Magisterarbeit, 2010
85 Seiten, Note: 1,0
1. Zu Nietzsches Auffassung der Geschichtsschreibung
1.1 Monumentale und überhistorische Auffassungen
1.2 Antiquarische und kritische Historie
1.3 Natur der Problematik
2. Vergangenheit und Wiederkunft
2.1 Die Vergangenheitsfrage in und vor Zarathustra
2.2 Genesung und Genesis des Zarathustra
2.3 Zeit und Existenz: Zarathustras Gesicht und Rätsel
2.4 Augenblick und Wiederkehr
3. Präsenz und Leib
3.1 Moralkritik und Sprachauffassung in der Lebensphilosophie
3.2 Die große Sehnsucht
Die vorliegende Arbeit untersucht den roten Faden in Friedrich Nietzsches komplexem und unsystematischem Denken, indem sie die Lehre von der ewigen Wiederkunft als zentralen Interpretationspunkt wählt. Ziel ist es, die philosophischen Folgen der Zeit- und Geschichtsauffassung zu ergründen und aufzuzeigen, wie Nietzsche durch die Erfahrung des Augenblicks eine Philosophie des Leibes und der Präsenz entwirft.
1. Zu Nietzsches Auffassung der Geschichtsschreibung
In Bekenntnis am Grabe Nietzsches beleuchtet Peter Gast ein zentrales Merkmal des Lebens seines Freundes Friedrich. Im Moment der höchsten Trauer und Erinnerung an den Verlorenen fühlt sich Gast dazu verpflichtet, ein Leitmotiv des Daseins Nietzsches zu betonen, das dabei helfen soll, sowohl die Bedeutung des Werkes als auch die Lebensgeschichte Nietzsches zu verstehen.
Gast beschreibt das Leben von Friedrich Nietzsche als eine »ungeheure Odyssee«: ungeheuer, weil ihm eine triumphale Rückkehr in die Heimat versagt war. Ohne Ruhe war Nietzsche durch das Europa des späten 19. Jahrhunderts gewandert und niemals konnte sein Geist eine dauerhafte Gesundheit erleben. Er war von einem obskuren Leiden verfolgt, das eine vielfältige Symptomatik verursachte und ihm viel zu denken gab. Es war, wie er selber schrieb, ein »Leiden am Menschen«, ein nicht besser definiertes Unbehagen gegenüber seinen Mitmenschen und letztendlich gegenüber sich selber.
1. Zu Nietzsches Auffassung der Geschichtsschreibung: Analysiert die drei Arten der Historie (monumentalisch, antiquarisch, kritisch) in den Unzeitgemäßen Betrachtungen und setzt sie in Bezug zum frühen Denken Nietzsches über Geschichte und Lebenskraft.
1.1 Monumentale und überhistorische Auffassungen: Untersucht Nietzsches Kritik an der monumentalen Historie und deren Gefahr der Verfälschung durch Mythenbildung.
1.2 Antiquarische und kritische Historie: Kontrastiert die bewahrende, oft mumifizierende antiquarische Historie mit der lebensfördernden, aber risikoreichen kritischen Historie.
1.3 Natur der Problematik: Erörtert die tieferen Widersprüche in Nietzsches Auseinandersetzung mit der historischen Krankheit und der Unmöglichkeit, der Geschichte vollkommen zu entkommen.
2. Vergangenheit und Wiederkunft: Überträgt die historischen Fragestellungen auf die reifere Zarathustra-Phase und untersucht die Erlösung von der Last der Zeit.
2.1 Die Vergangenheitsfrage in und vor Zarathustra: Beleuchtet den Übergang von der historischen Kritik zur erlösenden Lebensbejahung im Kapitel „Von der Erlösung“.
2.2 Genesung und Genesis des Zarathustra: Interpretiert das Kapitel „Der Genesende“ als tiefenpsychologische Erfahrung des Subjekts, das seine eigene Realität schöpft.
2.3 Zeit und Existenz: Zarathustras Gesicht und Rätsel: Analysiert das Bild des Torwegs als Schlüssel für die Einigung von Vergangenheit und Zukunft im Augenblick.
2.4 Augenblick und Wiederkehr: Führt aus, wie die ewige Wiederkunft als Antwort auf das Werden das Konzept der subjektiven Zeitlichkeit vollendet.
3. Präsenz und Leib: Untersucht die philosophischen Konsequenzen der durch den Augenblick gewonnenen leiblichen Vernunft.
3.1 Moralkritik und Sprachauffassung in der Lebensphilosophie: Verbindet Nietzsches Kritik an Sprache und Moral mit der Entstehung eines leibzentrierten Denkens.
3.2 Die große Sehnsucht: Schließt die Arbeit mit der Analyse dieses speziellen Leibzustands als aktive Reflexion über das Selbst und als Vollendung der Lebensphilosophie ab.
Friedrich Nietzsche, Ewige Wiederkunft, Geschichtsschreibung, Augenblick, Leibphilosophie, Zarathustra, Amor fati, Übermensch, Sprachkritik, Moral, Historie, Zeitauffassung, Selbsterkenntnis, Wille zur Macht, Lebensphilosophie.
Die Arbeit untersucht, wie Friedrich Nietzsche das Verhältnis von Zeit, Geschichte und menschlicher Existenz thematisiert und dabei die Lehre von der ewigen Wiederkunft als Instrument für eine neue, leibfundierte Philosophie nutzt.
Die Schwerpunkte liegen auf Nietzsches Geschichtskritik (Unzeitgemäße Betrachtungen), seiner Sprach- und Moralkritik sowie der zentralen Entwicklung der Idee der ewigen Wiederkunft im Werk „Also sprach Zarathustra“.
Ziel ist es, den roten Faden in Nietzsches Denken freizulegen und aufzuzeigen, wie die „Große Sehnsucht“ und die Erfahrung des Augenblicks eine Brücke zwischen dem Geist und dem leiblichen Dasein schlagen.
Die Arbeit nutzt einen genealogischen Ansatz, der die Texte thematisch und in ihrem inneren Zusammenhang interpretiert, um Nietzsches Philosophie der Gegenwart und des Leibes aufzuklären.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Geschichtsschreibung, die Transformation der Vergangenheitsfrage hin zur Lehre der Wiederkunft und schließlich die Bedeutung der „Präsenz“ und des leiblichen Erlebens in Zarathustra.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie „Augenblick“, „leibfundierte Rationalität“, „amor fati“, „Sprachleib“ und die „Dichotomie von Stark und Schwach“.
Der Dämon aus „Die fröhliche Wissenschaft“ wird als existentielle Bedrohung interpretiert, die das Individuum zwingt, sich der absoluten Verantwortung für die Wiederholung seines Lebens im Augenblick zu stellen.
Sie wird als ein spezifischer Leibzustand gedeutet, der eine Katharsis und eine Versöhnung mit dem Gesamten der Existenz ermöglicht und somit den Schlusspunkt der philosophischen Selbstwerdung markiert.
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