Magisterarbeit, 2010
102 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Frühe Kindheit und Bildung
2.1 Vorüberlegungen zum Begriff der Bildung
2.2 Frühkindliche Bildung
2.2.1 Frühkindliche Bildung als selbständiger Weltaneignungsprozess
2.2.2 Frühkindliche Bildung als Prozess in Abhängigkeit kultureller und sozialer Gegebenheiten
2.2.3 Frühkindliche Bildung als ästhetische Bildung
2.2.4 Historische Denklinie I: Jean Jacques Rousseau
2.2.5 Historische Denklinie II: Maria Montessori
2.2.6 Frühkindliche Bildungsprozesse im Kontext der klassischen Bildungstheorie
2.3 Zusammenfassung: Versuch einer Bestimmung des Begriffes frühkindlicher Bildung mit allgemeinpädagogischem Anspruch
3. Frühe Kindheit, Medien und Bildung
3.1 Medien und Bildung
3.1.1 Fernsehen als Vermittler und Nachbildner der Welt
3.1.2 Wesenszüge einer zur Industrie gewordenen Kultur und das Fernsehen als Repräsentant derselben
3.1.3 Der Einfluss des Fernsehens auf Prozesse der Urteilsbildung
3.1.4 Kritik der Kritiker – Überlegungen zu einer anderen Sicht auf das Fernsehen
3.2 Fernsehen als Unterstützung frühkindlicher Bildungsprozesse
3.2.1 Fernsehen als Handeln
3.2.2 Die pädagogische Relevanz der phänomenologischen Betrachtung des Fernsehens als Handeln
3.3 Zusammenfassung: Möglichkeiten und Grenzen der medialen Einflussnahme auf frühkindliche Bildungsprozesse
4. Frühe Kindheit und Medien in der Praxis
4.1 Die Geschichte des Kinderfernsehens in Deutschland: Ein (kritischer) Überblick
4.2 „Die Sendung mit dem Elefanten“: Rückbesinnung auf die pädagogische Phase des Kinderfernsehens
4.2.1 Besondere Merkmale der „Sendung mit dem Elefanten“
4.2.2 Der „Elternticker“: Ratgeber und Handlungsaufforderung für Eltern
4.3 Das Forschungsprojekt „Frühe Kindheit, Medien und Bildung“
4.3.1 Methode und Fragestellung
4.3.2 Auswertung des Leitfadeninterviews
4.3.2.1 Allgemeine Haltung zum medialen Einfluss und Fernsehkonsum von Kindern im Alltag
4.3.2.2 Beurteilung der „Sendung mit dem Elefanten“
4.3.2.3 Beurteilung des „Elterntickers“
4.3.2.4 Zusammenfassung
5. Fazit: Über den Einfluss des Kinderfernsehens auf frühkindliche Bildungsprozesse
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Kinderfernsehens auf frühkindliche Bildungsprozesse, wobei ein dezidiert allgemeinpädagogischer Anspruch verfolgt wird. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, wie das Fernsehen als Teil der kindlichen Erfahrungswelt die Welt- und Selbstaneignung beeinflusst und welche Möglichkeiten es bietet, diesen Prozess jenseits reiner Wirkungsforschung und Kompetenztraining konstruktiv zu begleiten.
3.1.1 Fernsehen als Vermittler und Nachbildner der Welt
Betrachtet man das Fernsehen aus einer kommunikationstheoretischen Perspektive, so kann man zunächst ganz grundsätzlich feststellen, dass durch das Medium Botschaften vermittelt werden. Mit Hilfe dieser Botschaften oder Informationen, bestehend aus Bildern und Tönen, wird durch das Medium und seine technische Beschaffenheit eine Anwesenheit von etwas Abwesendem geschaffen, ohne dass diese Abwesenheit jedoch aufgehoben werden kann. Das Medium erzeugt somit eine Repräsentation des Abwesenden. Die Welt indes, welche durch das Medium repräsentiert wird, ist eine vermittelte Welt. Die Inhalte, die das Fernsehen vermittelt, sind somit also zwar sinnlich erfahrbar, jedoch handelt es sich gewissermaßen um Erfahrungen aus zweiter Hand, da durch das Medium lediglich Abbilder der Welt präsentiert werden.
