Diplomarbeit, 2012
78 Seiten, Note: 1,0
1 Einführung
2 Die allgemeinen Grundlagen der Schiffsführung
3 Anforderung an nautisches Führungspersonal
3.1 Gesundheitliche Anforderungen
3.1.1 Hören und Sehen
3.1.2 Körperliche Voraussetzungen
3.2 STCW und „soft skills“
4 An Bord: Einflussfaktoren und soziale Umwelt
4.1 Der Bordalltag und seine Probleme
4.1.1 Ein Beispiel für „unüberlegtes Handeln“ an Bord eines Mehrzweckfrachters in indonesischer Küstennähe:
4.1.2 Positive Erlebnisse im Umgang mit nautischen Offizieren:
4.2 Die Landseite- Evaluierung sozialer Kompetenzen
5 Exkurs: Rechtliche Konsequenzen eines Seeschiffunfalles nach dt. Gesetzgebung
6 Der nautische Ausbildungssektor und soziale Kompetenzen
6.1 Was ist soziale Kompetenz, welche brauchen wir?
6.2 Welche Kompetenzen sind gefragt?
7 Arbeitssoziologische Betrachtung
7.1 Studien und Erkenntnisse
7.2 Stress am Arbeitsplatz
7.3 DIN EN ISO 10075, Grundlagen aus der Arbeitspsychologie
7.4 Stressverursachender Faktor: Der Chef und seine Werkzeuge
7.4.1 Das Hauptwerkzeug der Zusammenarbeit: Kommunikation
7.4.2 Der Führungsstil
7.5 Grundlagen der Menschenführung: Der innere Dialog
8 Schlüsselaspekt „Teamfähigkeit“
9 Aus der Sicht der Personalabteilungen und der erfahrenen Seeleuten
9.1 Befragung zum Thema
9.1.1 Samplestruktur
9.1.2 Erstellung des Befragungsbogens
9.2 Ergebnis der Befragung „Frage 2“
9.3 Ergebnis der Befragung „Frage 1“
9.4 Vergleichende Analyse
10 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht das System „Schiff“ unter arbeitssoziologischen Gesichtspunkten. Das zentrale Ziel ist es, den Stellenwert von Sozial- und Führungskompetenzen für die Schiffsicherheit zu analysieren und zu klären, inwieweit diese bei der Auswahl und Positionierung von nautischem Führungspersonal berücksichtigt werden.
4.1.1 Ein Beispiel für „unüberlegtes Handeln“ an Bord eines Mehrzweckfrachters in indonesischer Küstennähe:
Das 160m lange Mehrzweckschiff fuhr entlang der Küste der indonesischen Hauptinsel in Richtung Surabaya. Es war zum Zeitpunkt des „beinahe Unfalls“ circa 1215 LT. Die Sichtweite war unter 1000 Metern; es herrschte Nebel und es war windstill. Die Brücke war mit einem Ausguck besetzt. Der zweite russische Offizier löste den deutschen Kapitän noch nicht von der Funktion des WOs ab. Beide unterhielten sich auf Höhe Mitte der Brücke am Steuerstand. Der Kapitän nutzte die Gelegenheit der Begegnung mit dem 2. Off., um ihn über die schlechte Ausbildung in Russland zu informieren. Er gebrauchte dabei eine spottende Stimme und packte seine Aussagen stets in Scherze. Der 2.Off. konnte durch die räumliche Enge der Brücke sowie auf Grund der Tatsache, dass er die Wache zu übernehmen hatte, nicht ausweichen. Der Kapitän verzögerte durch seine spottende Rede die Wachübergabe. Währenddessen fuhr das Schiff mit Servicespeed von 16kn, obwohl mit kleinen Fischerbooten nahe der Küste zu rechnen war.
Der Ausguck war mit dem Radar und dem Ausgucken beschäftigt. Er lief zwischen Bildschirm und Fenster hin und her. Beide Offiziere waren dermaßen miteinander im Gespräch vertieft, dass sie die Verunsicherung des Ausgucks bei der Arbeit nicht bemerkten. Der Ausguck machte keine Meldung über das Echo recht voraus, weil ihn der Kapitän bereits mehrfach aggressiv zurechtgewiesen hatte, dass er „nicht jeden Scheiß“ melden soll. Das Echo verschwand, tauchte auf und verschwand, dennoch nahm der Ausguck die Peilung und verharrte am Fenster in der Erwartung, doch etwas zu sehen. Der 2.Off., dem noch immer keine Wache übergeben wurde, widmete sich aus Zeitdruck, bald im Hafen anzukommen, den letzten Berichtigungen seiner Seekarten. In Sichtweite direkt vorm Steven war dann ein kleines Boot mit Mann zu sehen, der Ausguck meldete hektisch. Der Kapitän schien verwirrt, da er den Fahrtverlauf des Schiffes im Gespräch mit dem 2. Off. nicht mitbekam. Der junge russische Offizier dagegen sprang vom Kartentisch zur Handsteuerung und wich nach Steuerbord aus, während er dem Kapitän die Lage berichtete.
