Examensarbeit, 2003
103 Seiten
1. Einleitung
2. Antike und mittelalterliche Zeugnisse über Petrons Satyrica
3. Petron im Spiegel der politischen, gesellschaftlichen und literarischen Entwicklung der frühen Kaiserzeit. Rückschlüsse auf die Wahl eines literarischen Genus
4. Satirisches in den Satyrica
4.1 Der Titel Satyrica als Hinweis auf ein satirisches Werk
4.2 Motive der Satire in den Satyrica
4.3 Die sprachlich-stilistische Gestaltung der Satyrica als Mittel satirischer Charakterzeichnung
4.4 Die Handlungsführung und Erzählstruktur der Satyrica im Vergleich mit der Satire
4.5 Moralisierung in satirischer Funktion oder humorvolle Distanz
4.6 Fiktion und Realität im Spiegel der Satire
5. Die Satyrica, das Prosimetrum und die menippeische Satire
6. Petrons Satyrica in der Tradition des griechischen Romans
6.1 Satyrica, Ephesiaka und andere Romantitel
6.2 Typische Szenen und Motive des traditionellen griechischen Liebesromans. Übernahme und parodistische Brechung
6.3 Die (Vers-) Einlagen bei Petron und in den Romanen
6.4 Die Handlungsführung der Satyrica im Vergleich zum Roman
6.5 Die Satyrica und der Wirklichkeitsanspruch der griechischen Romane
7. Die Satyrica und der komische Roman
7.1 Die Satyrica und die Metamorphosen des Apuleius
7.2 Der Iolaos-Papyrus (Oxy. 3010)
7.2.1 Versuche zum Textverständnis. Eine Analyse des Fragments
7.2.2 Aussagewert des Fragments in Bezug zu Petrons Satyrica und zur Romantradition unter Einbeziehung weiterer Fragmente
8. Beziehungen zu anderen literarischen Gattungen und Traditionen
8.1 Epos
8.2 Griechische Novelle
8.3 Mimus
8.4 Symposion-Literatur
9. Schluss
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den literarischen Charakter von Petrons Satyrica grundlegend zu analysieren und eine fundierte gattungsspezifische Einordnung vorzunehmen. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das Werk zwischen den Polen Roman und Satire positioniert und welchen Einfluss andere antike Traditionen auf seine Komposition haben.
4.6 Fiktion und Realität im Spiegel der Satire
Petron entwirft in den Satyrica eine Welt, in der die auftretenden Personen sich verschiedenen Lastern und Torheiten hingeben. Die Laster, die in den Satyrica zur Sprache kommen, sind aus dem realen Leben bekannt. Damit stellt sich grundsätzlich die Frage nach dem Wirklichkeitsgehalt der Satyrica. Die Wirklichkeitsfrage berührt das Verhältnis der Satyrica zur Satire, die ebenfalls typisch menschliche Verfehlungen aufgreift.
Bei der Untersuchung des realistischen Gehalts der Satyrica ist das Gedicht 132, 15 heranzuziehen, auf das bereits im Zusammenhang mit dem moralischen Anspruch der Satyrica hingewiesen wurde (s. Kap. 4.5). Man erkennt, dass dieses Gedicht unter vielfältiger Perspektive zu betrachten ist. Diese Verse sind in der Petronforschung wohl von allen Textstellen am intensivsten diskutiert worden.
quid me constricta spectatis fronte Catones
damnatisque novae simplicitatis opus?
sermonis puri non tristis gratia ridet,
quodque facit populus, candida lingua refert.
nam quis concubitus, Veneris quis gaudia nescit?
quis vetat in tepido membra calere toro?
ipse pater veri doctos Epicurus amare
iussit et hoc vitam dixit habere τελος.
Es ist der vielfältige Versuch unternommen worden, aus diesem Gedicht außerhalb des unmittelbaren Kontexts Aussagen Petrons über sein Werk abzuleiten. Folglich sind die Verse 132, 15 für die Frage nach dem Wirklichkeitsanspruch der Satyrica wichtig.
1. Einleitung: Vorstellung der Satyrica als ungewöhnliches Werk und Definition der Schwierigkeit ihrer literarischen Einordnung aufgrund fragmentarischer Überlieferung.
