Magisterarbeit, 2011
72 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Über die Rezeptions- und Interpretationsgeschichte sowie die Notwendigkeit einer historischen Hermeneutik
2.1. Die traditionellen Kommentare
2.2. Die Laozi-Rezeption im Westen
2.3. Moderne Annäherungsversuche an das DDJ
2.4. Über die Notwendigkeit einer historischen Hermeneutik
3. Das DDJ als politischer Text
3.1 Historische Einordnung
4. Das Dao als Schlüssel zum Verständnis
4.1. Das Dao als „Sein“, „Nicht-Sein“ und der Ursprung aller Existenz
4.2. Das Dao und die Welt
4.3 Das Dao und der Mensch
4.3.1. Die Verwirklichung des Daos in einer politischen Ordnung
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Philosophie des Daodejing, indem sie die historische Rezeptionsgeschichte kritisch reflektiert und das Werk primär als einen auf die politische Ordnung ausgerichteten Text interpretiert, anstatt es rein mystisch oder als universelle Lebensweisheit zu verstehen.
3.1 Historische Einordnung
Die in China schon früh entwickelte Geschichtsschreibung sowie die große Anzahl an überlieferten zeitgenössischen Dokumenten erlauben es uns, die Epoche der Entstehung des DDJs als historische Zeit zu betrachten.
Eine zentrale Rolle im Kernland des heutigen Chinas (von dem bis zum Jahr 221 v. Chr. noch keine Rede sein konnte), spielte die Häufigkeit von Naturkatastrophen, welche die Vorstellung von kosmologischen Zusammenhängen maßgeblich prägte. Da das Land in regelmäßigen Abständen, ungefähr alle fünf bis zehn Jahre, entweder von Überschwemmungen oder Dürren heimgesucht wurde, entwickelten die Menschen ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Unterworfenseins gegenüber den übermächtigen Kräften der Natur. Um ihr Überleben zu sichern, war deswegen eines ihrer Hauptanliegen, die Natur in ihrem harmonischen Gleichgewicht zu halten. Zu diesem Zweck entwickelte sich im Laufe der Zeit ein rituell-mythischer Kalender, der die philosophischen Schulen Chinas nachhaltig beeinflusste. Andere Gemeinsamkeiten waren die Idealisierung des Altertums sowie eine stark empfundene Zusammengehörigkeit des Landes, die gefördert wurde durch seine natürlichen Grenzen und sich in der Zähigkeit seiner Eroberungen widerspiegelte in den Kriegen gegen die barbarischen Nachbarvölker. Als „Barbaren“ galt alles, was nicht chinesisch war.
Im Jahre 1027 v. Chr. löste die Zhou-Dynastie – in der Geschichte als „Westliche Zhou-Dynastie“ bezeichnet – die Shang-Dynastie ab, die sich aufgrund innerer Konflikte selbst geschwächt hatte und sich bereits am Rande des Zusammenbruchs befand. Um diesen Regierungswechsel zu erklären, beriefen sich die neuen Zhou-Herrscher auf das „Mandat des Himmels“, demzufolge der Himmel die Autorität gerechter Herrscher schützt, wohingegen es an eine besser geeignete Person weitergegeben werden könne, insofern ein Herrscher als seines Amtes nicht würdig erwies. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde das „Mandat des Himmels“ zum traditionellen Konzept zur Herrschaftslegitimation chinesischer Kaiser.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die archäologische Bedeutung der Mawangdui-Funde für die Daodejing-Forschung und umreißt die methodische Problematik der Textinterpretation.
2. Über die Rezeptions- und Interpretationsgeschichte sowie die Notwendigkeit einer historischen Hermeneutik: Dieses Kapitel arbeitet die divergierenden Interpretationsansätze von der Antike bis in die moderne westliche Sinologie auf und begründet die Notwendigkeit einer historisch verankerten Lektüre.
3. Das DDJ als politischer Text: Der Autor argumentiert, dass das Daodejing primär als politisches Werk verstanden werden muss, welches auf die Wiederherstellung einer natürlichen Ordnung abzielt.
4. Das Dao als Schlüssel zum Verständnis: Dieses Kapitel analysiert das zentrale Konzept des „Dao“ in seinen ontologischen und metaphysischen Dimensionen sowie in seinem Bezug zum menschlichen Handeln.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die politische Utopie des Daodejing ein idealisierter Agrarstaat ist, der durch einen weisen, nicht-intervenierenden Herrscher im Sinne des Wu-Wei verwaltet wird.
Daodejing, Dao, Laozi, historische Hermeneutik, politische Philosophie, Mawangdui, Wu-Wei, Herrschaftslegitimation, Mandat des Himmels, chinesische Philosophie, Rezeptionsgeschichte, Naturzustand, politischer Text, Sinologie, Nicht-Handeln
Die Arbeit analysiert das Daodejing als eine tiefgreifende politische Abhandlung, die vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Krisen der Zeit der Streitenden Reiche entstanden ist.
Zu den Kernbereichen gehören die historische Einordnung des Werkes, die kritische Reflexion der westlichen Rezeption sowie die philosophische Grundlegung von "Dao" als politisches Ordnungsprinzip.
Die Arbeit geht der Frage nach, ob das Daodejing als kohärentes politisches Gedankengebäude gelesen werden kann und wie die Konzepte von Dao und Wu-Wei ein nicht-interventionistisches Regieren legitimieren.
Der Autor nutzt eine historisch-hermeneutische Methode, um den Text aus seinem ursprünglichen Entstehungskontext heraus zu verstehen und von späteren, durch westliche oder christliche Begriffe geprägten Interpretationen zu reinigen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Rezeptionsgeschichte, eine textimmanente Analyse der Dao-Typologien und die Untersuchung des Daodejing als Leitfaden für eine politische Ordnung.
Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Daodejing ein Plädoyer für einen minimalistischen, fast autokratischen Staat ist, in dem der Herrscher durch Nicht-Handeln (Wu-Wei) die Selbstorganisation der Gesellschaft ermöglicht.
Der Herrscher wird als Verkörperung des Dao interpretiert, der durch seine unbestimmte "Leere" als stabiles Zentrum inmitten eines dynamischen sozialen Geschehens agiert.
Die Mawangdui-Funde gelten als maßgebliche Referenz, da sie als älteste überlieferte Versionen des Daodejing eine differenzierte Lesart des Textes als kritische Abhandlung gegen konfuzianische Werte ermöglichen.
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