Examensarbeit, 2011
23 Seiten, Note: 1
1. Zum Wohle des Kindes
2. ADHS gibt es – und gibt es nicht?
2.1 Situationsanalyse
2.1.1 Etablierung eines Krankheitsbildes
2.1.2 Wissenschaftstheoretische Einwände
2.1.3 Marktwirtschaftliche Fakten und Zahlen
2.1.4 Unheilbar!?
2.1.5 Ursachenforschung anhand der Bindungstheorie
3. „Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen“
3.1 Biblisch-theologischer Befund
3.1.1 Der Mensch als Gemeinschaftswesen
3.1.2 Gottes Wirken am und durch den Menschen
3.1.3 Anthropologische Grundpositionen der Schöpfungsberichte
3.1.4 Der Mensch als Dreiheit
3.1.5 Krankenheilungen und Dämonenaustreibungen als Zeichenhandlungen
3.1.6 Des Menschen Aufgabe
3.1.7 Kinder in der Bibel
4. Hilfe zum Leben
4.1 Prüfung von Normen und Gütern
5. Zur Beziehung berufen
5.1 Urteilsentscheid
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit der medikamentösen Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit der Diagnose ADHS aus christlich-theologischer Perspektive unter Berücksichtigung des Kindeswohls und gesellschaftlicher Normen.
Etablierung eines Krankheitsbildes
Das Krankheitsbild ADHS ist relativ jung. 1987 nahm die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung das hyperkinetische Syndrom ins „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM) auf. Vorangegangen waren diesem Schritt viele Versuche, die Hintergründe des Phänomens zu beschreiben. Peter R. Breggin zeichnet diesen Weg kritisch nach: „Zuerst nannten die Psychiater die Hyperaktivität eine Gehirnkrankheit. Als man keine Krankheit im Gehirn fand, veränderten sie in ‚minimal brain disease‘ (MBD) (geringfügiger Gehirnschaden). Als kein minimaler Gehirnschaden nachgewiesen werden konnte, formten die Fachleute das Konzept in ‚minimal brain dysfunction‘ (geringfügige Störung des Gehirns) um. Da keine minimale Gehirndysfunktion bewiesen werden konnte, wurde das Etikett zur ‚attention deficit disorder‘ (ADD) (Aufmerksamkeitsstörung)“. Hier wird schon deutlich, dass die Eindeutigkeit darüber, dass es sich bei ADHS um eine Krankheit im klassischen Sinne handelt, keineswegs von vornherein gegeben ist. Es gibt geradezu eine allgemeine Entzweiung darüber, ob im Fall von ADHS eine kindliche Verhaltensstörung dem heutigen biologistisch-naturwissenschaftlichen Paradigma folgend pathologisiert wird oder ob es sich beim hyperkinetischen Syndrom wirklich um eine wissenschaftlich nachweisbare Krankheit (mit hirnphysiologischen Ursachen) handelt.
1. Zum Wohle des Kindes: Einführung in das ethische Problem der medikamentösen Behandlung von Kindern mit ADHS anhand einer Fallschilderung und der Fragestellung nach dem Kindeswohl.
2. ADHS gibt es – und gibt es nicht?: Detaillierte Situationsanalyse, die die wissenschaftliche Eindeutigkeit des ADHS-Krankheitsbildes infrage stellt und wirtschaftliche Interessen sowie die Bindungstheorie beleuchtet.
3. „Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen“: Erarbeitung eines biblisch-theologischen Fundaments, das den Menschen als Gemeinschaftswesen betrachtet und das biblische Verständnis von Heil und Heilung in den Kontext der Problematik setzt.
4. Hilfe zum Leben: Ethische Prüfung der medikamentösen Praxis anhand gesellschaftlicher Normen, wie der UN-Kinderrechtskonvention und dem Grundgesetz, sowie eine kritische Hinterfragung des Nutzens von Pharmakotherapien.
5. Zur Beziehung berufen: Fazit und Urteilsentscheid, der eine einseitige Fokussierung auf Medikamente ablehnt und stattdessen die Bedeutung stabiler zwischenmenschlicher Beziehungen und christlicher Nächstenliebe betont.
ADHS, Pharmakotherapie, Ethik, Kindeswohl, Bindungstheorie, Anthropologie, biblische Anthropologie, medikamentöse Behandlung, Methylphenidat, Ritalin, Gesellschaftsnormen, Kinderrechte, Christliche Ethik, Diagnostik, Pädagogik
Die Arbeit beschäftigt sich mit den ethischen Implikationen der medikamentösen Behandlung von Kindern und Jugendlichen, bei denen die Diagnose ADHS gestellt wurde.
Die zentralen Felder sind die medizinisch-wissenschaftliche Einordnung von ADHS, die wirtschaftlichen Interessen der Pharmakonzerne, die biblisch-theologische Anthropologie und die ethische Prüfung des Kindeswohls.
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, ob die weit verbreitete medikamentöse Behandlung bei ADHS dem Wohle des Kindes dient oder ob sie primär als Instrument zur gesellschaftlichen Anpassung fungiert.
Es wird eine ethische Analyse durchgeführt, die sich auf eine wissenschaftstheoretische Situationsanalyse und eine biblisch-theologische Exegese sowie die Anwendung ethischer Normen stützt.
Im Hauptteil erfolgt eine kritische Dekonstruktion des Krankheitsbildes ADHS, eine Analyse wirtschaftlicher Faktoren und eine Gegenüberstellung dieser Befunde mit christlichen Menschenbildern und Grundrechten.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie ADHS, Pharmakotherapie, christliche Ethik, Kindeswohl, Bindungstheorie und anthropologische Grundpositionen definieren.
Die Autorin lehnt weder Medikamente grundsätzlich ab, noch befürwortet sie eine reine Pharmakotherapie; sie plädiert für einen verantwortungsvollen Umgang, der die Persönlichkeit des Kindes und die Ursachenforschung in den Vordergrund stellt.
Das biblische Menschenbild dient als Korrektiv zur rein funktionalistischen Sichtweise, indem es den Menschen als Schöpfung Gottes und Gemeinschaftswesen betont, der nicht allein durch seine „Funktion“ in der Gesellschaft definiert wird.
Die Pharmaindustrie wird kritisch beleuchtet, insbesondere hinsichtlich ihrer ökonomischen Interessen an der Etikettierung von Verhalten als krankhaft und dem damit korrespondierenden Anstieg der Medikamentenverschreibungen.
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