigt klar, dass Prekarität eine „soziale Schwebelage“ beschreibt, die in allen gesellschaftlichen Schichten auftreten kann, während Armut spezifisch mit Unterversorgung assoziiert wird.
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