1 Einführung: Die Arbeit beleuchtet das System „Schiff“ aus arbeitssoziologischer Perspektive und definiert die zentrale Forschungsfrage zum Stellenwert sozialer Kompetenzen für die Schiffsicherheit.
2 Die allgemeinen Grundlagen der Schiffsführung: Es wird die Organisation des Brückenteams (BRM) analysiert und aufgezeigt, wie gesetzliche Regelungen mit menschlichen Leistungsanforderungen korrespondieren.
3 Anforderung an nautisches Führungspersonal: Dieses Kapitel dokumentiert physische und psychische Anforderungen sowie die Bedeutung internationaler Standards wie STCW für die Sicherheit.
4 An Bord: Einflussfaktoren und soziale Umwelt: Hier werden Belastungsfaktoren wie Zeitdruck und räumliche Enge beschrieben und durch Praxisbeispiele (Beinahe-Unfall) sowie positive Führungsansätze illustriert.
5 Exkurs: Rechtliche Konsequenzen eines Seeschiffunfalles nach dt. Gesetzgebung: Untersuchung der amtlichen Abläufe nach Unfällen und deren Zweckmäßigkeit im Kontext von „Human Errors“.
6 Der nautische Ausbildungssektor und soziale Kompetenzen: Definition sozialer Kompetenzen in der Nautik und Beobachtungen zur praktischen Sensibilisierung im Rahmen der Ausbildung.
7 Arbeitssoziologische Betrachtung: Analyse von Stress, Arbeitspsychologie, Kommunikation und Führungsstilen als wesentliche Bestandteile für das Gelingen des Bordalltags.
8 Schlüsselaspekt „Teamfähigkeit“: Zusammenfassende Betrachtung der Teamfähigkeit als entscheidende Säule innerhalb der sozialen Kompetenzen für eine erfolgreiche Schiffsführung.
9 Aus der Sicht der Personalabteilungen und der erfahrenen Seeleuten: Ergebnisse einer empirischen Befragung bei 30 Reedereien hinsichtlich der Einstellungskriterien und Bewertung von Sozialkompetenzen.
10 Schlussbetrachtung: Resümierende Diskussion über die Bedeutung der menschlichen Führung und die Diskrepanz zwischen der geforderten sozialen Kompetenz und deren faktischer Überprüfung bei Einstellungsverfahren.
Schiffsicherheit, Nautik, Führungskompetenz, Soziale Kompetenz, Human Factor, Teamfähigkeit, Kommunikation, Arbeitssoziologie, Reederei, Personalführung, Stressmanagement, Bordalltag, Ausbildungssektor, Selektionsprozess, Sicherheitskultur.
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Sozial- und Führungskompetenzen für nautisches Personal im Kontext der Schiffsicherheit und Arbeitssoziologie.
Themenfelder sind der „Human Factor“ an Bord, Stressbelastungen des Führungspersonals, Kommunikationsmodelle, sowie Auswahlprozesse in Reedereien.
Das Ziel ist es, den Stellenwert von „Soft Skills“ bei der Schiffsführung zu bestimmen und zu prüfen, ob diese in der Personalauswahl standardisiert berücksichtigt werden.
Die Autorin nutzt qualitative Forschungsmethoden (Grounded Theory), ergänzt durch einen Hypothesentest auf Basis einer Befragung von 30 deutschen Reedereien.
Der Hauptteil behandelt die rechtlichen und psychologischen Anforderungen an Nautiker, die Analyse von Führungsstilen sowie die empirische Auswertung der Befragung zur Rolle der Teamfähigkeit.
Schlüsselwörter wie Schiffsicherheit, Human Factor, Teamfähigkeit, Sozialkompetenz und Personalführung stehen zentral für den Inhalt der Arbeit.
Obwohl Sozialkompetenzen als wichtig eingestuft werden, findet in vielen Personalabteilungen keine standardisierte oder objektive Evaluation statt; Entscheidungen werden oft „aus dem Bauch“ getroffen.
Die Mehrheit der befragten Reedereien (87,5%) hält Teamfähigkeit für entscheidend für die Schiffsicherheit, da sie ein zentrales Instrument zur Bewältigung von Stress und zur Risikominimierung darstellt.
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