Examensarbeit, 2006
71 Seiten, Note: 1,0
I Einleitung
II Trauma und Gedächtnis
1. Begriffsklärung
2. Psychologische Definition
3. Folgen von Traumata
4. Traumabewältigung
5. Kollektiver Umgang mit Trauma
6. Zusammenfassung
III Erinnerung und Verdrängung in Beloved
1. Die Auswirkungen der Sklaverei auf die Identität und die Namengebung
2. „Rememories“ individueller und kollektiver Traumata
2.1. Sethe: „beating back the past“
2.1.1. Mutter-Kind Symbiose
2.1.2. Beloved als Sethes traumatisches Symptom
2.1.3. Sethes Weg zur Heilung
2.2. Beloved als Figur und Symbol
2.3. Denvers Entwicklung einer unabhängigen Identität
2.4. Paul D: Verlust der Männlichkeit
2.5. Die Rolle und das Verhalten der Gemeinschaft im Rahmen des Kollektiv-Traumas
3. Die Grenzen der Sprache
IV Die narrative Technik der Autorin
V Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Romans „Beloved“ von Toni Morrison die psychologischen Auswirkungen historischer Traumata, insbesondere der Sklaverei, auf die Identität von Individuen und Kollektiven. Ziel ist es, die Komplexität des Traumas, seine Verdrängung und die notwendige, wenn auch schmerzhafte, Auseinandersetzung zur Heilung und Rekonstruktion eines Selbstbildes zu analysieren.
2.1. Sethe: „beating back the past“
Um nicht an ihre Vergangenheit zu denken, setzt Sethe derart viel Energie ein, dass sogar ihre Erinnerungen an ihre beiden Söhne verblassen. Ihre mühsamen Versuche, vergangene Erlebnisse aus ihrem Leben auszuklammern, erweisen sich jedoch als vergeblich. „[S]he worked hard to remember as close to nothing as was safe“, doch Erinnerungen, die sie zum Teil bewusst, zum Teil aber auch unbewusst zu verdrängen versucht, tauchen unerwartet als intrusive Bilder auf, ausgelöst durch unbestimmbare Reizmotive, wie die folgende Passage belegt: „Then something. The plash of water, the sight of her shoes […] or Here Boy lapping in the puddle near her feet, and suddenly there was Sweet Home rolling, rolling, rolling out before her eyes” (B 6).
Als Folge ihrer Verdrängung unerträglicher Bilder der Vergangenheit kommen Schamgefühle in Sethe auf, denn die Plantage, ein Ort schrecklicher Gräueltaten, erscheint in ihrer plötzlichen Erinnerung als paradiesisch schön und verdrängt die Bilder an die Lynchopfer, die an Bäumen erhängt wurden:
although there was not a leaf on that farm that did not make her want to scream, it rolled itself out before her in shameless beauty. It never looked as terrible as it was […] Boys hanging from the most beautiful sycamores in world. It shamed her – remembering the wonderful soughing trees rather than the boys. […] the sycamores beat out the children every time and she could not forgive her memory for that (B 6).
I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Toni Morrisons Intention, die traumatische Geschichte afroamerikanischer Minoritäten literarisch aufzuarbeiten und die Notwendigkeit einer bewussten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für die Identitätsfindung hervorzuheben.
II Trauma und Gedächtnis: Dieses Kapitel definiert wissenschaftlich den Begriff Trauma, seine Entstehung und Symptomatik sowie die Mechanismen der Verdrängung und die Möglichkeiten der Bewältigung auf individueller und kollektiver Ebene.
III Erinnerung und Verdrängung in Beloved: Hier erfolgt die konkrete Anwendung der Traumatheorie auf die Charaktere und die Handlung des Romans, wobei insbesondere die Zerstörung der Identität und die schwierigen Prozesse der Erinnerung und Heilung analysiert werden.
IV Die narrative Technik der Autorin: Dieses Kapitel untersucht, wie Morrison die Struktur des Traumas durch eine assoziative, fragmentierte Erzählweise formal im Roman nachbildet.
V Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert, dass Literatur als Raum für die notwendige narrative Aufarbeitung der Vergangenheit fungiert, um Traumata zu bewältigen und die Entwicklung einer autonomen Identität zu fördern.
Trauma, Sklaverei, Gedächtnis, Beloved, Identität, Verdrängung, Namengebung, kollektives Trauma, narrative Technik, Aufarbeitung, Heilung, Schuldgefühle, Erinnerungsarbeit, Afroamerikanische Geschichte, psychische Folter.
Die Arbeit analysiert die psychologischen Folgen von Traumata durch die Sklaverei und deren Darstellung in Toni Morrisons Roman „Beloved“.
Die zentralen Themen sind die Entstehung und Bewältigung von Traumata, die Rolle des Gedächtnisses, Identitätsverlust durch Unterdrückung sowie die heilende Funktion von Gemeinschaft und Erzählung.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Morrison die traumatische Geschichte der Sklaverei und die damit verbundene Notwendigkeit der Erinnerung für eine Heilung und Identitätsbildung literarisch verarbeitet.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Erkenntnisse aus der psychologischen Traumatheorie und Psychoanalyse auf die Handlungsweise und Entwicklung der Romanfiguren anwendet.
Im Hauptteil werden die traumatischen Erfahrungen spezifischer Charaktere (Sethe, Denver, Paul D) sowie die symbolische Bedeutung der Figur Beloved untersucht.
Wichtige Begriffe sind Trauma, Sklaverei, Erinnerungsarbeit, Identität, Verdrängung, Schuldgefühle und die narrative Aufarbeitung.
Die Sklaverei führt durch den Verlust von Namen, sozialen Bindungen und die fortwährende Gewalt zur Zerstörung der individuellen Identität und des Selbstwertgefühls.
Die Gemeinschaft bietet den notwendigen sozialen Rahmen, in dem individuelles Leid geteilt, verstanden und durch gemeinsame Rituale und Anerkennung in ein kollektives Narrativ integriert werden kann.
Beloved fungiert sowohl als Sethes verstorbene Tochter, als auch als Projektion ihrer Schuldgefühle und als Verkörperung des kollektiven Traumas der Sklaverei.
„Rememory“ beschreibt die für Morrison typische, oft intrusive Art der Erinnerung, bei der vergangene traumatische Ereignisse als physisch spürbare Fragmente in die Gegenwart zurückkehren.
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