Examensarbeit, 2011
54 Seiten
1. Einleitung
2. Funktionen der Leistungsbeurteilung
2.1 Selektionsfunktion
2.2 Berichts- und Kontrollfunktion
2.3 Pädagogische Funktion
3. Gütekriterien der Leistungsbeurteilung
4. Probleme bei der Leistungsbeurteilung
4.1 Bezugsnormen der Leistungsbeurteilung
4.1.1 Soziale Bezugsnorm
4.1.2 Individuelle Bezugsnorm
4.1.3 Sachliche Bezugsnorm
4.2 Verzerrungen der Leistungsbeurteilung
4.2.1 Urteilsheuristiken
4.2.1.1 Verfügbarkeitsheuristik
4.2.1.2 Repräsentativitätsheuristik
Vernachlässigung von Basisraten
Missachtung des Extensionalitätsprinzips
Fehlwahrnehmung von Zufälligkeit
4.3 Ankereffekt
4.3.1 Wie kommt der Ankereffekt zustande?
4.3.1.1 Selektive Zugänglichkeit
4.3.1.2 Verankerung und Anpassung
4.4 Pygmalion-Effekt
5. Alternative Form der Leistungsbeurteilung
5.1 Das Portfolio
5.1.1 Was ist ein Portfolio oder was verstehen wir unter einem Portfolio
5.1.2 Die Anwendung des Portfolios in der Grundschule
5.1.3 Vorarbeit und Implementierung
5.1.4 Beispiele für die Unterrichtsarbeit
5.1.5 Instrumente, die den Lernprozess begleiten
5.1.6 Schlussfolgerungen für die Grundschule
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, inwieweit objektive Leistungsbeurteilung im schulischen Kontext überhaupt möglich ist. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob schulische Benotung zwangsläufig subjektiven Einflüssen unterliegt und welche Mechanismen – wie Urteilsheuristiken oder psychologische Effekte – die Bewertung von Schülerleistungen verzerren.
4.2.1 Urteilsheuristiken
In den Bereich der kognitiven Täuschungen fallen die Urteilsheuristiken. Doch was genau sind Urteilsheuristiken? Sie sind einfache ,Faustregeln', die auf leicht zu erhaltende Informationen angewendet werden und unter geringen Verarbeitungsaufwand ein hinreichend genaues Urteil erlauben.
Demnach erlauben heuristische Urteile zwar ein hinreichend genaues Urteil, man hat jedoch keine hundertprozentige Garantie, dass das Urteil richtig ist, da man sich auf das Urteil eines anderen verlässt. Die wesentlichen Elemente der Urteilsheuristik sind der Urteilsgegenstand, die Urteilsdimension und die Urteilsstrategie. Wie diese miteinander in Verbindung stehen, möchte ich an einem Beispiel erläutern: Wenn man mit einem Freund etwas essen gehen will, jedoch neu in der Stadt ist, kann man nicht genau wissen, welches Lokal das Beste ist (Urteilsgegenstand) hinsichtlich der nahrhaftesten Speisen (Urteilsdimension). Man könnte jedes einzelne Lokal ausprobieren (Urteilsstrategie) und sich dann eine eigene Meinung bilden. Diese Meinung wäre dann auch eine äußerst sichere. Aber da diese Methode sehr aufwendig wäre, könnte man sich auch auf die Empfehlung eines Restaurantführers verlassen. Dieses ist die einfachere Möglichkeit, das Ergebnis jedoch nicht so sicher, da die Ansicht des Restaurantführers von vielen Faktoren abhängen kann. Er könnte an diesem Tag bspw. eine Magenverstimmung haben oder einen schlechten Tag, und aufgrund dessen könnte es zu einer Fehleinschätzung seitens des Restaurantführers kommen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der schulischen Leistungsbewertung ein und stellt die Frage nach der Objektivität von Zensuren angesichts pädagogischer und gesellschaftlicher Anforderungen.
2. Funktionen der Leistungsbeurteilung: Das Kapitel erläutert die wesentlichen Funktionen von Noten, insbesondere die Selektions-, Berichts- und Kontrollfunktion sowie die pädagogische Bedeutung.
3. Gütekriterien der Leistungsbeurteilung: Hier werden die wissenschaftlichen Anforderungen an eine faire Bewertung, wie Objektivität und Standardisierung, analysiert.
4. Probleme bei der Leistungsbeurteilung: Dieses Kapitel analysiert umfassend die Risiken von Verzerrungen durch verschiedene Bezugsnormen sowie psychologische Phänomene wie den Ankereffekt oder den Pygmalion-Effekt.
5. Alternative Form der Leistungsbeurteilung: Dieser Abschnitt stellt das Portfolio als innovativen, prozessorientierten Ansatz vor, um die starre Zensurengebung zu ergänzen oder zu verändern.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine vollständige Objektivität bei der Leistungsbewertung nahezu ausgeschlossen ist, wobei Lösungsansätze diskutiert werden.
Leistungsbeurteilung, Schule, Objektivität, Zensuren, Bezugsnorm, Urteilsheuristiken, Ankereffekt, Pygmalion-Effekt, Portfolio, Selektionsfunktion, Pädagogik, Leistungsdiagnose, Kognitive Täuschungen, Benotung, Schulleistung
Die Arbeit beschäftigt sich kritisch mit der schulischen Leistungsbeurteilung und der Frage, ob eine objektive Leistungsbewertung durch Zensuren überhaupt möglich ist.
Zentrale Themen sind die Funktionen der Leistungsbeurteilung, die Gütekriterien, verschiedene Bezugsnormen, psychologische Verzerrungseffekte und alternative Beurteilungsformen wie das Portfolio.
Das Ziel ist es zu untersuchen, welche Faktoren die Diagnose von Leistungen beeinflussen und ob Objektivität bei der Notenvergabe unter den gegebenen Umständen ausgeschlossen ist.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse sowie der Einbeziehung psychologischer Experimente (z. B. von Tversky, Kahneman und Rosenthal), um Bewertungsprozesse zu ergründen.
Im Hauptteil werden Funktionen der Noten, die Bezugsnormen, spezifische kognitive Verzerrungen (Urteilsheuristiken, Ankereffekte) sowie die Rolle der Erwartungshaltung von Lehrkräften (Pygmalion-Effekt) analysiert.
Die wichtigsten Begriffe sind Leistungsbeurteilung, Objektivität, Zensuren, Bezugsnormen, Urteilsheuristiken, Ankereffekt und Portfolio.
Der Ankereffekt beschreibt, wie ein vorgegebener Wert (Anker) unbewusst das spätere Urteil beeinflusst und in seine Richtung verzerrt, auch wenn der Anker eigentlich für das Urteil irrelevant ist.
Das Portfolio ermöglicht eine prozessorientierte Leistungsbeurteilung, die den Lernweg des Schülers in den Vordergrund rückt und eine Abkehr von rein starren Zensuren auf Basis einzelner Tests erlaubt.
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