Diplomarbeit, 2009
86 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Die fair value Bilanzierung von Verbindlichkeiten
2.1 Das mixed model
2.1.1 Bewertung finanzieller Vermögensgegenstände
2.1.2 Bewertung finanzieller Verbindlichkeiten
2.1.3 Reformvorschläge des IASB zur Kategorisierung finanzieller Verbindlichkeiten
2.2 Verbindlichkeiten im Bankensektor
2.3 Hedge accounting
2.3.1 Fair value hedge accounting
2.3.2 Portfolio fair value hedge accounting
2.4 Die fair value Option auf finanzielle Verbindlichkeiten
2.4.1 Die Entwicklung der fair value Option
2.4.2 Kriterien für die Zulässigkeit der fair value Option
2.4.2.1 Vermeidung von Bewertungsinkongruenzen
2.4.2.2 Steuerung und Überwachung eines Portfolios von Finanzinstrumenten auf fair value Basis
2.4.2.3 Trennungspflichtige eingebettete Derivate
2.4.3 Offenlegungsanforderungen bei Nutzung der fair value Option
2.4.4 Berechnung der bonitätsinduzierten Ergebnisse aus der fair value Option
2.5 Vom IASB diskutierte Vorschläge zur Änderung der Regeln zum hedge accounting und der fair value Option
2.6 Ermittlung des fair value
2.6.1 Die Bewertungshierarchie nach IAS 39
2.6.2 Problematik der Berücksichtigung von Kreditrisiken im Rahmen der fair value Ermittlung
3 Empirische Untersuchung der Auswirkungen der fair value Option auf die Jahresabschlüsse von Kreditinstituten
3.1 Zusammenhang zwischen der Entwicklung von credit spreads und bonitätsinduzierten Bewertungsergebnissen
3.2 Analyse der zukünftigen GuV- Belastung durch die fair value Option für finanzielle Verbindlichkeiten
3.3 Beurteilung der Nutzung der fair value Option auf Verbindlichkeiten aus Sicht der Abschlussadressaten
3.3.1 Informationswirkung der fair value Bilanzierung von Verbindlichkeiten
3.3.2 Untersuchung der Darstellungsweise der fair value Option im Jahresabschluss
4 Zusammenfassung
5 Ergebnis und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Bilanzierung finanzieller Verbindlichkeiten nach IFRS, mit besonderem Fokus auf die kritische Betrachtung der "fair value Option". Das Hauptziel ist es, die ökonomischen Hintergründe und die Anwendungsvoraussetzungen dieser Option zu beleuchten sowie die Auswirkungen auf die Finanzberichterstattung von Kreditinstituten, insbesondere in Bezug auf bonitätsabhängige Bewertungseffekte, empirisch zu analysieren.
2.4.2.1 Vermeidung von Bewertungsinkongruenzen
Die aus dem mixed model resultierenden Bewertungsinkongruenzen (accounting mismatch) zwischen Finanzinstrumenten verschiedener Kategorien sollen durch die Anwendung der fair value Option vermieden oder wesentlich verringert werden. Voraussetzung dafür ist, dass zwischen den Instrumenten ein nachweisbarer ökonomischer Zusammenhang besteht (IAS 39.BC75). Hierfür existieren allerdings keine klaren Regelungen in den IFRS. Daraus entsteht ein Ermessensspielraum bezüglich der Frage, wann genau eine solche wesentliche Verringerung vorliegt und welche Bezugsgröße hierfür herangezogen werden sollte. Allerdings lassen sich aus der Forderung des ökonomischen Zusammenhangs und aus den gegebenen Beispielen in den Anwendungsleitlinien des IAS 39 weitere Regelungen ableiten. So steht etwa eine Verbindlichkeit im ökonomischen Zusammenhang zu einem Vermögenswert, wenn diese gegenläufige fair value Entwicklungen aufweisen, oder die Verbindlichkeit zum Zwecke der Refinanzierung des Vermögenswertes aufgenommen wurde (IAS 39.BC75).