2. Antike und mittelalterliche Zeugnisse über Petrons Satyrica: Untersuchung antiker und mittelalterlicher Rezeptionen des Werks, um Indizien für das Verständnis von Petrons Gattung zu gewinnen.
3. Petron im Spiegel der politischen, gesellschaftlichen und literarischen Entwicklung der frühen Kaiserzeit. Rückschlüsse auf die Wahl eines literarischen Genus: Analyse der Epoche Neros als Rahmenbedingung für die literarische Produktion und die Wahl des "Antihelden" als literarische Konzeption.
4. Satirisches in den Satyrica: Eingehende Untersuchung von Motiven, sprachlicher Gestaltung und Erzählstruktur auf mögliche satirische Merkmale.
5. Die Satyrica, das Prosimetrum und die menippeische Satire: Erörterung des formalen Charakters des Werks durch die Vermengung von Prosa und Vers.
6. Petrons Satyrica in der Tradition des griechischen Romans: Abgleich der Satyrica mit dem griechischen Liebesroman hinsichtlich Schemata, Motiven und parodistischer Brechung.
7. Die Satyrica und der komische Roman: Vergleich mit dem Eselsroman und Analyse der Bedeutung des Iolaos-Papyrus für die Einordnung.
8. Beziehungen zu anderen literarischen Gattungen und Traditionen: Untersuchung weiterer Einflüsse wie Epos, Novelle, Mimus und Symposion-Literatur.
9. Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Satyrica als facettenreiches Werk, das sich nicht einer einzigen Gattung unterordnen lässt, sondern eine eigene, originelle Leistung darstellt.
Satyrica, Petron, Roman, Satire, menippeische Satire, Antike, Realismus, Parodie, antiker Roman, Prosimetrum, literarische Gattung, Neronische Epoche, Erzählstruktur, Novelle, Mimus
Die Arbeit untersucht die literarische Einordnung von Petrons Satyrica und stellt die Frage, ob das Werk eher als Roman, als (menippeische) Satire oder als eine eigenständige Gattungskreuzung zu verstehen ist.
Im Fokus stehen die Einordnung des Werks in den Kontext der neronischen Zeit, die Analyse der Erzählstruktur, die Rolle der Sprache und der Verseinlagen sowie die Parodie von klassischen Mustern wie dem Epos und dem griechischen Liebesroman.
Die Arbeit fragt nach dem literarischen Charakter der Satyrica und ob sich eine dominante Gattung identifizieren lässt, die die Vielfalt der in den Satyrica enthaltenen Elemente integriert.
Die Autorin/der Autor wendet eine komparative Literaturanalyse an, indem Motive, Strukturen und sprachliche Charakteristika der Satyrica mit den Traditionen des griechischen Romans, der römischen Satire, dem Mimus und anderen zeitgenössischen Gattungen verglichen werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Gattungsanalyse: Er beginnt mit den Zeugnissen, geht über zur Untersuchung der Satiremerkmale und der menippeischen Satire, führt hin zur detaillierten Parallelen-Analyse mit dem griechischen Roman und endet bei spezifischen Einflüssen wie dem Mimus und der Symposion-Literatur.
Satyrica, Petron, Roman, Satire, menippeische Satire, Antike, Realismus, Parodie, Prosimetrum, literarische Gattung.
Die Arbeit stellt fest, dass Petron zwar eine Welt entwirft, die an die zeitgenössische Realität angelehnt ist, jedoch durch "künstlerische Künstlichkeit" und bewusste Selektion eher ein differenziertes, bisweilen extremes Bild der Wirklichkeit zeichnet, statt eine realistische Fotografie zu liefern.
Das Motiv des Zorns des Gottes Priap wird als eines von vielen Bindegliedern gewertet, das parodistisch auf epische Vorbilder anspielt, jedoch nicht als durchgehendes Leitmotiv für das gesamte Werk angesehen wird.
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Petron keinen durchgängigen moralischen Standpunkt einnimmt, was ihn deutlich von vielen traditionellen Satirikern unterscheidet; die Satyrica sind eher durch humorvolle Distanz als durch moralische Empörung geprägt.
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