Magisterarbeit, 2010
75 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1. Vorgehensweise
2. Der freie Wille
2.1. Schopenhauer: Preisschrift über die Freiheit des Willens
2.2. Augustinus: Voluntas
2.3. Zusammenführung
3. Bejahung des Willens und Erbsündenlehre
3.1. Eigenes Werk
3.2. Geschöpf
3.3. Zeitliches Gesetz
4. Verneinung des Willens und Gnadenlehre
4.1. Verneinung und Wille
4.2. Gnade und Wille
5. Das Problem der Willensverneinung bei Schopenhauer
5.1. Erlösung durch Erkenntnis
5.2. Der Wille als Ding an sich?
6. Vergleich mit neueren Ansätzen
6.1. Scheinproblem „Willensfreiheit“
6.2. Kompatibilismus
6.3. Selbstbestimmung
7. Schlusswort
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, das philosophische Problem der Willensfreiheit durch eine vergleichende Untersuchung der Ansätze von Arthur Schopenhauer und Aurelius Augustinus zu beleuchten. Dabei soll aufgezeigt werden, wie beide Denker trotz grundlegend verschiedener Voraussetzungen – Schopenhauers Metaphysik des Willens als "Ding an sich" und Augustinus' christliche Theologie – zu einer ähnlichen Einschätzung der Unfreiheit des menschlichen Willens gelangen und welche Rolle Konzepte wie die Erbsünde, die Gnadenlehre und die metaphysische Freiheit in ihren Systemen spielen.
1. Einleitung
Anlass für die folgende Untersuchung ist das fortwährende philosophische Problem der Willensfreiheit, welches aktuell insbesondere durch die Neurowissenschaften an Schärfe zunimmt. Diese Untersuchung will hingegen nicht das Vokabular der verschiedenen Disziplinen aufnehmen und verwischen, sondern möchte zu den Quellen zurückgreifen, die das Problem der Willensfreiheit, der Ansicht des Verfassers nach, am ergiebigsten beleuchtet haben.
Arthur Schopenhauer (1788-1860) ist in seiner gekrönten Preisschrift über die Freiheit des Willens der Frage nachgegangen, wie die Täuschung eines freien Willens in dem Selbstbewusstsein entstehen kann und wie darauf aufbauend die Freiheit des Willens verstanden wurde. Schopenhauer gibt anhand seiner Arbeit Definitionen der Freiheit und der Willensfreiheit, die sehr hilfreich sind, sich in dem Feld der philosophischen Erörterungen über die Willensfreiheit zurechtzufinden und diese gegebenenfalls auch kritisch beleuchten zu können.
Aurelius Augustinus (354-430) ist einer der frühesten Denker, der über das Problem des freien Willens nachsinnt und deshalb besonders geeignet, da er dies in christlicher Gesinnung vollzieht, welche unsere Geistesgeschichte maßgeblich mitprägte. Nicht zuletzt die Hervorhebung Augustinus durch Schopenhauer in seiner Preisschrift als dem ersten Denker, dem das Problem der Willensfreiheit völlig aufgegangen sei, und die gegensätzlichen Schlüsse, welche die beiden ziehen, haben dazu bewogen, Augustinus in die Untersuchung mit einzubeziehen.
Der Weg dieser Untersuchung führt dazu, die Leugnung des freien Willens bei Schopenhauer mit dem Fürwahrhalten desselben bei Augustinus in Beziehung zu setzen. Dabei soll herausgestellt werden, dass der augenfällige Gegensatz gemindert werden kann, wenn man die metaphysische Freiheit Schopenhauers mit der augustinischen Willensfreiheit vor dem Sündenfall zusammenführt.
1. Einleitung: Einführung in das Problem der Willensfreiheit und Darlegung der Zielsetzung, Schopenhauers und Augustinus' Perspektiven trotz ihrer Unterschiede in Beziehung zu setzen.
2. Der freie Wille: Analyse der grundlegenden Willensbegriffe bei Schopenhauer und Augustinus sowie eine erste Zusammenführung ihrer Positionen.