IAS 39.AG4E liefert einige Beispiele für die Vermeidung eines accounting mismatch im Zusammenhang mit finanziellen Vermögensgegenständen der Kategorie available for sale: Wenn ein Unternehmen ein Portfolio festverzinslicher Vermögenswerte der Kategorie available for sale mit festverzinslichen Schuldverschreibungen refinanziert, ergibt sich eine Inkongruenz. Diese entsteht daraus, dass die Vermögenswerte erfolgneutral zum fair value bewertet, die Schuldverschreibungen jedoch zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden. Diese Inkongruenz wird durch die einheitliche erfolgswirksame Bewertung der Vermögenswerte und Schulden zum fair value berichtigt.
Grundsätzlich ist es zulässig, von einer Vielzahl ähnlicher Finanzinstrumente nur einzelne und nicht alle zu designieren, wenn dadurch eine signifikante Reduktion von accounting Inkongruenzen erreicht werden kann (IAS 39.AG4G). Zum Zugangszeitpunkt reicht es außerdem aus, wenn ein ökonomischer Zusammenhang mit anderen Positionen voraussichtlich eintreten wird. Der Aufbau der Gegenposition kann auch später, nach einer angemessenen Verzögerung, erfolgen (IAS 39.AG4F).
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Kontroverse um die fair value Bilanzierung von Finanzinstrumenten im Bankensektor dar und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, die Auswirkungen der fair value Option kritisch zu hinterfragen.
2 Die fair value Bilanzierung von Verbindlichkeiten: Dieses Kapitel erläutert das "mixed model" der IFRS, die Herausforderungen des Hedge Accountings sowie die Entstehung und regulatorischen Kriterien der fair value Option bei Verbindlichkeiten.
3 Empirische Untersuchung der Auswirkungen der fair value Option auf die Jahresabschlüsse von Kreditinstituten: Hier erfolgt eine Analyse, inwieweit europäische Banken die fair value Option genutzt haben und welchen Einfluss Kreditrisikoänderungen auf ihre Bewertungsergebnisse und die GuV hatten.
4 Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über die Problematik des "accounting mismatch" und die Vor- sowie Nachteile der fair value Option zusammen.
5 Ergebnis und Ausblick: Das abschließende Kapitel bewertet die empirischen Befunde und diskutiert die zukünftigen Entwicklungen der Rechnungslegungsstandards durch das IASB hinsichtlich eines möglichen "full fair value accounting".
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Die Arbeit beschäftigt sich mit der umstrittenen Bilanzierung finanzieller Verbindlichkeiten im Bankensektor nach IFRS, wobei der Schwerpunkt auf der kritischen Betrachtung der sogenannten "fair value Option" liegt.
Zentrale Themen sind das "mixed model" der IFRS, die Komplexität des Hedge Accountings, die Kriterien für die Anwendung der fair value Option sowie die empirische Untersuchung der Auswirkungen von Bonitätsänderungen auf die Bankbilanzen.
Ziel ist es, die Bedingungen zu identifizieren, unter denen eine fair value Bewertung ökonomisch sinnvoll ist, und die Auswirkungen dieser Bewertungsmethode auf die Jahresabschlüsse und die Transparenz für Abschlussadressaten zu bewerten.
Der Autor verbindet eine theoretische Auseinandersetzung mit der Rechnungslegungslogik nach IAS 39 und IFRS 7 mit einer empirischen Untersuchung der Geschäftsberichte ausgewählter deutscher und europäischer Banken im Zeitraum 2006 bis 2008.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung der Bewertungsregeln und Hedge-Accounting-Verfahren sowie in eine empirische Analyse, die den Zusammenhang zwischen credit spreads, bonitätsinduzierten Bewertungseffekten und der Darstellung in Geschäftsberichten untersucht.
Die Untersuchung ist geprägt durch Begriffe wie fair value Option, Hedge Accounting, Bonitätsrisiko, Accounting Mismatch und Credit Spreads im Kontext des IFRS-Regelwerks.
Verschlechtert sich die eigene Bonität eines Instituts, führt dies bei Anwendung der fair value Option zu einem Rückgang des in der Bilanz ausgewiesenen Fremdkapitals und somit zu einem Gewinn, der jedoch als "Scheingewinn" kritisiert wird, da die Verbindlichkeit meist zum Nennwert zurückgezahlt werden muss.
Der Autor kritisiert, dass viele Banken die bonitätsbedingten Effekte nicht klar in der GuV ausweisen oder die Offenlegung der Berechnungsmodelle zu unpräzise ist, was die Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse für Anleger erheblich erschwert.
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