Bachelorarbeit, 2011
47 Seiten, Note: 1,0
I. Einführung
II. Aktuelle Bildungsdebatte
III. Pierre Bourdieus Kapitalsorten
IV. Einfluss der Familie auf die Reproduktion kulturellen Kapitals
V. Welchen Beitrag liefert die Institution Schule in Bezug auf die Reproduktion kulturellen Kapitals?
- Die Rolle der LehrerInnen
VI. Sonstige Einflüsse und Theorien
VII. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Forschungsfrage, welche Rolle die Institution Schule bei der Reproduktion von kulturellem Kapital spielt, und analysiert dabei das Zusammenspiel zwischen den prägenden Einflüssen des familiären Herkunftsmilieus und den Anforderungen des Bildungssystems.
IV. Einfluss der Familie auf die Reproduktion kulturellen Kapitals
Um die Reproduktionsfunktion der Familie zu verstehen, greift Bourdieu auf das alte sozialphilosophische Konzept des Habitus zurück. Unter Habitus versteht er die jeweils spezifische Art und Weise, unseren Alltag wahrzunehmen, zu beurteilen, zu denken und zu handeln. Von Geburt an und zum Teil auch schon davor, lernt der Mensch bestimmten Dingen als selbstverständlich und anderen als fremd zu begegnen. Man gewöhnt sich an Speisen, Gerüche und an das soziale Umfeld. Gleichzeitig lernt man mit gewissen Alltagssituationen umzugehen, wobei jede Art des Handelns vertraut wirkt und man zu jeder Situation eine Meinung hat. All diese Erfahrungen hängen mit der Klasse, dem Milieu und dem Geschlecht zusammen, in dem man aufgewachsen ist. Das Wissen wird in diesen sozialen Situationen unbewusst (interkorporiert) aufgenommen. Aufgrund dieser Fülle an Wissen hat sich der persönliche Habitus, also auch das Verhalten gebildet und prägt den eigenen Lebensstil.
Bourdieu erkannte, dass die Familie den Ursprung bildet, in der Chance auf die gesellschaftliche Stellung jedes Einzelnen. Mit der Geburt beginnt der Mensch in der Familie seinen Habitus auszubilden und bezieht dabei auch Einflüsse aus dem sozialen Feld bzw. sozialen Raum ein, in dem er sich bewegt. Diese frühen Prägungen des Habitus sind wesentlich für den Positionserhalt im sozialen Raum. Durch das alltägliche Miteinander innerhalb der Familie wird dieser erzeugt und fungiert als Basis familiärer Interaktionen. Die Habitusformen unterscheiden sich aufgrund der familiären Ressourcen, die in einer Familie als üblich und normal gelten. Der erlangte Familienhabitus ist somit nicht frei und autonom, sondern tritt in den eigenen klassen- und familienspezifischen Grundformen auf.
I. Einführung: Das Kapitel skizziert die aktuelle österreichische Bildungsdebatte, insbesondere die Einführung der Neuen Mittelschule, und führt in die Problemstellung der schulischen Bildungsunterschiede ein.
II. Aktuelle Bildungsdebatte: Hier werden die Hintergründe und Ziele des Projekts Neue Mittelschule sowie die politischen Positionen im Kontext internationaler PISA-Studien dargelegt.
III. Pierre Bourdieus Kapitalsorten: Das Kapitel erläutert die von Bourdieu definierten Kapitalsorten (ökonomisches, soziales, kulturelles und symbolisches Kapital) als Grundlage für die Analyse gesellschaftlicher Ungleichheit.
IV. Einfluss der Familie auf die Reproduktion kulturellen Kapitals: Diese Sektion untersucht, wie der in der Familie verankerte Habitus und kulturelles Kapital die Bildungschancen der Kinder maßgeblich vorprägen.
V. Welchen Beitrag liefert die Institution Schule in Bezug auf die Reproduktion kulturellen Kapitals?: Das Kapitel analysiert, ob und wie die Schule als Institution die bestehenden Bildungsunterschiede verstärkt oder abmildert, und geht dabei gezielt auf die Rolle der Lehrkräfte ein.
VI. Sonstige Einflüsse und Theorien: Dieses Kapitel ergänzt die Analyse durch andere theoretische Ansätze, wie etwa die Arbeiterstudie von Paul Willis und Überlegungen zur Bürgergesellschaft von Robert Putnam.
VII. Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Wirksamkeit schulischer Reformen kritisch vor dem Hintergrund sozialer Ungleichheit reflektiert.
Kulturelles Kapital, Pierre Bourdieu, Bildungsungleichheit, Habitus, Reproduktion, Familie, Institution Schule, Sozialisation, Neue Mittelschule, Humankapital, Bildungsaufstieg, Bildungsferne, soziale Herkunft, Bildungserfolg, Schulleistung.
Die Arbeit untersucht die Mechanismen der Reproduktion von Bildungschancen und beleuchtet dabei kritisch, welchen Einfluss sowohl die Familie als auch die Schule auf die Entwicklung des kulturellen Kapitals von Kindern haben.
Zentrale Themenfelder sind die Theorie des Habitus nach Bourdieu, die Auswirkungen des sozialen Herkunftsmilieus auf den Schulerfolg und die Rolle des Bildungssystems bei der Verstärkung oder Minderung sozialer Disparitäten.
Die Forschungsfrage lautet: „Welche Rolle spielt die Institution Schule in Bezug auf die Reproduktion kulturellen Kapitals?“
Die Autorin bzw. der Autor nutzt eine wissenschaftliche Literaturrecherche, um bestehende Studien und soziologische Theorien zu verknüpfen und zu einem Gesamtergebnis zu gelangen.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Kapitalsorten, der Bedeutung der frühkindlichen Prägung durch den Familienhabitus sowie der Analyse, ob die Schule als Reproduktionsinstanz für gesellschaftliche Ungleichheit fungiert.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie kulturelles Kapital, Habitus, soziale Ungleichheit, Reproduktion und Bildungserfolg gekennzeichnet.
Lehrkräfte fungieren als Vermittler spezifischer Werte und Normen des Bildungssystems, wobei sie tendenziell diejenigen SchülerInnen bevorzugen, die bereits über ein hohes kulturelles Kapital verfügen, wodurch sie soziale Selektionsprozesse verstärken können.
Die Arbeit äußert Skepsis gegenüber der Annahme, dass rein schulische Strukturreformen die Mechanismen der sozialen Reproduktion aushebeln können, da die Herkunft und das kulturelle Kapital der Eltern weiterhin den stärksten Einfluss auf den Bildungsweg haben.
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