Legt man dieser Überlegung Platons Dichterkritik in der Politeia zugrunde, so wird ersichtlich, dass das Fernsehen, analog zum Dichter in Platons Dialog, im Bereich der Nachbildner gesehen werden kann. Ausgehend von der Idee des Bildungsganges als bestmögliche Annäherung an Wahrheit, an die Wirklichkeit, die Welt der Ideen und Begriffe, verortet Platon den Nachbildner indes auf der untersten Stufe, also am weitesten entfernt von der Wahrheit. Dies wird an einem Beispiel verdeutlicht:
Gott aber, ob er nun nicht wollte oder ob eine Notwendigkeit für ihn da war, nicht mehr als ein Bettgestell in der Natur zu machen, so machte er auch nur eins allein, jenes selbst, was das Bettgestell ist. […] Dieses nun wissend, denke ich, hat Gott, weil er wahrhaft der Verfertiger des wahrhaft seienden Bettgestells sein wollte und nicht eines einzelnen Bettgestells, noch auch ein Tischler, es als eines dem Wesen nach gebildet. […] Sollen wir diesen also den Wesensbildner hiervon nennen oder ungefähr so? […] Und wie den Tischler? Nicht den Werkbildner des Bettgestells? – Ja. – Nennen wir auch wohl den Maler Werkbildner oder Verfertiger desselben? – Keineswegs. […] Ich denke, entgegnete er, am schicklichsten nennen wir ihn Nachbildner dessen, wovon jene Werkbildner sind. – Sei es! sprach ich. Des dritten Erzeugnisses Vorsteher von dem Wesen ab nennst du also Nachbildner. […] Dieses also wird auch der Tragödiendichter sein, wenn er doch Nachbildner ist, ein dritter vor dem Könige und dessen wahrem Wesen, und so alle andern Nachbildner. (Platon 1994 (370 v. Chr.), S. 508f)
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Kontroverse um den Einfluss des Fernsehens auf Kinder ein und definiert den allgemeinen pädagogischen Fokus der Arbeit.
2. Frühe Kindheit und Bildung: In diesem Kapitel werden grundlegende Theorien zur frühkindlichen Bildung als selbsttätigen Weltaneignungsprozess und dessen Abhängigkeit von soziokulturellen Gegebenheiten erläutert.
3. Frühe Kindheit, Medien und Bildung: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Funktion des Fernsehens als Vermittler von Weltbildern sowie dessen phänomenologische Betrachtung als Handlung.
4. Frühe Kindheit und Medien in der Praxis: Dieses Kapitel prüft die theoretischen Annahmen anhand der "Sendung mit dem Elefanten" und wertet dazu ein qualitatives Forschungsprojekt mit Eltern aus.
5. Fazit: Über den Einfluss des Kinderfernsehens auf frühkindliche Bildungsprozesse: Das Fazit fasst die Ambivalenz des Mediums zusammen und plädiert für einen bewussten, die Individualität des Kindes achtenden Umgang.
Frühkindliche Bildung, Medienpädagogik, Fernsehen, Kindheit, Bildungsphilosophie, Weltaneignung, Kulturindustrie, Phänomenologie, Elternticker, Sendung mit dem Elefanten, Urteilsbildung, Sozialisation, Medienkonsum, Erziehung, Selbstbildung.
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Kinderfernsehens auf Bildungsprozesse in der frühen Kindheit, wobei sie medienkritische Ansätze mit pädagogischen Theorien verknüpft.
Im Fokus stehen die Begriffe Bildung und Erziehung in der frühen Kindheit, der Medieneinfluss auf die kindliche Weltaneignung sowie die Rolle des Fernsehens als Unterstützungsmedium.
Das Ziel ist es, auf einer breiten theoretischen Basis zu verstehen, wie das Fernsehen Bildungsprozesse bei Kindern beeinflusst, ohne dabei in simple Ursache-Wirkungs-Schemata zu verfallen.
Der praktische Teil basiert auf einer qualitativen Forschungsmethode, konkret auf einem fokussierten Leitfadeninterview mit Eltern.
Der Hauptteil analysiert das Fernsehen als Medium und Nachbildner der Welt sowie seine Bedeutung als leibliches Handeln, ergänzt durch die Analyse eines konkreten Formats.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Frühkindliche Bildung, Selbstbildung, Medienpädagogik, Phänomenologie und den kritischen Umgang mit Medienkonsum aus.
Der Elternticker dient als Fallbeispiel für den Versuch, Fernsehen nicht nur als passiven Konsum, sondern als interaktive Unterstützung für Eltern und Kinder zu gestalten.
Die Eltern zeigen eine insgesamt kritische, aber nicht ablehnende Haltung; sie betonen die Notwendigkeit elterlicher Kontrolle und die Bedeutung von Aktivitäten jenseits des Fernsehens.
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