Magisterarbeit, 2011
97 Seiten, Note: 1,8
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1 Einleitung
2 Die Entwicklung der staatsbürgerlichen Idee
2.1 Die vertragstheoretische Perspektive
2.1.1 Hobbes
2.1.2 Locke
2.1.3 Rousseau
2.1.4 Vom natürlichen Individuum zum Staatsbürger
2.2 Gerechtigkeit
2.2.1 Platon
2.2.2 Aristoteles
2.2.3 Rawls
2.2.4 Gerechtigkeit als Maßstab kooperierender Bürger
2.3 Sittlichkeit
2.3.1 Platon
2.3.2 Hegel
2.3.3 Herrscher- kontra Bürgertugend
2.4 Freiheit
2.4.1 Kant
2.4.2 Mill
2.4.3 Freiheitssicherung durch ihre Einschränkung
2.5 Definition der Staatsbürgerschaft
2.5.1 Gesicherte Rechte
2.5.2 Bindende Pflichten
2.5.3 Erwerbungsprinzipien der Staatsbürgerschaft
3 Die Unionsbürgerschaft
3.1 Von Schengen nach Lissabon
3.2 Definition der Unionsbürgerschaft
3.2.1 Gesicherte Rechte der Unionsbürgerschaft
3.2.2 Bindende Pflichten der Unionsbürgerschaft
4 Unions- und Staatsbürgerschaft im Vergleich
5 Kritik und neue Ansätze
6 Schlusswort
Die Arbeit untersucht die theoretische Entwicklung des philosophischen Begriffs der Staatsbürgerschaft und setzt diesen in Bezug zur praktischen Umsetzung am Beispiel der europäischen Unionsbürgerschaft. Ziel ist es, Differenzen zwischen theoretischer Definition und politischer Praxis aufzuzeigen sowie die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung des Begriffs zu begründen.
2.1.1 Hobbes
Basierend auf dem von Thomas Hobbes in seinem Werk „Leviathan“ erstmals ausgearbeiteten vertragstheoretischen Argument – der Legitimation von politischer Herrschaft eines Staates – hat sich die Grundidee des Gesellschaftsvertrages etabliert, auf dessen Struktur die ihm folgenden Vertragstheoretiker zurückgreifen. Dieses Strukturelement, als theoretisches Konzept, ist in allen folgenden theoretischen Modellen, die einen vertragstheoretischen Ansatz beinhalten oder auf ihm aufgebaut sind, grundlegend.
Betrachtet wird hier hauptsächlich der erste Teil des „Leviathan“, in welchem Hobbes besonders den Menschen und seine Ausgangssituation in Form des Naturzustandes beurteilt. In diesem Teil liefert er die fundamentalen Argumente, welche für die Bildung eines Staates, mit Hilfe eines hypothetischen Vertrags, und die Rettung der Menschen „aus dem elenden Zustande eines Krieges aller gegen alle“ notwendig sein sollen. Die für Hobbes dazu dienliche Regierungsform, die Monarchie, wird im zweiten Teil des „Leviathan“, welcher sich mit dem Staat beschäftigt, durch einen weiteren Argumentationsstrang, der auf dem Vertragsargument basiert, begründet und soll an dieser Stelle nicht weiter betrachtet werden. Die Priorität wird hier auf das grundlegende vertragstheoretische Argument gesetzt, welches die staatliche Regierung – wie auch immer diese beschaffen sein mag – legitimiert.
Der Naturzustand ist die Ausgangssituation aus welcher der Mensch sich mit Hilfe des Gesellschaftsvertrages befreien muss, weil es sich um einen Zustand der ständigen Unsicherheit und Gefahr handelt, in der der Krieg aller gegen alle vorherrschend ist. Hobbes stellt diesen Zustand einerseits unter Berücksichtigung der empirischen Bedingungen und andererseits hinsichtlich der normativen Bedingungen, von denen der Mensch im Naturzustand abhängig ist, dar und entwickelt in beiden Begründungsansätzen ein Szenario der absoluten Anarchie, in dem das Überleben das einzige, von Allen angestrebte, Ziel ist.