3. Bejahung des Willens und Erbsündenlehre: Untersuchung der metaphysischen Voraussetzungen beider Denker, insbesondere die Verbindung von Willensbejahung bei Schopenhauer und Erbsünde bei Augustinus.
4. Verneinung des Willens und Gnadenlehre: Analyse des Erlösungskonzepts, bei dem Schopenhauers Verneinung des Willens mit Augustinus' Gnadenlehre verknüpft wird.
5. Das Problem der Willensverneinung bei Schopenhauer: Detaillierte Betrachtung der erkenntnistheoretischen Grundlagen der Willensverneinung und der Problematik des Willens als Ding an sich.
6. Vergleich mit neueren Ansätzen: Kritische Diskussion aktueller Debatten zur Willensfreiheit (Scheinproblem, Kompatibilismus, Selbstbestimmung) im Lichte der zuvor gewonnenen Erkenntnisse.
7. Schlusswort: Synthese der Ergebnisse und Reflexion über die Bedeutung der Willensproblematik für das Verständnis der menschlichen Existenz.
Willensfreiheit, Arthur Schopenhauer, Aurelius Augustinus, Preisschrift über die Freiheit des Willens, De libero arbitrio, Erbsündenlehre, Gnadenlehre, Metaphysik, Ding an sich, Determinismus, Kompatibilismus, Selbstbestimmung, Handlungsfreiheit, Motiv, Charakter.
Die Arbeit untersucht das philosophische Problem der Willensfreiheit anhand der Theorien von Arthur Schopenhauer und Aurelius Augustinus und prüft, inwieweit sich diese beiden, historisch und systematisch weit voneinander entfernten Positionen sinnvoll miteinander in Beziehung setzen lassen.
Die zentralen Themen umfassen die metaphysische Freiheit, die Unterscheidung von Handlungs- und Willensfreiheit, die Rolle von Erbsünde und Gnade sowie die erkenntnistheoretische Begründung der Willensverneinung.
Das Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Gegensätze zwischen Schopenhauers philosophischer Leugnung und Augustinus' theologischer Bejahung des freien Willens aufzudecken, um durch diesen Vergleich ein tieferes Verständnis für die Bedingungen menschlichen Wollens und Handelns zu erlangen.
Die Arbeit nutzt die hermeneutische Methode der Textanalyse und den systematischen Vergleich, indem sie primäre philosophische und theologische Werke (u.a. Schopenhauers Preisschrift, Augustinus' De libero arbitrio) direkt auswertet und mit aktueller Forschungsliteratur diskutiert.
Der Hauptteil erörtert die Konzepte der Bejahung und Verneinung des Willens in Bezug auf die Erbsünden- und Gnadenlehre, analysiert das Problem der Willensverneinung bei Schopenhauer und stellt diese klassischen Ansätze in den Kontext moderner Debatten über Determinismus und Selbstbestimmung.
Die wichtigsten Schlagworte sind Willensfreiheit, Metaphysik, Determinismus, Gnadenlehre, Erbsünde, Handlungsfreiheit, Ding an sich und das Verhältnis von Motiv und Charakter.
Diese Unterscheidung ist zentral, da sowohl Schopenhauer als auch der Autor feststellen, dass viele moderne Debatten aneinander vorbeireden, weil sie "Freiheit" oft nur als Handlungsfreiheit (Abwesenheit von Zwang) definieren, während die philosophisch tiefere Frage der Willensfreiheit (die Wahl des eigenen Wollens) damit nicht geklärt ist.
Der Autor zeigt sich kritisch gegenüber modernen kompatibilistischen Ansätzen, wie sie etwa von Michael Pauen vertreten werden. Er argumentiert, dass diese oft hinter die klassische Schopenhauersche Einsicht zurückfallen und letztlich nur eine Variante der Handlungsfreiheit beschreiben, ohne das grundlegende Problem der Willensdetermination durch das Selbst bzw. den Charakter zu lösen.
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