Magisterarbeit, 2006
96 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Quellen, Literatur und Forschungsstand
1.2 Vorgehensweise
2. Die Fotografie als historische Quelle
2.1 Die Illusion der Wahrhaftigkeit
2.2 Die Fotografie in der historischen Forschung
2.3 Anmerkungen zur Quellenkritik der verwendeten fotografischen Quellen
3. Die fotografische Erschließung der Wildnis
3.1 Anthropologische Betrachtungen des wilden afrikanischen Ureinwohners
3.2 Der zivilisierte Afrikaner
3.2.1 Afrikanische Lohnarbeiter
3.2.2 Afrikanische Bedienstete
3.2.3 Das koloniale Schulwesen
3.2.4 Afrikaner in den kolonialen Schutztruppen
3.3 Krankheiten der indigenen Bevölkerung
4. Die fotografische Selbstdarstellung der Kolonialherren
5. Tabus der kolonialen Fotografie
5.1 Krankheit und Tod der Kolonialherren
5.2 Kolonialjustiz
5.3 Der Bruch mit den Tabus
6. Schluss
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Kolonialfotografie als historische Quelle für die Sozialgeschichte Deutsch-Ostafrikas, wobei insbesondere die Funktion des Mediums bei der Selbst- und Fremddarstellung sowie die damit verbundenen Machtstrukturen und Vorurteile analysiert werden.
Die Illusion der Wahrhaftigkeit
Eine Fotografie gilt als unwiderleglicher Beweis dafür, dass ein bestimmtes Ereignis sich tatsächlich so abgespielt hat. Das Bild mag verzerren; immer aber besteht der Grund zu der Annahme, dass etwas existiert – oder existiert hat –, das dem gleicht, was auf dem Bild zu sehen ist.
Seit ihrer Entstehung genießt die Fotografie den Nimbus der Authentizität. Ein Fotograf scheint in der Lage zu sein, ein bestimmtes Ereignis unmittelbar und authentisch festzuhalten, wohingegen die Arbeit eines anderen Künstlers, der die gleiche Situation festzuhalten versucht, ungleich langwieriger ist und somit die zeitliche Nähe zum dargestellten Objekt verliert. Dieser zeitliche Abstand und die gestalterischen Möglichkeiten des Operators führen dazu, dass das Produkt zur Interpretation des eigentlichen Geschehnisses wird. Die technische Prozedur des Fotografierens erweckt hingegen den Anschein, es werde ein exaktes Abbild der Realität erzeugt. Auf diese Weise scheint nicht mehr die Sicht eines Dritten die Darstellung zu bestimmen, sondern ein unbestechlicher, physikalischer Vorgang, der eintreffendes Licht auf einem lichtempfindlichen Medium festhält; die Möglichkeiten des Fotografen, auf diese Realität verfälschend Einfluss zu nehmen, wirken dadurch beschränkt.
Anders als die Kunstgegenstände vordemokratischer Epochen sind Fotografien den Intentionen eines „Künstlers“ offenbar nicht sonderlich verpflichtet. Vielmehr verdanken sie ihre Existenz einer lockeren Zusammenarbeit (quasi magisch, quasi-zufällig) zwischen Fotograf und Sujet – wobei als Mittler ein immer stärker vereinfachter und automatisierter Automat fungiert, der unermüdlich ist, und, selbst wenn er Launen hat, etwas hervorbringen kann, das interessant und nie ganz falsch ist.
Beim Blick auf eine Fotografie verlieren der Fotograf und die Fotografie als Medium ihre Bedeutung; der Betrachter wendet seine Aufmerksamkeit dem Dargestellten zu. Roland Barthes konstatierte, was immer ein Foto dem Auge zeige und wie immer es auch gestaltet sein möge, es bleibe doch allemal unsichtbar: es sei nicht das Foto, sondern das Motiv, das man sehe. Das Bild wird somit als Reproduktion der Wirklichkeit wahrgenommen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Umgangs mit Fotografie als historische Quellengattung ein und skizziert das Erkenntnisinteresse an der Sozialgeschichte Deutsch-Ostafrikas.
2. Die Fotografie als historische Quelle: Das Kapitel reflektiert den Nimbus der Authentizität des Mediums und diskutiert die notwendigen methodischen Ansätze der Quellenkritik für Historiker.
3. Die fotografische Erschließung der Wildnis: Dieser Teil analysiert, wie Fotografien zur Erschließung und stereotypen Darstellung der Kolonie sowie ihrer indigenen Bevölkerung eingesetzt wurden.
4. Die fotografische Selbstdarstellung der Kolonialherren: Dieses Kapitel untersucht das Selbstbild der Kolonialisten, das sich primär in der Darstellung eines exotischen Paradieses oder europäischer Kultur fernab der Heimat manifestierte.
5. Tabus der kolonialen Fotografie: Es wird thematisiert, welche Motive, wie Krankheit, Tod oder Gewalt, aufgrund ihrer Wirkung auf das koloniale Image aus dem fotografischen Nachlass weitgehend ausgeklammert wurden.
6. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass die Fotografie weniger für ereignisgeschichtliche Fakten, sondern vor allem für die Erforschung von Mentalitäten und kolonialen Wahrnehmungsmustern von Bedeutung ist.
Kolonialfotografie, Deutsch-Ostafrika, Quellenkritik, Sozialgeschichte, Repräsentation, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung, Indigene Bevölkerung, Exotismus, Machtstrukturen, Stereotypisierung, Bildanalyse, Schutztruppe, Missionswesen, Historische Forschung.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse kolonialer Fotografien aus Deutsch-Ostafrika und untersucht deren Rolle als Quelle für die historische Forschung unter besonderer Berücksichtigung sozialgeschichtlicher Aspekte.
Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Quellenkritik, der Konstruktion des kolonialen Blicks, der Darstellung von Naturvölkern und der Selbstdarstellung europäischer Kolonialherren.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fotografien als soziale Praxis fungierten und inwieweit sie die Fremd- und Selbstwahrnehmung innerhalb der kolonialen Gesellschaft prägten und verzerrten.
Es wird eine historisch-quellencritische Analyse durchgeführt, die philosophische Ansätze zur Fotografie (u.a. von Walter Benjamin und Roland Barthes) mit historischen Untersuchungen verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der fotografischen Erschließung der "Wildnis", das Selbstbild der Kolonialherren und eine Analyse tabuisierter Themen wie Krankheit, Tod und Gewalt.
Zentrale Begriffe sind Kolonialfotografie, Quellenkritik, Exotismus, Repräsentation, Stereotypisierung und die soziale Konstruktion des "Fremden".
Die Darstellung solcher Motive hätte das Bild des "Platzes an der Sonne" und die koloniale Unbeschwertheit in der Heimat gestört und somit dem politischen Ziel widersprochen, die Kolonien als attraktives und zivilisiertes Ideal darzustellen.
Die technischen Anforderungen, wie lange Belichtungszeiten und der Aufwand für Innenaufnahmen, begrenzten die Motivwahl und führten dazu, dass viele Aufnahmen arrangiert wurden, was die Künstlichkeit der Bilder verstärkte.
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