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen dem theoretischen Modell des Staatsbürgers und der politischen Realität, motiviert durch aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen.
2 Die Entwicklung der staatsbürgerlichen Idee: Dieses Kapitel analysiert philosophische Begründungen von Staatsbürgerschaft anhand von Vertragstheorien, Gerechtigkeitskonzepten, Sittlichkeit und Freiheit sowie deren historische Vertreter.
3 Die Unionsbürgerschaft: Dieser Abschnitt beleuchtet die rechtliche Entwicklung der Unionsbürgerschaft von den ersten Abkommen bis zum Vertrag von Lissabon und definiert ihre Rechte und Pflichten.
4 Unions- und Staatsbürgerschaft im Vergleich: Es erfolgt eine Gegenüberstellung der theoretischen Modelle mit der praktischen Umsetzung auf EU-Ebene, wobei Gemeinsamkeiten und Defizite identifiziert werden.
5 Kritik und neue Ansätze: Das Kapitel diskutiert kritische Einwände gegenüber herkömmlichen Erwerbsprinzipien und fordert unter Bezugnahme auf aktuelle Debatten eine Weiterentwicklung des Konzepts.
6 Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass moderne Gesellschaften heterogen sind und eine kontinuierliche Integration moralischer Prinzipien in politische Theorien erfordern.
Staatsbürgerschaft, Unionsbürgerschaft, Gesellschaftsvertrag, Gerechtigkeit, Sittlichkeit, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Politische Philosophie, Politische Partizipation, Sozialisation, Menschenrechte, Politische Theorie, Demokratie, Gemeinwille, Diskurs.
Die Hausarbeit befasst sich mit der philosophischen Herleitung des Begriffs der Staatsbürgerschaft und untersucht, wie sich dieses theoretische Konzept in der aktuellen europäischen Unionsbürgerschaft praktisch niederschlägt.
Zentrale Themen sind die verschiedenen philosophischen Strömungen, die das Verständnis von Staatsbürgerschaft geprägt haben, wie Vertragstheorien, Gerechtigkeitslehren, Sittlichkeit und Freiheitskonzepte, sowie deren Übertragung auf die moderne europäische Politik.
Das Ziel ist es, die Differenzen zwischen dem theoretischen Ideal der Staatsbürgerschaft und der realpolitischen Umsetzung zu analysieren und aufzuzeigen, wo Bedarf für eine Weiterentwicklung dieser Konzepte besteht.
Die Arbeit nutzt eine philosophiehistorische Analyse, bei der zentrale Vertreter politischer Theorien (z.B. Hobbes, Locke, Rousseau, Kant, Mill, Rawls, Hegel) exemplarisch ausgewählt und auf ihre Relevanz für den Staatsbürgerschaftsbegriff hin untersucht werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit philosophischen Begründungsansätzen, einer Definition der Staatsbürgerschaft sowie einem Vergleich dieser theoretischen Basis mit der rechtlichen und praktischen Ausgestaltung der europäischen Unionsbürgerschaft.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Staatsbürgerschaft, Unionsbürgerschaft, Gerechtigkeit, Freiheit, Gesellschaftsvertrag, Sittlichkeit, politische Partizipation und Menschenrechte charakterisiert.
Während Hobbes das hypothetische Vertragsmodell nutzt, um eine absolute Monarchie zur Sicherung des Überlebens zu legitimieren, verwendet Locke das Modell, um die Regierungsform einer liberalen Demokratie zu rechtfertigen, die den Schutz individueller Freiheitsrechte garantiert.
Die Autorin argumentiert unter anderem mit Seyla Benhabib, dass die klassischen Erwerbsprinzipien der Staatsbürgerschaft in einer ethnisch und kulturell pluralistischen Realität zunehmend als methodologische Fiktion erscheinen und daher überdacht werden müssen.
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